Das Schönbichler Horn erzählt vom Wandel des Hochgebirges

19/11/2010

Der Berg ist nicht immer der Berg – das ist so eine Binsenweisheit, die man schnell aufstellen könnte über das Hochgebirge. Der Berg wandelt sich nämlich mit den Jahreszeiten, mit dem Wetter, mit dem Schnee, der friert und wieder taut und wieder friert, und mit dem Wind, der an seinen Graten und Flanken nagt. Der Berg sieht immer anders aus. Wenn der Bergsteiger nun anrückt, um den Berg zu bestiegen, findet er fast nie die gleichen Bedingungen vor. Was im vergangenen Sommer noch leicht erschien, weil es an diesem einen Tag damals vielleicht 15 Grad hatte, ist heute, bei – sagen wir – minus 3 Grad, schon ziemlich heikel. Deshalb sagt die objektive Schwierigkeit einer Route immer nur die Hälfte über die Besteigung aus, die andere Hälfte muss man sich sozusagen vor Ort, in der Praxis, direkt am Berg erschließen. Man muss sich erst mal anschauen, ob eine Besteigung überhaupt zu machen ist.

Das Schönbichler Horn in den Zillertaler Alpen ist ein prominenter Berg. Nicht, weil es besonders hoch wäre (3133 Meter) oder seine Erscheinung auffallend markant: Das Schönbichler Horn liegt auf dem Berliner Höhenweg, und wer sich dazu entschlossen hat, in etwa einer Woche den gesamten Rundweg von Hütte zu Hütte zu begehen, der muss früher oder später über diesen Berg steigen, wenn er keinen Umweg über das Tal nehmen möchte. Nur ist das Schönbichler Horn eben auch ein Berg, dessen Gestalt sich mit der Witterung grundlegend ändert. An manchen Sommertagen ist die Überschreitung des Gipfels eine sorglose Wanderung, an anderen ein heikles Unterfangen. Eine Rückschau auf drei Begehungen.

2003

Spätsommerwetter in den Ostalpen: Die Sonne brennt heiß, die Luft ist warm, die Gletscher sind aper, und Neuschnee ist seit mindestens zwei Wochen nicht mehr gefallen. Die Höhenzüge sind schneefrei. Der Weg auf das Schönbichler Horn ist vom Furtschaglhaus oberhalb des Schlegeis-Speichers in zwei Stunden zu machen. Die Drahtseile auf der anderen Seite, die hinunter zur Berliner Hütte führen, lassen sich gut greifen. Die Steine zum Treten und Festhalten sind trocken und warm. Das macht großen Spaß, diese leichte Kletterei hier oben, in Sichtweite des vergletscherten Zillertaler Hauptkamm. Mit Konzentration und gutem Tritt ist der Weg an diesem Tag ohne Probleme zu machen.

2007

Der Blick von der Terrasse des Furtschaglhauses zum Gipfel verheißt um 7 Uhr morgens wenig Gutes: Neuschnee ist bis auf 2500 Meter hinuntergefallen, der Bergkamm liegt im Nebel, die Sicht ist schlecht. Trotzdem: Aufstieg. Unterhalb der Scharte hat eine ansehnliche Schneedecke die losen Steine überzogen. Ein bisschen am Hilfsseil entlang hangeln, kurz auf den Gipfel steigen, und dann: Abstieg über die verschneite Gipfelflanke. Die Steine sind rutschig. Man sieht kaum etwas. Das Drahtseil ist schlecht zu greifen. Und der Weg, der aus der Flanke auf den Grat führt, ist nicht recht zu erkennen. An diesem Tag stürzt ein Bergsteiger beinahe direkt vor uns auf dem Weg nach unten rund 70 Meter ab, vermutlich ist er einfach weggerutscht, war eine Sekunde unaufmerksam, hat wegen seines schweren Rucksacks das Gleichgewicht verloren. Die Rettungssanitäter kommen mit dem Hubschrauber und fliegen den Verunglückten in eine Klinik. Später in der Hütte: bedrückte Stimmung trotz aufmunternder Worte. Schicksalsberg Schönbichler Horn, an diesem Tag liegt er wie eine Mahnung in den Wolken.

Schönbichler Horn

Schönbichler Horn

Bild 263
Schönbichler Horn.

2010

Die Sonne verdrängt am Morgen die Schatten aus dem Tal, auf den Höhen liegt trittfester Schnee, der Himmel ist blassblau über den Gipfeln. Weil um die Spitze des Schönbichler Horns herum nicht ein Wolkenfetzen hängt, wirkt der Schnee wenig bedrohlich, obwohl das natürlich ein Trugschluss ist. Wir klettern mit dem nötigen Respekt, aber durchaus heiter durch das Steilstück bergab, man sieht von oben schon die Berliner Hütte und mit ihr die Aussicht auf eine ordentliche Mahlzeit. Alles kein Problem, der Auf- und Abstieg an diesem Morgen. Dann bis zum nächsten Mal.

Hochsteller, Olperer, Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Hochsteller (links) und Olperer (rechts).
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Hoher Weißzint, Hochfeiler und Hochferner.
Großer Geiger (vorne) und Tuxer Hauptkamm (hinten) vom Schönbichler Horn, Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Geiger (vorne) und Tuxer Hauptkamm (hinten) vom Schönbichler Horn.
Hoher Riffler vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Hoher Riffler vom Schönbichler Horn.
Größer Mörchner (links) und Großer Löffler (rechts) vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Größer Mörchner (links) und Großer Löffler (rechts) vom Schönbichler Horn.
Großer Mörchner (Mitte vorne), Großer Löffler (Mitte hinten), Schwarzenstein und Hornspitzen (rechts) vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Mörchner (Mitte vorne), Großer Löffler (Mitte hinten), Schwarzenstein und Hornspitzen (rechts).
Großer Möseler Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Möseler.
Olperer (links) und Gefrorene-Wand-Spitzen (rechts) von der Berliner Hütte Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Olperer (links) und Gefrorene-Wand-Spitzen (rechts) von der Berliner Hütte.
Turnerkamp von der Berliner Hütte Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Turnerkamp von der Berliner Hütte.

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