Ötztaler Alpen (1) – Hintere Schwärze

26/08/2011

Erster Tag im Gebirge, Aufbruch um 6 Uhr von der Martin-Busch-Hütte. Das ist nicht zu früh für den erst gestern aus dem Flachland aufgestiegenen Großstädter, aber auch nicht zu spät für eine Hochtour auf die Hintere Schwärze. Die jenseits des Bergrückens langsam aufsteigende Sonne hat das Pechschwarz der Nacht verdrängt, die Füße können die Konturen des Weges lesen. Wir müssen herunter zum Fluss, über eine Brücke, dahinter folgt der Pfad den Kehren des Hangs. Ein neuer Weg wurde hier angelegt, der alte ist wegen Steinschlaggefahr gesperrt worden. Die Route verändert sich, wie das Hochgebirge insgesamt. Erst geht es deshalb viele steile Serpentinen hinauf und dann wieder, bis man den Gletscher erreicht, viele Höhenmeter über lose Steine hinab. Wir brauchen dafür wenigstens eine Stunde. Unten noch mehr Geröll, zwei Moränen folgen der Fließrichtung des Eisstroms, sie haben viel Schutt mitgenommen. Der Himmel ist wolkenlos, das Blau wird intensiver mit jeder Morgenstunde.


unterer marzellferner similaun wanderer bergsteiger ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Unterer Marzellferner vor dem Similaun (Mitte).


Der untere Ausläufer des Marzellferners fließt eben zu Tal. Der Gletscher hier unten ist aper, das Eis liegt frei. Es knirscht und krächzt, wenn die Zacken der Steigeisen sich hineinbohren. Wir schauen nach vorne, von links oben fällt die Gletscherzunge über steileres Gelände herab. Das Eis faltet sich in diesen Brüchen auf wie spröde Haut. Wir schlagen drei oder vier Kehren, um den großen Spalten auszuweichen. Die ersten Sonnenstrahlen, die über den vereisten Hang fallen, erleuchten unsere Gesichter. Und schließlich, mit jedem Höhenmeter etwas mehr, schiebt sich der Gipfelaufbau ins Blickfeld. Seine Form ähnelt einer Haifischflosse, der Grat fällt scharf über die noch schattige Nordwand ab. Erst jetzt, nach weit mehr als zwei Stunden Gehzeit, zeigt sich die Hintere Schwärze. Aus dem Niedertal auf der Nordseite des Schnalskamms ist ihr Gipfel nicht zu sehen.


hintere schwärze marzellferner ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Hintere Schwärze vom Marzellferner.
oberer marzellferner bergsteiger einsamkeit verlassenheit unberührt ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Oberer Marzellferner.
hintere schwärze östliche marzellspitze marzellferner ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Hintere Schwärze (links) und Östliche Marzellspitze (Mitte) vom Marzellferner.


Oberhalb des Bruchs liegt ein weitläufiges Gletscherbecken, man blickt auf eine unberührte Eislandschaft, die von keinem Felsbrocken unterbrochen wird. Nur einige Fußspuren ziehen sich durch den Schnee. Die fast bis zum Gipfel hinauf vergletscherte Nordflanke der Hinteren Schwärze bricht in einiger Entfernung von uns in einem Eisbruch ab. Wir lassen sie links liegen, nachdem wir das nun fast wieder ebene Weiß durchquert haben, und erreichen die große Firnrampe, die uns hinauf zum Gipfel bringen soll. Das Gelände wird nun wieder steiler und der Schnee tiefer, es gelangt weniger Sauerstoff in die Lunge hier oben, das merkt man jetzt.


similaun weißkugel gipfelgrat hintere schwärze seilschaft aufstieg grat ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Similaun (links) und Weißkugel (rechts) vom Gipfelgrat der Hinteren Schwärze.


Der Firn wird noch steiler, wir erreichen einen Aufschwung, von dem Spuren in direkter Linie den Schneehang hinaufführen. Keine hundert Meter mehr bis zum Grat. Das Laufen kostet einigermaßen Kraft. Zehn Schritte gehen, durchatmen. Das Eis unter den Schuhen ist von der Kälte der Nacht noch ziemlich hart. Das Gehen ist angenehm, der frühe Aufbruch hat sich gelohnt. Schließlich der Gipfelgrat, zum Kreuz sind es nur noch ein paar Meter über Blockgestein. Man blickt hinüber nach Italien, man schaut über die Wolken hinweg. Wenigstens 300 Höhenmeter tiefer fließen gewaltige Gletscher zu Tal. Das eiserne Kreuz überragt alle anderen Gipfel in der Nähe. Wir stehen auf dem höchsten Berg des Kamms, man konnte ihn von unten nicht einmal sehen. Die Hintere Schwärze ist einer der schönsten Berge der Ötztaler Alpen, weil er seine Größe und seine Form gut versteckt.


weißkugel hintere schwärze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Weißkugel von der Hinteren Schwärze.
texelgruppe hintere schwärze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Texelgruppe von der Hinteren Schwärze.
similaun weißkugel hintere schwärze gipfelkreuz metall eisen ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Similaun (links) und Weißkugel (Mitte) von der Hinteren Schwärze.
karlesspitze hintere schwärze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Karlesspitze von der Hinteren Schwärze.
wildspitze hintere schwärze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Wildspitze von der Hinteren Schwärze.


Hintere Schwärze (3624 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: ca. 2 Stunden
Übernachtung: Martin-Busch-Hütte (2501 m), +43 5254 813050, 40 Zimmerlager, 72 Lager, ab 6 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD / I, Gletscherspalten, ca. 3-4 Stunden

[googlemaps https://maps.google.com/maps/ms?msa=0&msid=217857841857011717699.0004c76339bb3c69a12d3&ie=UTF8&t=h&ll=46.815099,10.908394&spn=0.129225,0.246849&z=12&output=embed&w=720&h=550]

You may also like

Leave a Comment

css.php