Ötztaler Alpen (3) – Fineilspitze

29/08/2011

Dass sich das Wetter im Gebirge rasch ändert, beweist der Morgen. Gestern noch hing Nebel im Tal und auf den Gipfeln, heute wirft die Sonne ihre Strahlen über die Hänge und sättigt das Grün der Almwiesen und das Rotbraun der Felsen. Der Weg zur Similaunhütte ist eine schonende Angelegenheit, entspannt folgt der Pfad dem Fluss das hinterste Niedertal hinauf. Das Gras zieht sich hier zurück, Schutt und Geröll dominieren die Landschaft. Vom Kamm fließen kleine Bäche hinab. Rechts ragt harmlos die Kreuzspitze in den Himmel, die heute schon wieder vollkommen schneefrei ist. Links schiebt sich langsam der Similaun ins Blickfeld, der ausgeprägte Eiszungen seine Hänge herunter schickt. Dort, wo das Gelände besonders steil ist, reißt der Gletscher auf und gibt das harte Gneisgestein frei. Der Weg zieht den Kamm entlang, es folgen einige Senken, und irgendwann sieht man die Similaunhütte in der Einschartung des Alpenhauptkamms, der Österreich von Italien trennt. Es geht noch einmal steil nach oben, wir kommen ins Schwitzen.

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Similaun vom Weg zur Similaunhütte.
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Ortlergruppe von der Similaunhütte.
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Kreuzspitze von der Similaunhütte.

Auf der Hütte erleichtern wir unsere Rucksäcke um Kleidung, Waschbeutel, Essensvorräte und Steiggerätschaften. Die Fineilspitze kann man trotz ihrer vergleichsweise vorzeigbaren Höhe von über 3500 Metern von der Ostseite her eisfrei besteigen. Der Himmel lässt weithin keine Gewitterwolken oder Anzeichen eines Wetterwechsels erkennen, wir gehen mit leichtem Gepäck weiter. Anfangs verläuft der Weg steil über markiertes Blockgestein, dann flacht das Gelände wieder ab. Bevor der Pfad einen Schlenker zum Denkmal des «Ötzis» macht, der Gletschermumie, die sie hier vor zwanzig Jahren im Eis gefunden haben, sind einige Schneefelder zu queren. Sie sind von der heißen Mittagssonne unangenehm aufgeweicht. Dann folgt das Hauslabjoch, von hier blickt man auf die ansehnlichen Gletscher auf der Westseite der Fineilspitze. Sie rufen den hochalpinen Charakter des Berges in Erinnerung. Ein Stück weit müssen wir nun wieder über Schnee laufen, aber das bereitet auch ohne Steigeisen keine Probleme.

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Fineilspitze vom Hauslabjoch.

Der letzte Anstieg führt über Blockgestein. Man muss die Hände benutzen, rechts fällt der Grat fast senkrecht ab zum Gletscher. Die Kletterpassagen sind wenig schwierig. Die Steine sind warm von der Sonne, wenn man mit den Fingern nach ihnen greift. Bisher wirkte der Berg wie ein einziger zerklüfteter Aufschwung auf einen unspektakulären Kamm, erst vom Gipfel wird seine Prominenz deutlich. Am Fuß der Westflanke unter uns ergießt sich der Hochjochferner über die Ebene, auf der gegenüberliegenden Talseite funkeln die Firnspitzen des Weißkamms im Sonnenlicht. An einem wolkenlosen Tag ist es hier sehr luftig, hoch über den Eisströmen, auf Augenhöhe mit den vergletscherten Massiven rundherum.

Ötztaler Alpen : Schneeriesen am Horizont (Spiegel Online)

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Weißkugel und Langtauferer Spitze (Mitte) mit Weißseespitze (rechts) von der Fineilspitze.
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Hinterer Brochkogel (links) und Wildspitze (Mitte) von der Fineilspitze.
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Hintere Schwärze (links) und Similaun (rechts) von der Fineilspitze.
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Weißseespitze von der Fineilspitze.

Fineilspitze (3514 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: über Martin-Busch-Hütte (2501 m), ca. 4 Stunden
Übernachtung: Similaunhütte (3019 m), +39 473 669711, 40 Zimmerlager, 30 Lager, ab 10 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD- / II, ca. 2 Stunden

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