Ötztaler Alpen (7) – Wildspitze

11/10/2011

Vent — Frühstück auf der Terrasse der Breslauer Hütte, es ist komplett finster. Etwa 200 Menschen schlafen noch oder stehen gerade auf oder packen jetzt ihren Rucksack. Sie wollen heute alle auf die Wildspitze. Es ist Wochenende, es ist gutes Wetter.

Wir sind die ersten, die aufbrechen. Um uns herum ist es immer noch so dunkel, dass die Steine auf dem Weg kaum zu erkennen sind. Langsam zieht die Dämmerung herauf.

Wir steigen durch das Tal bis zum steinernen Aufschwung des Mitterkarjochs, folgen roten Punkten durch felsiges Gelände. Steigeisen anziehen, das Schneefeld unterhalb der Felswand ist hartgefroren und steil. Steigeisen ausziehen, der Klettersteig erfordert guten Tritt. Etwa 50 Meter kraxeln wir an Drahtseilen nach oben, die frühe Morgensonne in unserem Rücken überzieht die Berge mit einem blassen Schleier.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm vom Mitterkarjoch (Großansicht).

Wir erreichen das Joch, die Sonne bricht hervor. Vor uns eine große, weite Eislandschaft, um uns herum klare Morgenluft. Das gute Gefühl, die Ersten am Berg zu sein. Der Weg über den Gletscher zum Gipfel ist nicht steil.

Um auf den Nordgrat zu kommen, müssen wir aber einen stark geneigten Aufschwung überwinden. Die Frontzacken der Steigeisen schlagen ins Eis. Dann geht es, wechselnd über Firn und Fels, weiter bis zum Kreuz, das nun, um 8 Uhr morgens, weithin sichtbar in der Sonne glänzt. Die Berge in der Ferne schimmern weiß-golden.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm von der Wildspitze (Großansicht).

Wildspitze GipfelgratWildspitze, Gipfelgrat.

Hintere Schwärze und SimilaunHintere Schwärze (links) und Similaun (rechts) von der Wildspitze.

Weißkugel von der WildspitzeWeißkugel von der Wildspitze.

Ramolkamm und SchnalskammRamolkamm und Schnalskamm von der Wildspitze (Großansicht).

Frühstück auf dem Gipfel: weiße Schokolade und hochprozentiger Rum. Bevor es voll wird auf dem höchsten Fleck Tirols, brechen wir auf.

Ein Abstieg zurück über das Mitterkarjoch, Nadelöhr auf der Hauptroute, scheint schwierig. Staugefahr droht, immer noch steigen größere Gruppen auf. Wir verlassen den Gipfelgrat in Richtung Osten.

Spuren im Schnee führen über den nordseitigen Gletscher bis zu einem Durchstich im Westgrat, an dem das Eis steil über einen Bruch zum oberen Rofenkarferner abfällt. Wir steigen vorsichtig hinab. Weiter unten ziehen sich Spalten durch das Eis, aber sie liegen frei und offen in der Sonne. Der Gletscher macht hier keine großen Mühen mehr, irgendwann kommt er in einem letzten Zerwürfnis zum Stehen. Wir sind unten.

Ötztaler Alpen : Schneeriesen am Horizont (Spiegel Online)

Rofenkarferner und WildspitzeÖtztaler Urkund (links) und Wildspitze (Mitte) vom Rofenkarferner.

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Monte Cevedale und Zufallspitze - Run. Travel. Grow. 17/01/2014 at 17:01

[…] Gipfel reicht der Blick von den Ötztaler Alpen über die Ortler-Gruppe und den Bergstock der Bernina in der Ferne bis zum Punta San Matteo und den […]

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