Das Spielzeugmuseum auf Suomenlinna

24/09/2013

Helsinki — Das Computerspiel GTA V hat am ersten Tag 800 Millionen Dollar erlöst und damit das Hollywood-Blockbuster Avatar in den Schatten gestellt. Hartgesottene Gamer wussten es schon lange: Computerspiele sind ein verdammtes Business geworden.

Eine einfache Spielfigur aus Plastik kann vielleicht Raketen aus dem Arm schießen oder einen Kinnhaken schwingen. Sie ist vor allem ein Stück Materie, um das herum eine weite, große, immaterielle Welt in Gedanken entsteht. Ein Spiel wie GTA V bringt diese Welt gleich mit, weil der Datenraum zunehmend seine Grenzen verliert. Es simuliert eine zweite Wirklichkeit, stellt sie technisch ausgereift zur Verfügung und schafft damit das, was Prototypen wie Second Life nie gelang.

Wo das Spiel keine räumlichen Grenzen mehr kennt, weil man einfach in Echtzeit durch Los Angeles fahren kann, hinauf in die Hills, an der Küste entlang und ins eintönige Hinterland der großen Stadt, da wird es schwierig, irgendwann wieder in der Realität anzukommen. Vielleicht war es diese Art von Überforderung, die eine Autorin in der WELT am Sonntag zu der Feststellung veranlasste: »Ich trete dreimal gegen eine Wand und boxe fünfmal auf eine Palme ein, einfach weil es eben geht.« In GTA V kann man fast alles tun oder nichts. Das Programm hat das vorgesehen.

Wie sonderbar antiquiert klingt da nun das schöne Wort Spielzeug. Etwas, das man in die Hand nimmt und mit dem man erst einmal schrecklich wenig anstellen kann. Ziemlich traditionelles Spielzeug kann man sich im Toy Museum auf der kleinen Insel Suomenlinna vor Helsinki anschauen: Puppen, Bären, Autos, Affen.

Die Sammlung enthält Originalspielzeuge, mit denen finnische Kinder seit Anfang des 19. Jahrhunderts gespielt haben. Wenn man durch den kleinen Ausstellungsraum läuft, weiß man nicht, was creepier ist: die psychopathischen Augen der Holzpuppen oder als Max Payne auf Valkyre durch einen dunklen New Yorker U-Bahn-Schacht zu laufen.


Rose Marie, 1928
Rose Marie, 1928.

Bilder aneinanderreihend
Toy monkeys; teddy bears in search of honey, 1920s.

Shirley Temple Doll, Ideal Toy Corporation, 1934, USA
Shirley Temple Doll, Ideal Toy Corporation, 1934, USA.

Lauri Juova, Suomenlinna, 20s
Lauri Juova, Suomenlinna, 1920s.

Mikko and Heikki
Mikko and Heikki, Gebrüder Heubach, 1910.

Julia the Blonde, french mademoiselle, Jumeau, 1900
Julia the Blonde, french mademoiselle, Jumeau, 1900.

Finnish Children's Mall, 40s
Finnish Childrens Mall, 1940s.

Bonzo
Bonzo.

Evi, sailor doll
Evi, sailor doll with »flirting eyes«.

keine Informationen
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Bilder aneinanderreihen
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Suomenlinna Toy Museum: Suomenlinna C 66, 00190 Helsinki, Finnland, +358 40 500 6607, Eintritt 6 Euro

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3 comments

Weltreisender 25/09/2013 at 07:12

philipp, die schönen bilder erinnern mich sehr an das musem der dinge in kreuzberg, einen besuch dort kann ich nur ans herz ran legen. http://www.museumderdinge.de/

Reply
Philipp Laage 26/09/2013 at 19:58

Danke für den Tipp! Berlin ist nicht so weit wie Helsinki…

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Weltreisender 27/09/2013 at 09:11

haha, genau! bidde! ist wirklich gut. wir hatten viel spass dort.

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