Monte Cevedale und Zufallspitze

17/10/2013

Sulden — Die Casatihütte ist nicht schön: zugige Räume, sterile Gänge wie in einem Krankenhaus. Es gibt nur eine Art Plumsklo, und die Zimmer sehen aus wie in einem Straflager. Das Bettgestell ist klapprig, die Matratze durchgelegen, die Wolldecke kratzig.

Man kann das alles ignorieren, wenn man weiß, dass man am nächsten Morgen auf den Monte Cevedale aufsteigt, den dritthöchsten Berg der Ortler Alpen, ein weitläufig vergletscherter Dreitausender. Direkt nebenan liegt die Zufallspitze, die eine vergleichbare Höhe aufweist und durch einen ausgedehnten Firngrat vom Hauptgipfel getrennt ist.

Die Besteigung beider Berge ist an einem Vormittag ohne Probleme zu machen. Der Gletscher ist zahm, der Anstieg zum Gipfegrat wenig steil und technisch unschwierig. Die Casatihütte liegt schon auf 3254 Metern, auf den Gipfel ist es also nicht weit.


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Langerferner von der Eisseespitze.

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Casatihütte vor dem Punta San Matteo.


Am Abend steigen wir auf die Suldenspitze, die gleich neben der Casatihütte liegt. Wolkenberge türmen sich über dem Gebirge auf. Dort liegen Königspitze, Zebrú und Ortler, im Süden spannt der langgezogene Ortler-Hauptkamm einen Bogen. Immer nur kurz fällt die Sonne durch die Wolken und zeichnet die Gletscher scharf.


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Wechselndes Licht am Monte Cevedale.


Um fünf Uhr morgens kann man draußen vor der Hütte keinen Steinwurf weit schauen, wir verschieben das Frühstück um eine Stunde. Über Nacht hat es viel Neuschnee gegeben. Als es eigentlich Tag werden soll, liegt draußen alles in dichtem Nebel. Doch das Schimmern im Dunst verrät, dass die Sonne dahinter schon kräftig strahlt. Keine halbe Stunde später erscheinen die ersten blauen Fetzen am Himmel. Es ist Zeit, aufzubrechen.


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Zufallspitze (links) und Monte Cevedale (rechts) von der Casatihütte.

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Casatihütte und Königspitze.

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Ortler-Hauptkamm vom Monte Cevedale.


Etwa zwei Stunden geht es aufwärts, über einzelne Gletscherspalten bis zum Aufschwung auf den Gifelgrat des Cevedale. Mittlerweile scheint die Sonne stark, wir cremen uns noch einmal ein. Auch die letzten, etwas steileren Meter sind keine Hürde.


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Monte Cevedale, Gipfelgrat.


Vom Gipfel reicht der Blick von den Ötztaler Alpen über die Ortler-Gruppe und den Bergstock der Bernina in der Ferne bis zum Punta San Matteo und den stattlichen Gipfeln südlich des Cevedale. Allerfeinste Aussicht.

Auch wenn der Schnee schon ziemlich sulzig ist, steigen wir über den Gipfelgrat ab und auf der anderen Seite der Scharte wieder hinauf in Richtung Zufallspitze. Die letzten Meter führen über etwas Blockgestein. Man hat hier nur ein kleines Holzkreuz aufgestellt.


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Zufallspitze, Gipfelgrat.


Monte Cevedale (3769 m)

Anreise: bis Sulden (1906 m)
Hüttenzustieg: von der Schaubachhütte ca. 2 Stunden, Gletscher; aus dem Martelltag ca. 4 Stunden, Gletscher; von den Cedec-Seen ca. 1 Stunde
Übernachtung: Casatihütte (3269 m), +39 0342 935507, 260 Zimmerlager für 2, 4 oder 6 Personen, Halbpension 50 Euro
Gipfel: Schwierigkeit F, Gletscher, ca. 2 Stunden

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3 comments

Fünf leichte Dreitausender in den Ortler Alpen - Run. Travel. Grow. 17/01/2014 at 17:06

[…] Von ihren Gipfeln aus lassen sich die wirklich imposanten Ziele ins Visier nehmen: Königsspitze, Cevedale, Ortler, Palon de la Mare und so […]

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La, Paz, Uyuni, Sucre - Die Raue, die Hässliche, die Schöne 21/08/2014 at 14:33

[…] Monte Cevedale und Zufallspitze […]

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Über den Wolken auf den Ortler - Run. Travel. Grow. 21/08/2014 at 14:35

[…] – Monte Cevedale und Zufallspitze – […]

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