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Philipp Laage

Viele Ägypter haben genug von Revolution und Demokratie. Sie wünschen sich einen starken Führer, der für Ordnung sorgt. General Al-Sisi ist ihr Mann. Eindrücke aus einem Land, das wieder Zuversicht schöpft.

Am Ende war es formal eine letzte Hürde und in Wirklichkeit ein alberner Tribut an die angebliche Rechtsstaatlichkeit: Abd al-Fattah al-Sisi trat als Chef des Militärs zurück, um offiziell für das höchste Staatsamt kandidieren zu können. Am 3. Juni wurde er mit 96,9 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Präsidenten Ägyptens gewählt. Es war der Endpunkt eines absehbaren Weges.

Al-Sisi kam nicht durch Wahlbetrug an die Macht. Zwar hatte er jegliche Opposition mit Gewalt eingeschüchtert, egal ob Islamisten oder Säkulare; die Muslimbrüder waren zu Terroristen erklärt und verfolgt worden. Aber letztlich muss man anerkennen: Ein Großteil der Ägypter will den Ex-Militär als Präsidenten haben. Dahinter steckt die Sehnsucht nach einem starken Mann, nach einem Führer, der das zerrüttete Land ordnet und die Kontrolle wieder herstellt.


Al-Sisi und Putin
Starke Männer: Al-Sisi und Putin.


Als ich im Februar für zwei Reisegeschichten nach Ägypten flog, war überall von den Hoffnungen zu hören, die die Ägypter mit dem ehemaligen Armeechef verbinden – einem Mann des alten Establishments unter Ex-Diktator Husni Mubarak, der 2011 durch die Revolution des »arabischen Frühlings« gestürzt wurde.

»Wenn die Wahlen vorbei sind, wird es stabiler«, erklärt mir Tamer el Mekaty, der auf einem Nilkreuzfahrtschiff als Masseur arbeitet. Für die Zukunft habe er ein gutes Gefühl. »Die Medien spielen eine große Rolle, Politik spielt eine große Rolle. Ganz Ägypten spricht von Politik. Früher gab es das nicht.« Was anklingt, aber so nicht gesagt wird: Der Durchmarsch Al-Sisis und die Stabilisierung Ägyptens werden durch »falsche« Medienberichte sabotiert.

Auch der Reiseleiter des Schiffs, Hesham Hammad, sagt über den auf Plakaten überall präsenten General: »Al-Sisi ist ein guter Mann.« Hammad glaubt auch, dass viele (vom Ausland gesteuerte) Medien Al-Sisi diskreditieren wollen. Das wird als Ungerechtigkeit empfunden, als Anmaßung. Auf weitere Fragen des Reporters nach der politischen Lage möchte der 49-Jährige Touristiker nicht eingehen. Große Verlegenheit plötzlich.

Die Muslimbrüder, die bis zum Sturz Mohammed Mursis immerhin den ersten frei gewählten Präsidenten der ägyptischen Geschichte stellten, gelten auch vielen elitenfernen Menschen mittlerweile schlichtweg als Kriminelle. Zumindest schaden sie, so die weit verbreitete Ansicht, den Interessen des Landes. Die Propaganda hat gewirkt.

Mubarak habe verhindert, dass die Gaza-Palästinenser schnell die ägyptische Staatsbürgerschaft bekommen, erklärt Tourguide Hesham Khattab. Mursi habe das ermöglicht, sagt der studierte Ägyptologe bei einem Gespräch in der Lounge der Nile Smart. »Wer zu uns ins Land kam, konnte man nicht mehr kontrollieren.« Khattab gibt schließlich auch zu, dass es in Ägypten eine große Sehnsucht nach einem Mann gebe, der die Dinge wieder unter Kontrolle bringt. Und tatsächlich hat das Land ja eine höchst instabile Zeit hinter sich.


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Revolutionsland Ägypten: Die Touristen machen lieber woanders Urlaub.


Mubarak wurde 2011 bei der Revolution entmachtet, nach 30 Jahren Alleinherrschaft. 2012 wurde der Muslimbruder Mursi an die Spitze des Staates gewählt und begann bald, die Gewaltenteilung auszuhebeln, nur um daraufhin vom Militär aus dem Amt geputscht zu werden. Bei den Kämpfen zwischen Armee und Islamisten starben hunderte Menschen, das Land blieb tief gespalten zurück. Die Muslimbruderschaft wurde verboten und damit kriminalisiert. Im April verurteilte ein Gericht 683 ihrer Anhänger auf einen Schlag zum Tode. Ein Schauprozess, eine Drohung.

Die Muslimbrüder sind Terroristen, der Terror bedroht unser Land – das ist die Logik der neuen, alten Machtelite.

Vor diesem Hintergrund war es bequem, den Anschlag von Taba im Februar ebenfalls den Muslimbrüdern in die Schuhe zu schieben. Ein Attentäter hatte sich in einem Reisebus in die Luft gesprengt, drei Südkoreaner und der ägyptische Busfahrer starben. Wahrscheinlich gehörte der Täter zu einer islamistischen Splittergruppe, die auf dem Sinai operiert. Aber das will niemand genau wissen.

Der Anschlag von Taba ereignete sich ein paar Tage, bevor ich nach Dahab flog, um dort meine zweite Geschichte zu recherchieren. Eines Mittags sitze ich am Blue Hole nördlich von Dahab, einem berühmten Tauchrevier. Es ist ein warmer Tag, Schwimmflossen werden angezogen, Katzen streifen umher, alles ist friedlich. Anruf aus der Redaktion: Allen sei sehr daran gelegen, dass ich nach Hause fliege.

Das Auswärtige Amt hat gerade eine Reisewarnung für die gesamte Sinai-Halbinsel herausgegeben. Im Internet ist zu lesen, dass der deutsche Geheimdienst von neuen Anschlagsplanungen in der beliebten Ferienregion erfahren haben will. Alles bleibt vage. Deutsche Reiseveranstalter beginnen damit, ihre Kunden zurück nach Deutschland zu fliegen. Bei einer Reisewarnung sind sie de facto dazu verpflichtet.


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Die Sicherheitslage in Ägypten ist angespannt.


Für mich stellt sich die Situation etwas bizarr da. Den Muslimbrüdern wird von den Leuten absolut zugetraut, diesen Anschlag verübt zu haben. Die Islamisten gelten als höchst gefährlich. Gleichzeitig versichert mir jeder Ägypter, es sei absolut sicher in Dahab. »Everything is quiet«, sagen alle. Es sind die Widersprüche einer staatlichen Doktrin, die eine Gefahr heraufbeschwört, die ja eigentlich nicht existieren dürfte.

Ich bleibe in Dahab und stelle fest: Man ist misstrauisch, auch gegenüber dem Westen. Die krudeste Verschwörungstheorie, die ich zu hören bekomme, geht so: Angela Merkel und die deutsche Regierung seien über die Entmachtung Mursis verstimmt gewesen; nun hätten sie, sozusagen als Rache, dafür gesorgt, dass das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht, um dem Tourismus zu schaden. Ein rationales Gespräch, so kommt es mir vor, lässt sich kaum führen.

Einen Monat später werde ich auf der Reisemesse ITB in Berlin Zeuge eines absurden Auftritts: Der ägyptische Tourismusminister Hisham Zaazou wütet gegen das Auswärtige Amt. Es möge sich doch, bevor es irgendwelche Warnungen ausspricht, erst ein Bild der Lage machen. Bedenken bezüglich der Sicherheit werden theatralisch abgeschmettert: »We will take from our food what it needs for security«, ereifert sich der Minister.

Viele Ägypter dürften vor allem Angst haben, dass noch mehr touristische Orte Ziele von Anschlägen werden könnten. Das wäre für die Menschen eine Katastrophe. Schon die Bilder von blutigen Straßenschlachten in Kairo vor einem Jahr haben nicht gerade als touristisches Aushängeschild des Landes gewirkt. Eine Erholung ist seitdem kaum in Sicht.

»Momentan kommen die Gäste weniger und weniger«, erklärt Tamer el Mekaty. »Die Krise ist überall«, sagt Hesham Khattab. »Wir hoffen, dass es langsam aufwärts geht.« Ein Großteil der einfachen Bevölkerung habe nicht mit einer derart lang anhaltenden Unruhe gerechnet. »Man hatte Arbeit, dann hat es auf einmal aufgehört. Jeder ist betroffen, vom Hotelmanager bis zur Putzkraft.«


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Schleppende Geschäfte: Ägypten hofft auf mehr Touristen.


Ägypten blickt in eine unsichere Zukunft, trotz der Machtdemonstration der neuen Führung. Jedes Jahr werden 1,2 Millionen Kinder geboren. Das Land braucht – das ist in diesem Fall keine Floskel – Wachstum und Arbeitsplätze. Überall sieht man unfertige Häuser. Es macht keinen Sinn, zu sparen, wenn das ägyptische Pfund ständig an Wert verliert. Baumaterialien werden bloß teurer. Die Menschen bauen gegen die Inflation an.

Khattab schätzt, dass etwa 13 Millionen Ägypter direkt oder indirekt vom Tourismus abhängen. Wer eine Kreuzfahrt bucht und sich das Land anschaut, bemerkt schnell die Bedürftigkeit der Leute. Sie nimmt zu, je höher man den Nil hinauffährt.

Brigitte Biallas, eine deutsche Urlauberin, die mit ihrem Mann eine Woche auf dem Nil unterwegs ist, sagt am Ende der Kreuzfahrt: »Uns hat die Reise sehr traurig gemacht.«

Die Sehnsucht nach einer Ordnungsmacht, die Stabilität und Aufschwung bringt, ist in Ägypten allgegenwärtig. Al-Sisi hat die Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt, überzieht kritische Journalisten mit langjährigen Haftstrafen, es herrscht rechtsstaatliche Willkür und ein Klima der Angst und Einschüchterung. Mubarak 2.0, und das bloß vorerst. Drei Jahre nach der ersten Revolution sind die Ägypter bereit, all dies in Kauf zu nehmen.

»Ein Großteil der Menschen will einfach Ruhe«, sagt Khattab. Damit es wieder aufwärts geht, damit die Touristen zurückkommen. Aus deutscher Sicht ist dieser Umstand vielleicht nicht gleich zu verstehen. Aber erst kommt das Fressen, dann die Moral, Berthold Brecht, der Aphorismus ist naheliegend.


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Wünschen sich endlich Ruhe: die einfachen Leute in Ägypten.


Auf der Fahrt zurück nach Sharm el-Sheik unterhalte ich mich mit dem ägyptischen Vertreter eines deutschen Reiseveranstalters. »Demokratie und Freiheit kann man nur sehen im Traum«, sagt der Ägypter, der nicht will, dass sein Name irgendwo auftaucht. »Demokratie und Freiheit bringen nur etwas für die reichen Leute. Was bringen mir Demokratie und Freiheit, wenn ich morgen nichts zu Essen habe?« So denken viele.

Die Ägypter wünschen sich heute eher eine stabile Regierung als Demokratie, fand eine Pew-Studie heraus.

Wir streiten dann noch, ob man die Entmachtung Mursis als Putsch bezeichnen kann oder nicht. Ich sage: ja. Er sagt: nein. Mir wird Voreingenommenheit vorgeworfen. Und wer will hier schon wem Lektionen erteilen?

Hat nicht »der Westen« mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak jegliche moralische Glaubwürdigkeit verloren? Ist nicht die kühle Machtpolitik der Westmächte, die mit den Begriffen Demokratie und Freiheit wedelt, pure Scheinheiligkeit?

Tourguide Khattab spricht gutes Deutsch. Nur ein Sprachbild gelingt ihm nicht: »Freiheit und Chaos, das ist ein dünner Faden.« Es ist klar, was er meint.


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Werbung am Kairoer Flughafen.


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Libanon, Teil zwei. Eine Fahrt zu der antiken Stadt Byblos und in die Beeka-Ebene zu den Ruinen von Baalbek, wo der Schatten des syrischen Bürgerkriegs über die schneebedeckten Berge fällt.

Beirut — Ich erwache in diesem alten, leicht verrauchten, vollkommen aus der Zeit gefallenen Hotelzimmer in Hamra. Elf Stockwerke tiefer ist die Stadt schon wühlig und laut. Das Mittelmeer glitzert gleißend-weiß. Beirut ist, wie viele Städte, die einen auf unerklärliche Weise anziehen, erst einmal nicht schön.

Was habe ich vom Libanon gedacht, bevor ich hier angekommen bin? Ein Krisenherd, ein Chaosstaat, aufgeladen und aufgehitzt, und das stimmt schließlich auch. Aber natürlich ist doch alles ganz anders. Das Bild, das man sich zu Hause von einem Land macht, ist immer die komplette Verzerrung. Ich hatte gefürchtet, mich durch Beirut wie ein schattenhafter Geist bewegen zu müssen, mehr als ein geduldeter denn willkommener Besucher, skeptisch beäugt von ruhelosen Augen stämmiger Araber mit hitzköpfigem Temperament. Was für ein Unsinn. Ich bewege mich seit zwei Tagen völlig unbeschwert durch Beirut. Jetzt bin ich neugierig auf das Land geworden.

Eine deutsche Austauschstudentin versichert mir bei einer Wasserpfeife in Gemmayzeh, dass man sich bis auf wenige Ausnahmen völlig frei im Libanon bewegen könne. Wie gesagt, ich habe die Gemengelage wegen des Bürgerkriegs im Nachbarstaat falsch eingeschätzt. Lediglich in Tripoli kommt es schon im Februar, während ich das Land bereise, immer wieder zu Kämpfen. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Zedernstaat in den syrischen Konflikt hineingezogen werden könnte. Aber noch ist es weitgehend ruhig.

Am nächsten Tag fahre ich vom Busbahnhof Charles-Helous im Osten Beiruts nach Byblos. Ich will mir die antike 8000 Jahre alte Stadt anschauen. Oder zumindest das, was noch übrig geblieben ist aus den Jahrhunderten ihrer wechselvollen Geschichte.

Der Verkehr aus der Stadt nach Norden heraus, entlang der Küste, bewegt sich nur schleppend. Beirut wird immer mehr Vorstadt, aber wir verlassen bis Byblos nie die Urbanität. Ich lasse mich irgendwo an der Hauptstraße aus dem Bus werfen und frage mich durch bis zu den Ruinen am Meer, die natürlich jeder kennt.


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Byblos war eigentlich, in besseren Tagen, ein touristischer Hotspot auf den Rundreisen der Orientspezialisten. Es ist eine der ältesten Städte der Welt. Man hat dort Relikte aus der Jungsteinzeit gefunden. 6000 Jahre vor Christi Geburt ließen sich an diesem Ort die ersten Fischer nieder. In der Bronzezeit verkauften die Bewohner Zedernholz nach Ägypten, sie kauften Edelsteine aus Mesopotamien, Metalle aus Anatolien, Leinen, Getreide und Papyrus aus dem Niltal und Gold aus Nubien. Byblos war eine wohlhabende Handelsstadt. In der Eisenzeit kamen die Perser, dann natürlich Alexander der Große, und schließlich die Römer und brachten das Christentum übers Meer in die Levante.

An diesem Tag ist niemand hier, der sich dafür interessieren könnte.

Die Gassen um die Unesco-Welterbestätte sind verlassen. Die Souvenirverkäufer mit all ihren Tassen, Münzen und Wimpeln sitzen gelangweilt in den Verkaufsräumen und rauchen. Wegen des Bürgerkriegs in Syrien bleiben die Besucher aus, erklärt ein Händler und bereitet mir einen Tee zu, damit ich kein überteuertes Flaschenwasser kaufen muss. Sein Sohn Elie will jetzt ein bisschen was über diesen Gast aus Deutschland wissen.

Als er hört, dass ich Journalist bin, erzählt er, dass er auch gerne schreiben würde, aber das sei im Libanon nicht möglich. Irgendwem würde man immer auf die Füße treten. Die Presse sei nicht frei. »If I write something wrong, they will come to my door and shoot me.« Mag sein, dass sich der Junge etwas zu wichtig nimmt, aber Autobomben und Attentate haben im Libanon eine gewisse Tradition.

Der junge Libanese erklärt, es werde niemals Frieden geben im Nahen Osten. »They like guns more than peace. They are thirsty for guns.«

Dann erklärt Elie, Adolf Hitler sei der größte politische Führer aller Zeiten gewesen – eine Einschätzung, die man im arabischen Raum häufiger zu hören bekommt und die auf einen Deutschen immer besonders absurd wirkt. Natürlich, das mit den Juden sei irgendwo nicht in Ordnung gewesen, aber wie Hitler aus Deutschland eine Großmacht gemacht habe, nach dem Ersten Weltkrieg, nach Versailles, dafür müsse man ihm den allergrößten Respekt aussprechen.

Der Libanon selbst als multikonfessioneller Staat war nie wirklich stabil. Auch wenn der 15 Jahre währende Bürgerkrieg oft als Religionskonflikt missverstanden wurde, kämpfte eigentlich »jeder gegen jeden«. Das ist soweit historischer Konsens. 1943 wurde das Land unabhängig von Frankreich. Die Verfassung sah vor, dass der Staatspräsident ein Christ, der Ministerpräsident ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein schiitischer Muslim sein sollte, um die damalige ethnisch-konfessionelle Bevölkerungsverteilung angemessen zu repräsentieren. Bis heute hat sie sich deutlich verändert.

Byblos ist ein Ort, an dem sich alle Erdzeiten aufeinander stapeln. Die Ruinen leuchten optimistisch im spärlichen Sonnenlicht, während die Skyline von Beirut am Horizont hinter dem Meer in Dunst gehüllt ist. In dem menschenleeren Museum auf dem Besichtigungsgelände kann man sich alte Keile, Speerspitzen, Becher und Schalen anschauen, die in Glaskästen fein säuberlich beschriftet und aufbereitet wurden.

Ebenso verlassen wie die Ruinen ist der kleine Hafen von Byblos. Bei Pepe’s Fishing Club sieht man keine ausländischen Gäste, dabei wirbt das Empfangsschild mit einem »Rendez-vous des personnalites internationales«. Das Restaurant war einmal ein Treffpunkt des internationalen Jetsets, noch vor dem Bürgerkrieg, der 1970 ausbrach, unfassbar lange ist das her. Besitzer Youssef Gergi Abed, der Pepé Abed genannt wurde, war ein Unternehmer-Tycoon mit dem Sinn für das feine Leben. Ein Gunter Sachs des Nahen Ostens. Zu den Gästen des fishing club gehörten damals zum Beispiel die schwedische Schauspielerin Anita Ekberg, der tschechische Präsident Václav Havel und der libanesische Staatschef Camille Chamoun selbst.

Auf dem Schild steht als letzte Zeile »la tradition continue…«, aber der Himmel ist nur trüb und grau. Ein paar unspektakuläre Boote liegen im Hafen. Man möchte hier jetzt nicht einmal einen Kaffee trinken.


Pepe Fishing ClubPepe Fishing ClubPepe Fishing Club


Ich lerne einen jungen Libanesen namens Kevin kennen, der früher einmal Schiit war und anders hieß. Er wohnt in einem kleineren Ort in der Beeka-Ebene und hat zwei serbische Couchsurfer zu Besuch. Wir beschließen, uns gemeinsam die Tropfsteingrotten von Jeita anzuschauen und nehmen ein Taxi. Der Libanon ist ein kleines Land. Man muss nie lange fahren, um von einem Ort zum anderen zu kommen.

Der Wagen kurvt hinauf in die Berge. Wir verlassen das Taxi und müssen noch einmal mit einer Seilbahn weiter in die Schlucht hineinfahren, um in die Grotten zu kommen. In der Höhle herrscht striktes Fotografieverbot. Mindestens sechs Aufpasser laufen herum und lassen die Besucher nicht aus den Augen. Miljan lässt sich beim Fotografieren erwischen und muss alle Fotos löschen. Es ist überhaupt ein Wunder, dass ihm die Kamera nicht gleich abgenommen wird, vollkommen lächerlich.


Jeita


Die Sonne steht schon tief, als wir weiter nach Jounieh fahren. Dort führt wieder eine Seilbahn auf einen Berg. Oben befindet sich eine maronitisch-christliche Pilgerstätte mit einer Kapelle und einer Statue der Jungfrau Maria, der Nôtre Dame du Liban. Ein Weg umkreist den Koloss und führt auf seine Spitze.

Über Beirut und dem Mittelmeer senkt sich mittlerweile die Sonne. Die bewaldeten Berghänge hinter der Stadt und die griechisch-katholische Basilika St. Paul werden in ein weiches Licht getaucht, das absolut computersimuliert aussieht. Es ist Nacht, als wir in Richtung Innenstadt aufbrechen.


JouniehJouniehJounieh


Zurück in Beirut, Flanieren in Hamra. Was ist das eigentlich für eine Stadt?

Aufgemotzte SUVs mit laut aufgedrehter arabischer Popmusik schleichen über den Asphalt, Ellenbogen lehnen aus den Fenstern. Ich sehe die Pflaster auf den Nasen der jungen libanesischen Frauen, die Luxusboutiquen der Downtown, Hermés und Gucci und Versace, wirklich jedes Label ist hier vertreten. Direkt neben dem Platz der Märtyrer, an diesem Ort der Revolution, der Hoffnungen und Ängste, steht ein gelber Ferrari F458 Spider im Schaufenster. Das halb abgerissene Plakat einer Immobilienfirma wirbt für »incomparable Beirut« als »the place where people go to enjoy life to the fullest«. Überall Baukräne und Geld, das wieder vermehrt die reichen Syrer anzieht, die keine Lust mehr auf den Bürgerkrieg haben. Beirut ist natürlich schizophren. In Hamra gibt es überall Restaurants im Stil amerikanischer diner. Man braucht nie aufhören, einen Kaffee zu trinken: Costa Coffee, The Coffee Bean & Tea Leaf, Hamra Coffee, Gloria Jean’s Coffee, überhaupt die Cafélattesierung der internationalen Metropolen, ein Lifestyle des Westens.

Beirut wirkt so, als wollte sich das Land durch Konsum aus allen Zerwürfnissen retten. Ich komme mir vor, als wäre ich in das Auge eines Sturms gereist, in ein Zeitloch fragiler Stabilität. Im Palast wird noch gezecht, doch vor den Toren hat der Mob schon zu den Sturmgewehren gegriffen.

In den Monaten nach meinem Aufenthalt im Libanon nehmen die Gewaltausbrüche zu: Raketen schlagen in der Beeka-Ebene ein. Die Armee liefert sich Kämpfe mit einem Salafisten-Scheich in Sidon. Syrische Kampfflugzeuge fliegen mehrfach Einsätze auf libanesischem Staatsgebiet. Durch eine Autobombe in einem schiitischen Hisbollah-Vorort von Beirut kommen 24 Menschen ums Leben. In Tripoli zünden Attentäter vor sunnitischen Moscheen zwei Bomben, 29 Menschen sterben, 500 werden verletzt. Der deutsche Außenminister warnt kraft- und machtlos vor einem »Flächenbrand«. Die EU setzt den militanten Arm der Hisbollah, der nach dem Bürgerkrieg per UN-Resolution 1559 eigentlich hätte entwaffnet werden sollen, auf ihre Terrorliste.


BeirutBeirut CornicheBeirut Downtown


Am letzten Tag will ich nach Baalbek fahren, obwohl das Auswärtige Amt eindringlich vor Reisen in die Beeka-Ebene warnt. Ich habe mittlerweile mit vielen Menschen im Libanon gesprochen, und alle haben mir gesagt, dass es dort sicher sei.

Der Bus verlässt Beirut und schraubt sich die Straßen ins Gebirge hinauf. Der junge Libanese neben mir erzählt, vor drei Wochen hätten hier noch drei Meter Schnee gelegen. Er will mich sofort bei Facebook als Freund hinzufügen, dort nennt er sich »Miles To Go«. Auf der Fahrt über die Berge muss ich an einem check point nur einmal meinen Reisepass vorzeigen. Dann blicke ich irgendwann herunter in das weit ausgeschnittene Hochtal.

Man bekommt ein Gefühl dafür, wie es zum Beispiel im Pamir aussehen könnte, obwohl es dort natürlich noch viel trockener ist als in der fruchtbaren Beeka-Ebene. Aber dieser Landstrich wirkt viel arabischer als die Küste. Es gibt mehr voll verschleierte Frauen, die Häuser sind einfacher, keine westlichen Imbissbuden und Restaurants und sowieso überhaupt keine Touristen aus dem Westen. Alles ist kärglicher und dörflicher. Baalbek liegt zehn Kilometer entfernt von der syrischen Grenze. Die Bergketten am Horizont tragen feine Schneekuppen.

Ich besuche die alten römischen Kultstätten, die Ruine und den Hexogonalhof des Jupiter-Tempels aus der Zeit des Kaisers Nero und den gewaltigen Bacchus-Tempel, der ohne Mühe die Kulisse eines jeden Historienepos abgeben würde. Als Kaiser Wilhelm II. 1898 ins Heilige Land kam, beauftragte er aus Faszination gleich zwei Archäologen mit der weiteren Erschließung des Areals. In Baalbek soll es auch ein Hisbollah-Museum geben, aber ich finde es nicht.

Am Nachmittag esse ich am Straßenrand ein Brot mit Lamm. Die tief stehende Sonne lässt die Tempel leuchten. Vor den Ruinen stehen wieder Souvenirverkäufer, wie in Byblos, aber niemand kauft etwas. Ein Mann führt ein Kamel an einer Leine umher und wartet auf Touristen, denen er für ein Aufsitzen einen völlig überteuerten Preis abnehmen kann. Ich schaue zu den Bergen, hinter denen Krieg ist, und es ist grotesk.

Wird sich die Geschichte wiederholen?

Die Libanesen kennen die unüberschaubare asymmetrische Kriegsführung in Syrien mit schnell wechselnden Fronten und Konfliktparteien, Attentaten und militärischen Patt-Situationen aus ihrem eigenen Bürgerkrieg. Kaum zu sagen, wie sich die Lage entwickeln wird, im gesamten Nahen Osten, wo arme Schiiten gegen arme Sunniten kämpfen, angestachelt von fundamentalistischen Theokraten in Teheran und den reichen Königshäusern der Golfmonarchien.

Wie oft hört man von »der arabischen Welt«, dieser romantisierenden Indifferenz, als spräche man sonst von der Währungskrise »in der europäischen Welt«? Dabei versteht man – das wird bei einer Reise in den Libanon deutlich – wenig bis überhaupt nichts von dieser ruhelosen Krisenregion. Allahu akbar.


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La Paz — Die Death Road komprimiert die Klimazonen Südamerikas auf eine vierstündige Abfahrt. Es ist so, als stauchten sich die Vegetationsstufen der Erde zusammen, ebenso wie die tropfenförmigen Serpentinen der Strecke. Die »gefährlichste Straße der Welt« windet sich hinab, von schneebedeckten Bergen bis hinunter in die Tropen, von der kalten Cordillera bis in die feucht-heißen Yungas. Mit dem Mountainbike ist es eine rauschhafte Fahrt, die immer am Abgrund entlangführt.

Den Höhenunterschied, die Gravitationskraft des Gefälles, den physischen Druck des Ortswechsels spürt man erst hinterher. Durch den Schmerz in den Handballen, durch das Knacken im Ohr und die seltsam gedämmten Geräusche. Man kann das Wechselspiel der Landschaft über die fast 3500 Höhenmeter nicht mit allen Sinnen aufnehmen. Dafür fordert die Abfahrt einem zu viel Konzentration ab.

Wir starten am Abra La Cumbre auf 4650 Metern. Der Wind fegt kalt über den Pass. Die Fahrräder werden vom Dach des Minibusses geladen, unsere Gruppe legt die Helme an. Direkt nebenan: schneebedeckte Gipfel, Nebel, ein Bergsee. Wir sind höher noch als La Paz, die Hauptstadt Boliviens, die an der Grenze der Altiplano-Hochebene liegt und deren Häuser an den Hängen eines weit ausgeschnittenen Talkessels festsitzen wie widerspenstige Büsche in einer kargen Felswand.


Death Road, Bolivien
Death Road, Bolivien
Spärliche Vegetation am La Cumbre in 4650 Metern.


Die Death Road, die camino de la muerte, wurde in den 30er-Jahren von paraguayischen Zwangsarbeitern gebaut, um das Hochland mit den Regenwäldern des Amazonasbeckens zu verbinden. 65 Kilometer ist die Strecke lang. Der erste Abschnitt folgt heute der neuen, asphaltierten Straße, die 2006 durch die Berge gelegt wurde. Auf der ursprünglichen Strecke sind bislang einfach zu viele Menschen in den Abgrund gestürzt oder von Schlammlawinen verschüttet worden.

Hochalpine, trockene Luft am La-Cumbre-Pass. Die ersten Meter in die Pedale treten. Kälte durchfährt das zu dünne Gewebe meines Oberteils, die Höhenluft reizt die Augen. Man muss sich überhaupt erst einmal an das Bergabfahren gewöhnen, an die Geschwindigkeit und das Kurvenverhalten. Der Helm sitzt sperrig auf dem Schädel. Immer wieder überholen uns schwere Laster.

Nach kurzer Zeit gibt die Straße den Blick frei auf ein Hochtal. Die Steilhänge des Gebirges verlieren sich in sattgrünen Wiesen, aber hier oben wächst noch kein Baum und kein Strauch. Mein Körper verkrampft auf dem Sattel, durch die Kälte, durch die starre, im Grunde reglose Haltung, denn es geht nur bergab. Strampeln muss man nicht. Die Fahrradhandschuhe können den Wind nicht abhalten.


Death Road, Bolivien
Die Serpentinen führen durch ein alpines Hochtal hinab.


Irgendwann verlässt unsere Gruppe die Hauptstraße und biegt ab auf die alte Yungas-Straße: einspurig, natürlich nicht asphaltiert, sondern erdig, voll Geröll. Immer am Hang und damit an der Schlucht entlang. Seit die neue Route eröffnet wurde, fahren hier nur noch vergnügungssüchtige Touristen hinab, die mutmaßlich niemals in die Not kommen werden, einen Lastwagen zum Broterwerb über eine derart schlecht gesicherte Straße steuern zu müssen.

Das Gefälle ist ganz ordentlich. Man spürt beim stetigen Abbremsen des Mountainbikes die Muskeln in den Unterarmen. Manchmal springt der Reifen über grobes Geröll: Sturzgefahr. Wer zu schnell in eine Kurve fährt, den transportieren die Fliehkräfte erst sanft über den Straßenrand hinaus und dann in den Abgrund. Wenig später ist man mit großer Wahrscheinlichkeit tot. Aber das scheint den bolivianischen Anführer unserer Gruppe nicht zu besorgen. Er fährt heiter vorne weg.

Der Minibus mit der Ausrüstung fährt mit einem gewissen Abstand hinter uns her. Der Fahrer darf sich glücklich schätzen, dass ihm auf dieser Straße keine Fahrzeuge entgegenkommen. Früher sind Laster und Autos in fatalistischer Regelmäßigkeit den Abhang heruntergestürzt. »Puta madre«, riefen dann die Insassen der folgenden Wagen. Doch es gab eben keinen anderen Weg in die Regenwälder.

Die Vegetation ist nun schon sehr üppig. Wir haben den Nebelwald erreicht und sind jetzt vielleicht noch auf 3000 Metern Höhe, eventuell schon niedriger. Kleine Wasserfälle prasseln rechts von uns auf die Straße und begleiten die Fahrt als Bäche am Wegrand. Ich bin seit – ich weiß es gar nicht – zehn Jahren kein Mountainbike mehr gefahren. Nach zwei, drei Stunden werde ich sicherer und teste die Spielräume meines fahrerischen Könnens aus. Die Luft ist warm, das Gefühl der Kälte nur noch vage Erinnerung.


Death Road, BolivienDeath Road, Bolivien
Straße ohne Geländer: Die Death Road hat sich ihren Namen verdient.


Irgendwann wird es richtig heiß. Ich öffne den Reißverschluss meines Hemds so weit es geht und krempele die Ärmel hoch. Die Straße ist jetzt staubig. Dreck hat sich auf der Haut gesammelt. Der Abhang links der Strecke ist nicht mehr so furchterregend tief. Es fühlt sich an, als könne man die erdige Wärme der Vegetation riechen, als würden alle Sinne miteinander vermischt zu einem wohlig-warmen Gefühl der Entspannung. Weite Aussicht über grüne Täler, aber immer nur für ein paar Sekunden.

Das Land ist wieder so fruchtbar, dass es von den Bolivianern bestellt werden kann. Hier wachsen Kaffee, Obstbäume und Coca. Der Anbau ist legal. Die Sträucher werden nicht zu Kokain weiterverarbeitet, sondern wandern als Genussmittel des täglichen Lebens auf die Märkte der Hauptstadt. Wir haben die Tropen erreicht.

Nur noch ein paar hundert Meter sind es bis zur Puente Yolosa auf 1200 Metern. Der Luftdruck im Ohr hat sich noch nicht an die neue Höhe angepasst, die eigene Stimme ist heruntergedimmt und dumpf. Die Sonne brennt auf den Schädel. In der Bauchfalte sammelt sich Schweiß. Wir holen das Trinken nach.

Nach gut vier Stunden ist die Fahrt zu Ende. Ich steige vom Fahrrad und fühle mich ein bisschen wie nach einer wilden Achterbahnfahrt: Die Erschöpfung ist da, obwohl man ja eigentlich die ganze Zeit nur herumsaß. Was bleibt, wenn das Gehör wieder klar ist, sind die schmerzenden Hände, die den Lenker umkrallt und das Gewicht des Körpers beim steten Bremsen aufgefangen haben. In ihnen sammeln sich die Wucht und Gewalt der Bewegung über 3500 Höhenmeter hinweg.

Wer Zeit hat, sollte nun mindestens zwei Nächte in Coroico entspannen.


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Angekommen in den Yungas: Blumen und Schmetterline.


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Reisen ist der ideale Zustand für Menschen, die sich lieben: Das haben uns Hollywood und die Werbung beigebracht. Ich glaubte daran. Was für Irrtum. Wir haben uns nur ablenkt von der Stille, die zwischen uns lag.

Unsere Reise war vorbei, bevor sie begonnen hatte. In Argentinien kam sie buchstäblich und metaphorisch gesprochen zu ihrem Ende, dabei sollte das mit uns doch erst richtig losgehen. Was für ein Klischee, doch es stimmte.

Wir hätten die unbequemen Wege der vergangenen drei Wochen auf vereiste Berge, durch Salzwüsten und über Schlammpisten im bolivianischen Dschungel in euphorischer Erwartung auf die Zukunft – auf unsere Zukunft – als etwas Verbindendes erleben sollen. Wir hätten beglückt darauf anstoßen sollen in dieser leichten, schönen Metropole: Buenos Aires. Wir taten es nicht. Wahrscheinlich hatten wir beide schon eine Ahnung. Nun lief ich allein durch die Straßen, Sommer auf der Südhalbkugel, und mein Herz war froh.

Du warst zwei Tage vor mir abgereist. Ich habe vergessen, wieso. Termingründe, Flugverbindungen, sowas. Wir hatten uns nett verabschiedet. Ich blieb in der Wohnung deiner Bekannten. Lag sie im Stadtteil Flores? Ich weiß es nicht mehr. Von Buenos Aires blieb mir wenig Faktenwissen in Erinnerung, nicht einmal grundlegende Orientierung.

Ich habe nur noch einzelne Szenen im Kopf. Wie ich durch das Réserva Ecológica joggte, das Naturreservat direkt am Rio de la Plata, wo mir Buenos Aires tatsächlich als »Stadt der guten Lüfte« erschien. Ich lief mit diesem allerbesten Gefühl beim Laufen, mich von ungesunden Anhaftungen befreit und leichten Schrittes einer positiven Zukunft zu nähern.

In Uyuni war ich auch gejoggt, auf 3650 Metern – eine kurzatmige Qual. Dort war es am Abend komisch gewesen zwischen uns, das weiß ich noch sehr genau, in einem schmucklosen Hostel in dieser hässlichen Stadt am Rand der großen Salzwüste, die so viele Touristen anlockt. Vor allem kalt war es in Uyuni gewesen.


Reserva Ecológica de Buenos Aires.


Wie ich die Wärme in Buenos Aires genoss. In San Telmo ein fettes Steak essen, schon mittags Rotwein trinken und sich an den morbiden Fassaden erfreuen. Hinten im Restaurant dudelte Tangomusik. Ich hatte keinerlei Interesse, es mit dem Tanzen einmal selbst zu versuchen, was du dir vielleicht gewünscht hättest (ich fragte dich nie). Ich saß in der warmen Sonne und genoss, wieder für mich zu sein.

In Asuncion, da hatten wir ein schönes Hostel gehabt. Ich weiß, es klingt absurd, aber ich erinnere mich noch an genau einen einzigen Satz von dir aus den drei Tagen in Paraguays Hauptstadt: »Ich fände es schön, wenn wir im Hostel mal einen Salat machen würden.« Mir stand auf unserer Reise stets der Sinn danach, auswärts zu essen. Aber bitte mit Nachtisch und noch einem Glas Malbec, etwas verschwenderisch also. Das war dir, glaube ich, immer etwas dekadent und unnötig vorgekommen, und auch nicht allzu gesund.

Ich willigte ein zum Salat, etwas enttäuscht, und meinte ein grundsätzliches Problem erkannt zu haben. Schwachsinn. Aber im Rückblick sind es oft solche Details, aus denen man eine Wahrheit herauszulesen glaubt. Als hätte der Salat gezählt und nicht das Gespräch dazu.

Wir hatten unsere Reise angefüllt mir Erlebnissen: Mountainbiken auf der Death Road, Bergtour auf den Huayna Potosí, Jeeptour zu Lagunen und Flamingos, Besuch der Iguazu-Wasserfälle. Aber in den stillen Momenten – nach dem Ankommen, vor dem Aufbrechen – da war es stumm geblieben zwischen uns.

Gut, ich habe dir Vorträge gehalten. Zum Beispiel, warum es nun genau zur Eurokrise in Europa gekommen war und andere Dinge, die dich maßlos langweilten. Du hast dir kaum Mühe gegeben, das Gegenteil vorzuspielen.


Steak und Rotwein: Restaurant in San Telmo.


Philippo, so hattest du mich am Anfang immer genannt und dann wohlwollend gelächelt, mit Zuneigung. Das wurde bald seltener. Ich kann es dir nicht verübeln.

Ich habe dich generell zu wenig gefragt. Es war eine Zeit, in der ich mich selbst gerne reden hörte und dem Zuhören wenig Bedeutung beimaß. Ich interessierte mich für die großen Zusammenhänge, du für das Einzelschicksal. Ich sah in allem sofort Symptome von etwas Größerem, du sahst wahrscheinlich immer etwas genauer hin. Ich konnte aufbrausend sein in meinem Ernst und damit völlig albern. Du schienst mir, unter der Oberfläche, immer etwas traurig, und ich war nicht in der Lage herauszufinden, wieso.

Nun war es zu spät, du warst abgeflogen. Prächtiges Buenos Aires, eine Stadt mit europäischem Charakter. Ich dachte an Madrid und Rom. Im angesagten Viertel Palermo trank ich feinen Kaffee und schlenderte durch Boutiquen. Ich fühlte mich als Teil einer kosmopolitischen Jugend, nur weil ich feuerrote Nike-Turnschuhe zu einem günstigen Kurs erstand. Sowas konntest du natürlich nur belächeln.

So saß ich am letzten Tag der Reise da: allein, ausgeglichen, etwas selbstgerecht. Nicht beunruhigt. Dabei war die Sache zwischen uns längst klar.

Am nächsten Morgen saß ich im Flugzeug nach Deutschland, und schon bald, in einigen Wochen – der Baum im Hof würde wieder Blätter tragen, der Frühling noch aufziehen über der wintergrauen Stadt – da sollten wir Fremde sein.


San Telmo.


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Ascunción

Asunción ist nur ein Name auf der Landkarte in Südamerikas vielleicht unspannendstem Land. Träge fließt der Río Paraguay in der Chaco-Hitze. Man kommt ohne Erwartungen und geht ohne Wehmut.

I. Der Anlass

Als reisender Mensch findet man irgendwann Gefallen an Orten, die andere nicht einmal besuchen würden, wenn man ihnen eine Reise dorthin schenkte. Das in vielerlei Hinsicht unbedeutende Paraguay jedoch findet sich in wirklich keiner wichtigtuerischen Bucket-List, von denen es in den Weiten des Internets so viele gibt. Das hat seinen Grund. In Paraguay gibt es schlicht nichts zu sehen – zumindest nicht für einen normalen Reisenden, der keine fünf Jahre in Südamerika verbringt, um die lokalen Bräuche in jedem Dorf zwischen Cartagena und Ushuaia zu erforschen.

Auch wir waren also nur »auf Durchreise«, wie man so sagt. Auf der Route von La Paz nach Buenos Aires liegt nun einmal Paraguay, das man durchqueren muss, will man die Iguazú-Wasserfälle besuchen. Und so machten wir Halt in der Hauptstadt Asunción, von der man gemeinhin nicht mehr kennt als den Namen auf der Weltkarte.

Tatsächlich handelt es sich um eine der ältesten Städte in Südamerika, gegründet 1537 von den Spaniern. Offizieller Name damals wie heute: La Muy Noble y Leal Ciudad de Nuestra Señora Santa Maria de la Asunción. Die Stadt ist Zentrum des Landes, der Industrie, der Korruption, eine halbe Million Einwohner, keine bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Einfach mal nichts tun, auch schön. Wir blieben zwei Nächte in Asunción.


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II. Die Erwartungen

An eine Stadt wie Asunción hat man eigentlich überhaupt keine Erwartungen. Paraguay weckt nun mal keine Sehnsüchte, und seine Hauptstadt ist für nichts bekannt außer den Umstand, eben Hauptstadt von Paraguay zu sein. Eigentlich ist das eine ziemlich gute Ausgangslage, denn jeder weiß: Erwartungen können enttäuscht werden. Wer aber gar keine Bilder im Kopf hat, schafft größtmöglichen Raum für Überraschungen. Man könnte sagen: Wir waren erwartungsvoll, ohne überhaupt etwas zu erwarten.

III. Der erste Eindruck

Wir reisten von Nordwesten an, über die Ruta 9, die etwas nördlich der Stadt den braunen, behäbigen Río Paraguay überquert. Jenseits des Flusses erkennt man von weitem die Wolkenkratzer, die signalisieren, dass man nun die Hauptstadt des Landes erreicht hat. Wir strandeten an einem Sonntag in Asunción, und es war praktisch menschenleer auf den Straßen. Über allem lag eine stickige Hitze, die wohl typisch für das subtropische Chaco-Klima ist. Die heißen Straßen lösten eine große Behäbigkeit aus. Man konnte sich gut vorstellen, wie die Reinkarnation von Klaus Kinski hier irgendwo auf einer morbiden Veranda hockte und – vor Nichtstun wahnsinnig geworden – grobe Unverschämtheiten von sich gab.


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IV. Die Orientierung

Das Stadtzentrum ist wie viele andere Viertel wie ein Schachbrett angelegt, sodass man sich anhand der Straßennamen eigentlich nicht verlaufen kann. Wer auf einem Spaziergang die wenigen schmucken Gebäude Asuncións ablaufen möchte, startet am besten am Plaza de los Héroes mit dem Pantheón. Es ist auch sinnvoll, sich dort in der Nähe eine Unterkunft zu besorgen. Zum Fluss ist es nicht weit. Wer eigensinnige Gründe dafür findet, sich noch andere Gegenden der Stadt anzuschauen – bitte.

V. Der Sehnsuchtsort

Wenn man behauptet, Ascunción habe keine Sehenswürdigkeiten, dann ist das natürlich eine subjektive Verkürzung. Es gibt ein paar repräsentative Gebäude im Kolonialstil. Allerdings wurde die Stadt im 19. Jahrhundert unter der Diktatur José Gaspar Rodríguez de Francias komplett zerstört – und da war Paraguay schon unabhängig. Während man in anderen südamerikanischen Städten wie Sucre oder Cusco also das architektonische Erbe der Spanier bestaunen kann, sind in Asunción kaum Gebäude aus der Kolonialzeit erhalten. Das Pantheón zum Beispiel wurde 1863 gebaut. Eine Altstadt im geläufigen Sinne – üblicherweise der charmanteste Ort einer Stadt – gibt es also nicht.

Alternativ könnte man sich einfach an den Río Paraguay setzen und beim Blick auf den trüben Fluss ein wenig schwermütig werden. Womöglich finge man dabei an, zu trinken. Aber das ist letztlich nichts, was man einem Reisenden in Asunción ernsthaft empfehlen möchte. Rückblickend fühlten wir uns wohl in unserem Hostal el Jardin mit seinem kleinen Garten am wohlsten. Wenn allerdings die Unterkunft der schönste Ort ist, dann spricht das in bemerkenswerter Klarheit gegen das Reiseziel.


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VI. Das Gefühl beim Abschied

Hasta que algún dia, würde wohl einer sagen, der Spanisch beherrscht. Bis eines Tages – oder eben auf Nimmerwiedersehen. Aber das ist kein Vorwurf. Es ist bloß so, dass Asunción so behäbig und unspektakulär ist, dass ein Besuch eher träge macht, als einen zu neuen Kräften bringt. Und die kann man schon gebrauchen, wenn man zwei Tage vor Ankunft mit einem Bus zwanzig Stunden vom bolivianischen Hochland hinab in die Yungas gefahren ist.

So empfindet man beim Abschied von Asunción: nichts. Keine Wehmut, kein Bedauern. Aber auch keine Euphorie, kein großes Endlich-weg-hier. Eher ist es so, als käme man gleichsam einer schon lange nicht mehr benutzten Maschine langsam wieder in Fahrt. Man freut sich konkret auf das, was vor einem liegt – auf die Iguazúfälle, auf Buenos Aires. Hinter einem liegt nur ein tropisches Nirgendwo, Hochhäuser und Bäume unter einer Hitzeglocke, leere Straßen und kleine Gärten und ein brauner Fluss.

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Alexander von Humboldt versuchte 1802, den Chimborazo zu besteigen, und machte den höchsten Vulkan Ecuadors zu einem Mythos. Wer den Fußstapfen des berühmten Forschers folgt, kommt dem Himmel ganz nah.

Alexander von Humboldt bluten die Hände, als er sich die Hänge des Chimborazo hinaufkämpft. Es ist der 23. Juni 1802 in den Anden des heutigen Ecuadors, das scharfe Vulkangestein schlitzt dem neugierigen Universalgelehrten bei jedem Fehltritt die Haut auf.

»Unsere Begleiter waren vor Kälte erstarrt und ließen uns im Stich«, wird Humboldt später in seinem Tagebuch notieren. »Sie versicherten, sie würden vor Atemnot sterben, obwohl sie uns wenige Stunden zuvor voller Mitleid betrachtet und behauptet hatten, daß die Weißen es nicht einmal bis zur Schneegrenze schaffen.« Das war eine Fehleinschätzung. Der berühmte deutsche Naturforscher steigt so hoch wie kein Mensch zuvor.

Mit dem Versuch am Chimborazo, der damals als höchster Berg der Erde galt, begründete Humboldt einen Mythos. Er inspirierte Schriftsteller und Maler. Simón Bolivar stilisierte den eigenen Gipfelsturm 1822 gar zum Symbol für die Befreiung Südamerikas von den Spaniern. Heute ziert der 6268 Meter hohe Vulkan das Wappen Ecuadors.


Mythos Chimborazo: der höchste Berg Ecuadors.


Während Humboldt damals noch das Fehlen eines einheimischen Führers beklagte, müssen heutige Trekkingtouristen auf diese Hilfe nicht verzichten. Die Agenturen in Ecuadors Hauptstadt Quito bieten eine kommerzielle Besteigung des technisch leichten Vulkans auch für Reisende an, die noch nie auf Steigeisen gelaufen sind. Der Gipfel ist vermessen und erforscht. Gezähmt und entzaubert, könnte man sagen. Nein, der Aufstieg auf den Chimborazo ist keine Pionierleistung mehr, aber immer noch ein gewagtes Unterfangen. Kein Scheinabenteuer mit Erfolgsgarantie. Viele scheitern, an der Höhe, an der Kondition.

»Todo bien?« Alles in Ordnung? Bergführer Wily Rivera Iza, 29, dreht sich in der milden Gipfelnacht immer wieder zu mir um und erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden. Es ist gut zwei Stunden nach Mitternacht, jenseits von 5200 Metern. Sterne funkeln am Himmel. Die Route führt bald nur noch über Gletscher, es geht steil bergan. Und die Luft ist schon ziemlich dünn. Das Atmen fällt schwer. Sí sí, todo bien, noch.


Bergführer Wily: Todo bien?


Wer sich unvorbereitet an den Chimborazo wagt, wird scheitern oder riskiert seine Gesundheit. Eine gute Akklimatisierung ist alles, sonst droht soroche, die Höhenkrankheit.

Die Symptome beschrieb Humboldt schon vor mehr als zweihundert Jahren: »Wir fühlten eine Schwäche im Kopf, einen ständigen Schwindel, der in der Situation, in der wir uns befanden, sehr gefährlich war.« Hinzu kamen Übelkeit und Zahnfleischbluten. Der Forscher erfasste den Effekt der Höhe auf den Körper sehr präzise: Der geringe Sauerstoffpartialdruck sorgt dafür, dass die Lunge weniger Sauerstoff aufnehmen kann als auf Seehöhe.

Für den Chimborazo braucht man deshalb eine Woche Zeit. Und wer nur nach Ecuador reist, um möglichst schnell auf den Gipfel zu steigen, macht sowieso etwas falsch. Denn die dreihundert Kilometer lange »Straße der Vulkane« ist in ihrer kargen Schönheit viel zu bestechend, um die Anwesenheit in den ecuadorianischen Anden allein einem sportlichen Ziel zu unterwerfen. Es geht um Anmut und Ästhetik, demütiges Schauen und Staunen. Fast wie nebenbei steigt man da auf die niedrigeren Gipfel, um sich zu akklimatisieren. Der Blick geht so selten wie nötig auf den Wanderweg und so häufig wie möglich in die Ferne.


Vulkanberge Cayambe, Antisana: Riesen in der Ferne.


Fünf Tage vor der Gipfelnacht am Chimborazo sitze ich mit meinem Bergführer Wily auf der Terrasse einer hübschen Hacienda nördlich von Quito. Wir besprechen die Touren: zuerst auf den Fuya Fuya (4263 Meter), dann auf den Imbabura (4630 Meter), zuletzt die obligatorische Technikschulung am Vulkan Cayambe in rund 5000 Metern Höhe.

Wily stand schon mehr als hundert Mal auf dem Gipfel des Chimborazo. Für mich wäre es mein bis dahin höchster Berg, deutlich mehr als 6000 Meter. »Wenn du dich nicht gut angepasst hast, wirst du Probleme bekommen, und wir müssen umkehren«, warnt mich der kleine stämmige Ecuadorianer mit den sanften Augen. In großer Höhe seien sogar Halluzinationen möglich. »Manche Kunden haben dort schon Bären und Füchse gesehen.« Andere, wie man weiß, einen Schneemenschen namens Yeti…

Einstweilen sind das ewige Eis und die halluzinogene Höhenluft noch weit weg. Warm scheint das Abendlicht auf die Berge rund um den Ort Cayambe. Die Hacienda ist prachtvoll gelegen, allerdings nur auf 2800 Metern. Etwas dürftig für die nächtliche Akklimatisierung.


Abendstimmung auf der Hacienda nördlich von Quito.


Die Tour auf den Fuya Fuya beginnt überaus zahm an der Laguna Mojanda auf 3600 Metern. Páramo heißt die tropisch-alpine Landschaft nahe des Äquators in dieser Höhe. Gelb blüht der Romerillo. Vom Kratersee aus verläuft der Trampelpfad durch das typische Ichu-Gras, das hier paya genannt wird. »Die Menschen benutzen es zur Dämmung ihrer Häuser«, klärt Wily auf. Dann zerreibt er einen Strauch, der leicht nach Minze riecht und im Tee angeblich gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Doch die ist zu ernst, um auf Placebos zu vertrauen. Also lieber noch ein bisschen höher steigen, Meter machen, den Körper anpassen.


Dimensionen, die das Auge überfordern: Aufstieg auf den Fuya Fuya.


Entspannte zwei Stunden sind es auf den Fuya Fuya. Von oben kann man bis nach Quito schauen, was überrascht, weil die Autofahrt von dort zum Berg zwei Stunden gedauert hat. Die Ausdehnung des Vulkans ist so gewaltig, das sie immer wieder das Auge täuscht. Der Fuß hat einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Auch die schiere Höhe der Berge unterschätzt das Gehirn. Die Millionenstadt Quito liegt bereits auf 2850 Metern. Humboldt schrieb wieder erstaunlich treffend: »Berge, die uns durch ihre Höhe in Erstaunen versetzen würden, wenn sie am Meeresufer stünden, sehen aus wie bloße Hügel, wenn sie sich auf dem Rücken der Kordilleren erheben.«

Humboldt hielt die gesamte Gebirgskette der Anden-Westkordillere für unterhöhlt, für einen riesigen Supervulkan – was im Prinzip stimmt. Ecuador hat die höchste Vulkandichte der Welt. Unter dem Land brodelt es quasi ständig. Im Sommer 2015 war der Cotopaxi zuletzt aktiv, bis dato einer der beliebtesten Trekkingberge des Landes. Die Asche flog bis nach Quito, der Präsident verhängte vorsorglich den Ausnahmezustand.

Doch die gefährliche Plattentektonik hat eben auch eine majestätische Landschaft geschaffen. Das Abendlicht streicht die Berge in warmen Farben an, ob rund um Cayambe oder hoch über der Hauptstadt mit Blick auf den Cotopaxi.

Humboldt beschrieb das Hochland von Quito als eine der »wundervollsten und malerischsten Gegenden der Erde«. Der Forschungsreisende war auf seiner zweiten Südamerika-Expedition mehrere Wochen in der Provinz Quito unterwegs, die in kolonialen Zeiten die längste Zeit zum Vizekönigreich Peru gehörte.


Will unbedingt gemalt werden: Hochland von Quito.


Während der Aufstieg zum Fuya Fuya nicht mehr als eine leichte Wanderung ist, hat die Besteigung des Imbabura am Folgetag durchaus hochalpinen Charakter. Die letzte Stunde zum Gipfel führt abschüssig über Felsen, man braucht hin und wieder die Hände. Ja, das bereitet Freude. Am Gletscher des Cayambe wiederum bespricht Wily noch einmal die Ausrüstung und übt das Gehen auf Steigeisen und die Benutzung des Eispickels. Pflichtprogramm. Wer all dies aber nicht bereits in den Alpen erlernt hat, handelt streng genommen fahrlässig und sollte sich nicht unbedingt gleich am Chimborazo versuchen. Doch ein zahlender Kunde ist für die Agenturen in erster Linie ein zahlender Kunde und kein blutiger Anfänger, der sich ohne Not in Gefahr begibt.

Am Tag vor der Gipfelnacht geht es vom Cayambe über Quito nach Süden, eine Autofahrt von mehreren Stunden. Irgendwann rückt der mächtige Chimborazo endlich ins Blickfeld. Stolz thront er über der kargen Ebene. Wilde Vikunjas grasen vor dem Gipfelaufbau, so als hätten sich die Tiere dort eigens für einen Landschaftsmaler postiert.

Das Quartier für die kurze Nacht ist die Carrel-Hütte in 4800 Metern Höhe, eine überraschend bequeme Unterkunft mit Stockbetten. Abends schenkt der Koch eine kräftige charusco aus, eine Kartoffelsuppe. Die untergehende Sonne wirft ihre feuerroten Strahlen über das Wolkenmeer, aus dem der Vulkankegel wie eine Insel herausragt.


Jenseits des Wolkenmeeres: Vikunja, Carrel-Hütte, Chimborazo.


In der Nacht zeigt sich bald, dass die Besteigung des Chimborazo trotz Akklimatisierung und moderner Technik ein beschwerliches Unterfangen ist. Ab 5800 Metern wird die Besteigung für mich zu einem zähen Ringen mit den eigenen Kräften. Die Serpentinen winden sich steiler den Hang hinauf, als es von unten aussieht. Aber wie naiv bin ich auch, in diesen Bergen meinen Augen zu vertrauen.

Schneefall setzt ein. Die Bergstiefel hängen schwer an den Füßen. Kein Höhenmeter kommt mehr locker aus den Oberschenkeln. Stirnlampen anderer Bergsteiger leuchten in der Ferne, doch viele kapitulieren. Lunge und Beine zwingen sie zur Umkehr.

23. Juni 1802: Humboldt hofft, über einen Felsgrat statt über Schnee zum Gipfel aufsteigen zu können. Er hat keine Steigeisen. Die Füße schmerzen, die Kälte beißt unerbittlich. »Unser Aufenthalt in dieser ungeheuren Höhe war äußerst traurig und düster. Wir waren in einen Nebel gehüllt, der uns nur hin und wieder die uns umgebenden Abgründe erblicken ließ.« Dann wieder zaghafter Optimismus, womöglich durch optische Trugbilder hervorgerufen: »In uns kam ein Schimmer von Hoffnung auf, den Gipfel erreichen zu können.«

Am Ende sind alle Mühen vergebens. Eine gewaltige Gletscherspalte versperrt Humboldt den Weg und zwingt ihn zur Umkehr. Er kommt bis auf etwa 5600 Meter. Erst 1880 erreicht der britische Alpinist Edward Whymper als erster Mensch überhaupt den Gipfel des Berges.

Wir haben mehr Glück und laufen nicht arglos vor irgendwelche Spalten. Bergführer Wily macht im eisigen Dunst den Vorgipfel des Chimborazo aus, den Ventimilla. Er bleibt jetzt immer häufiger stehen, um mir etwas Zeit zum Durchatmen zu geben. Kurz vor dem Gipfel flacht das Massiv ab. Wir durchschreiten jetzt Büßereis, auch Zackenfirn genannt: Nadeln aus Schnee und Eis, typisch für die Hochgebirge der Tropen.

Nach einer weiteren quälenden halben Stunde ist der Hauptgipfel erreicht. Atmen, trinken. Das Blut rauscht durch die Schläfen.


Auf dem Gipfel mit Wily: eine moderne Eroberung?


Wir befinden uns an jenem Ort auf der Welt, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt liegt – quasi am nächsten zur Sonne. Das liegt daran, dass der Durchmesser am Äquator größer ist als zum Beispiel am Standort des Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. Doch von Wärme oder gar himmlischer Erleuchtung ist nichts zu spüren. Menschenfeindlich ist die Eiswelt auf Humboldts Schicksalsberg. Keine Fernsicht, die Kuppe liegt im Dunst.

War unsere Besteigung nun der große Sieg, der dem Forscher einst verwehrt blieb? Die persönliche Landnahme des modernen Entdeckers?

Humboldt selbst verortete die ästhetische Erfahrung in der Schrift Ansichten der Kordilleren nicht auf dem Berg, sondern darunter. Nicht die Aussicht sei erhebend, sondern die Ansicht des Berges. Beides erlebt zu haben, ist aber zweifellos die schönste Kombination, wie ich finde. Aber das konnte Humboldt nicht ahnen.

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Berlin — Sie haben alle vor dem Regen gewarnt. Hart könne es da werden, und die Wegstrecke sich ganz schön in die Länge ziehen. Auf meinen Schultern landen Wassertropfen, die das Royalblau des Oberteils dunkler färben, bis sie ganz im Stoff zerlaufen sind und sich der Unterschied zwischen trockenen und nassen Stellen langsam aufhebt.

Mein Bruder und ich finden keine Plastiktüte. Irgendwo werden sie verteilt, aber wir sehen niemanden.

Das Profil der Sportschuhe will sich nicht so recht mit der Beschaffenheit des Kopfsteinpflasters arrangieren. Ich habe das Gefühl, ein wenig ungelenk und wackelig zu laufen, Richtung Startlinie.

Die Stadt schläft noch, nur die Läufer nicht. Regen sammelt sich in den Pfützen, die noch in Laub stehenden Bäume tragen einen Dunstschleier: Ein grauer Tag hängt über dem Regierungsviertel. Die Luft ist nasskalt, sie ruft nach der Schutzzone Bett, nach Regenprasseln am Fenster, nach Verkriechen und Verharren, bis die Wolken verschwinden. Es ist wirklich düster und regnerisch an diesem Tag in der Hauptstadt, und auch das Gemüt ist irgendwie bedeckt und trübe.

Es scheint heute darum zu gehen, für etwas zu laufen oder vielleicht auch gegen etwas an, das ist noch nicht klar abzusehen. Es ist der Wunsch, durch das Laufen so etwas wie Gewissheit zu bekommen, dass bestimmte Dinge auf jeden Fall möglich sind, dass sie zu schaffen sein werden, wenn man nur lange genug durchhält.

Wir sind schon seit zwei Stunden wach, feiner Regen weht uns ins Gesicht. Wir haben endlich Plastiktüten gefunden, wir werden also nicht mehr durchnässen, bevor wir loslaufen können.

Ein nicht endender Menschenstrom schiebt sich über die Wege des Tiergartens, wir reihen uns ein. Auf der breiten Prachtstraße des 17. Juni soll der Lauf beginnen, mit eben so viel Glanz und Glorie, wie es das Wetter an einem solchen Tag erlaubt. Musik aus großen Lautsprechern versucht, die Läufer in Stimmung bringen. Der Ton ist grell und laut, er tut in den Ohren weh.

Die Menschentraube kommt zum Stillstand: Zeit, sich zu sammeln.

Der Start ist immer Euphorie. Noch spürt man die Beine nicht. Aber das Wissen darüber, was vor einem liegt, kann man an diesem Morgen in den Gesichtern der anderen Läufer ablesen.

Es ist immer so, dass der Kopf sich der gesamten Entfernung von 42 Kilometern bewusst ist, gleichzeitig wird diese Distanz sofort in kleine Wegstrecken zerlegt, die alles einfacher machen sollen. Die Bewegung durch Raum und Zeit erfolgt immer in Bezug auf zwei Fokuspunkte, das ist wichtig. Wer sich stets die gesamte Distanz vor Augen führt, wird vermutlich aufgeben, weil die Herausforderung dann zu etwas Unüberwindbarem anwächst. Wer aber ausschließlich das betrachtet, was sich unmittelbar vor ihm befindet, ohne sich die gesamte Entfernung zu vergegenwärtigen, der wird ebenso scheitern, weil er auf die tatsächliche Herausforderung nicht vorbereitet ist. Das Verhältnis zwischen diesen zwei Bezugspunkten handelt jeder auf seinem Weg in emotionaler und rationaler Hinsicht fortwährend neu aus.

Der Startschuss ertönt, aber es bewegt sich nichts. Zu viele Menschen sind auf der Bahn, es dauert eine Weile, bis auch unserer Block sich in Bewegung setzt. Ganz vorne laufen die Afrikaner, die nach knapp über zwei Stunden im Ziel sein werden, wir sehen sie nicht.

Mein Bruder und ich halten ein Tempo. Es fällt schwer, sich in dem Pulk aus Läufern nicht aus den Augen zu verlieren.

Wir wussten beide um das, was hier vor uns liegen würde, in seinem erst einmal abschreckenden Ausmaß, und es ist trotzdem so, dass man sich auf den ersten Metern eines Marathons noch einmal klar machen muss, dass man tatsächlich gerade losgelaufen ist: Auf einmal ist es soweit.

Unser Tempo ist recht zügig, zumindest nicht so gemächlich, wie man angesichts der Strecke vermuten könnte. Nach jedem Kilometer steht ein Schild, das am Anfang zeigt, wie viel schon geschafft ist, und später dann, wie weit man noch laufen muss. Das ist aber auch austauschbar, letztendlich entscheidet die eigene Wahrnehmung.

Ich bin klar im Kopf, motiviert und voller Hoffnung, die ersten Schilder rauschen vorbei. Früh trinken ist wichtig, wir beherzigen das. Schon sind zehn Kilometer geschafft, und es erscheint fast, als sei man gerade erst losgelaufen. Ein beruhigendes Gefühl: Das alles ist machbar, man kann es doch schaffen.

Die blaue Plastiktüte reiße ich mir beim Laufen vom Körper, sie landet auf dem Bürgersteig. Vor dem Regen haben sie alle gewarnt, und wie hart es da werden könne, aber was zählt, ist das eigene Gefühl. Die Tropfen stören nicht, nass ist man ohnehin. Was ändert es also?

Die Warnung vor dem Regen ist das Urteil der Mutlosen, die sich morgens wieder in den Federn verkriechen, wenn der Tag grau zu werden scheint, und die Herausforderung zu beschwerlich.

Noch ist alles leicht.

Die Kilometerzahlen sind jetzt schon zweistellig, ich laufe noch einmal schneller. Mein Bruder bleibt etwas zurück und irgendwann, als ich mich umdrehe, ist er nicht mehr hinter mir. Wir laufen heute exakt die gleiche Route, aber eigentlich sind es ganz unterschiedliche Wege. Er wird es schaffen, da bin ich mir sicher.

Endorphin und Adrenalin durchströmen den Körper und machen die Beine federleicht. Noch. Das erste Viertel des Weges geht schneller vorbei als gedacht, aber es ist eben diese verflixte Sache mit den Bezugspunkten. Als nackte Zahlen sind sie starr, doch alles, was zwischen ihnen und mir geschieht, ist Kopfsache. Sie können in weite Ferne rücken. Lief man eben noch beschwingt und leichtfüßig, tritt kurz darauf eine erste Erschöpfung auf, und die Bewegung verlangsamt sich wie durch einen unsichtbaren Schleifklotz gebremst.

Ich bewege mich, ich bleibe nicht stehen. Das ist die einzige Möglichkeit, um die Ziellinie zu erreichen.

Das Laufen wird anstrengender. Ich verspüre keine plötzliche Erschöpfung, keine unsichtbare Wand, an der es auf einmal nicht mehr weitergeht. Nur die Beine schmerzen immer mehr, und es erfordert stetig mehr Überwindung, nicht doch einfach stehen zu bleiben.

Auf der Etappe zwischen Kilometer 20 und 30 entscheidet sich, mit welcher Energie man das letzte Viertel des Weges laufen wird.

Ich fühle mich gut, ich akzeptiere, dass es mühsam ist. Die Beine werden immer hölzerner und verlieren ihre Agilität. Der Blick reduziert sich auf das Ende eines hell erleuchteten Tunnels.

An den Getränkeständen wechseln sich Wasser und Elektrolyte ab. Die Trinkpausen sind kurze Momente des Innehaltens, und vielleicht des Zweifelns, man muss sich schnell von ihnen losreißen, alles andere macht es nur schwerer.

Ich erreiche Kilometer 35. Der Pulk an Läufern entzerrt sich über die gesamte Distanz nicht, es sind einfach zu viele Menschen auf der Strecke.

Je länger der Lauf dauert, umso reduzierter wird die Wahrnehmung.

Die aufgescheuerte Blase an der Innenseite des rechten Fußes merke ich nicht. Nur die schrillen Tröten am Streckenrand schmerzen in den Ohren, auch wenn sie gut gemeint sind.

Die Kilometer ziehen sich jetzt. Der Blick sucht immer wieder das nächste Markierungsschild. Glücksgefühle, wenn es erscheint. Einen Schritt vor den anderen zu setzen, das Einfachste also, wird das Schwerste.

Was lehrt der Schmerz den Menschen?

Vermutlich, dass man Strapazen und Mühen in Kauf nehmen muss, um die Dinge zu erreichen, für die es sich wirklich lohnt. Für die es sich lohnt, seinen Ängsten ins Gesicht zu schauen.

Immer nur den einfachsten Weg zu gehen, ist oberflächlich, hat einmal ein Freund zu mir gesagt. Ich glaube, das ist richtig. Wer immer den einfachsten Weg geht, kratzt nur an der Oberfläche menschlichen Erlebens, menschlicher Emotionen, des Lebens selbst.

Ich laufe jetzt über die Leipziger Straße: Kilometer 39, das Ende ist nahe. Die Geräusche werden lauter. Jetzt steigt wieder Euphorie im Körper hoch. Eine letzte Biegung, und schon folgt die Zielgerade.

Die Frage, wie man es tatsächlich geschafft hat, am Ende diesen Punkt zu erreichen, wird rasch abgelöst von dem Glücksgefühl, dass es wirklich so gekommen ist. Dass man wirklich durchgehalten hat.

Nach einem letzten Endspurt erreiche ich die Ziellinie. Um mich herum weinen Menschen vor Freude und Erschöpfung gleichermaßen, und auch ich bin zu Tränen gerührt. Die Frage, ob die Entbehrung sich gelohnt hat, stellt sich nicht mehr. Ich humpele an den Zuschauern vorbei.

Erst jetzt erinnere ich mich, dass es während des Laufs fast die ganze Zeit geregnet hat.


Informationen:..www.bmw-berlin-marathon.de



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Weiße Villen über dem Meer, perfektes Licht. Auf Santorin finden Urlauber die Kulisse für romantische Traumbilder, die vehement nach einer Darstellung verlangen. Am schönsten ist es auf der Kykladen-Insel im Herbst.

Der Tag beginnt mit einem Terrassenfrühstück unter wolkenlosem Himmel. Mittags suchen wir bei mehr als 25 Grad den Schatten auf. Wenn die glutrote Sonne dann im Ägäischen Meer versunken ist, reicht ein leichter Pulli gegen die Abendkühle. Es ist Anfang Oktober, und auf Santorin drängt sich der Sommer noch einmal derart überzeugend auf, dass man das Gefühl bekommt, hier ginge er nie zu Ende. Eine durchaus willkommene Illusion.

Doch die Saison ist fast vorbei. Jetzt, da die Touristen in angenehm dosierter Zahl zwischen den blütenweißen Häusern umherspazieren, ist es auf der allzu bekannten Kykladen-Insel vielleicht am schönsten.

Santorin ist ein Sinnbild. Für mediterrane Leichtigkeit, die angesichts der Preise oft nur sehr exklusiv zu haben ist. Und für Romantik. Die Kulisse der Insel ist so pittoresk, als wäre sie allein für ein kitschiges Gemälde entworfen worden. Eine Verheißung für Honeymooner und Menschen, die sich lieben oder das zumindest glauben und dafür die passenden Bilder brauchen. Santorin liefert.





Der Vulkanarchipel erhielt seine Form, als er um 1525 vor Christus nach einem Ausbruch von einer Flutwelle überspült wurde. Übrig blieb die Caldera, der gewaltige Kegel aus schwarzem Gestein. Der Hauptort Thira liegt direkt am Rand einer 300 Meter hohen Wand, die steil zum Meer abfällt. Die Häuser wurden auf die Felsen gesetzt wie Juwelen auf eine Krone. Im Mittagslicht strahlen sie so gleißend, dass die Augen schmerzen. Doch der berühmte Sonnenuntergang taucht sie in ein sanftes Licht. Das Schauspiel vollzieht sich jeden Abend, Einheimische und Besucher halten dann inne. Es verwundert kaum, dass die Phönizier die Insel »Kalliste« nannten: die Schönste.

Noch etwas charmanter als Thira – auch Fira genannt – ist Oia im Norden. Dort befindet sich der wohl beste Aussichtspunkt: die Ruinen des Venezianer-Kastells Argyri. Abends warten an dieser Stelle Dutzende auf die goldene Stunde, und das nicht umsonst.

Wer die große Inszenierung der Natur privat genießen will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein Zimmer in einem Boutique-Hotel oder Apartment mit Blick auf die Caldera kostet gut und gerne 300 Euro pro Nacht und mehr. Für die Filetgrundstücke mit Panoramaaussicht gibt es schließlich nur begrenzten Platz. Überhaupt ist Santorin ein Ziel für Menschen mit Geld. Und für solche mit richtig viel Geld.

GÄSTE AUS FERNOST

Die Oberschicht der asiatischen Wohlstandsgesellschaften kommt auf einer Reise durch Europa gerne auf das griechische Eiland. In Südkorea haben sie eine Kopie von Santorin errichtet, für Hochzeitspärchen, die sich den teuren Trip in die Ägäis nicht leisten können. Die Chinesen sind verrückt nach der Insel, seit der Kassenschlager »Beijing Love Story« in Teilen hier gedreht wurde. Man kann versuchen, die Preise der Handtaschen zu schätzen. Céline: 2000 Euro. Chanel: 4000 Euro. Hin und wieder eine Birkin Bag von Hermès: ab 12 000 Euro.





In den schmalen Gassen in Thira und Oia gibt es neben Restaurants mit sechssprachigen Speisekarten vor allem Boutiquen und Juweliere. Eine schlichte schwarze Lederjacke für 1200 Euro? Für viele Gäste ein ganz normales Mitbringsel.

Beruhigend ist, dass man Santorin auch als Normalverdiener genießen kann. Dafür wählt man am besten eine Ferienwohnung abseits der erstbesten Lagen. Die schönsten Dinge auf Santorin sind ohnehin kostenlos, zum Beispiel die Wanderung entlang des Kraters von Oia nach Thira im Abendlicht. Oder der schwarze Strand von Perissa, wo es sich bei 22 Grad Wassertemperatur auch im Oktober noch hervorragend baden lässt. Es muss auch nicht gleich der Hummer in einem der Restaurants in der Ammoudi-Bucht sein. In zweiter oder dritter Reihe finden sich in Oia viele Lokale mit guten wie günstigen Speisen. Wir empfehlen Melitini. Und der Sonnenuntergang gehört sowieso jedem.

Ein Herbsturlaub auf Santorin kann also sehr bodenständig sein. Es braucht nicht viel außer der Sonne, der Wärme und dem Meer. Freilich könnte man dafür auch auf eine andere griechische Insel reisen. Aber am Ende ist es natürlich doch dieses Bühnenbild aus weiß getünchten Häusern und Kirchen und blauen Kuppeldächern am Rand des Vulkankraters, das einen Besuch auf Santorin so verlockend macht.

DIE INSZENIERUNG EINER FANTASIE

Auf den blank geputzten Wegen und vor kleinen Balustraden stehen Touristen und versuchen, sich gegenseitig ins rechte Licht zu rücken, euphorisiert beinahe, als könnten sie nicht glauben, plötzlich Teil dieses Ortes zu sein. Die Inszenierung ist harte Arbeit.

In den Lokalen wird der Kaffee lauwarm, weil die Tasse noch einige Minuten für das perfekte Instagram-Foto zurecht geschoben wird. Auch würde es vieles vereinfachen, wenn man die besten Selfie-Spots durch Markierungen am Boden auswiese, mit einigen fotografischen Hinweisen. Doch bis das passiert, wird man weiter Männer aus der halben Welt mit teuren Spiegelreflexkameras beobachten können, die ihre Frauen in der harten Mittagssonne zu porträtieren versuchen. Mit Blitz.

Auf Santorin glaubt man, dass die touristische Wahrnehmung allein durch Fantasie und Projektionen geprägt ist. Auf dieser Insel sucht niemand das »authentische Griechenland«, das wäre lächerlich. Santorin ist ein ultimativer Sehnsuchtsort, wo Urlauber »der Wirklichkeit ihrer Träume auf den Grund gehen«. Hier stellt sich die Frage, wie lange eine Illusion trägt, wenn sie sich fortwährend durch die passende Kulisse bestätigt.





Doch viele kommen nur kurz auf die Insel, für eine Cola und das perfekte Foto. An manchen Sommertagen drängen rund 70 000 Touristen durch die Gassen. Die Insel will ihre Zahl begrenzen, es wird einfach zu viel. Selbst im Oktober liegen häufig noch drei Kreuzfahrtschiffe nebeneinander vor der Insel. Doch der große Besucheransturm ist dann vorbei. Die Airlines haben ihre Charterflüge bis zum nächsten Frühjahr eingestellt. Sehr bald schließen so gut wie alle Restaurants und Geschäfte.

Kommt dann überhaupt noch jemand? Die Besitzerin einer Boutique in Oia antwortet politisch inkorrekt, indem sie ihre Sonnenbrille anhebt und mit den Fingern ihre Augen auseinanderzieht: Asiaten. Sie mögen keine Sonne, und ins Meer gehen sie auch nicht. Das leuchtet ein, doch im Winter gibt es wahrlich bessere Reiseziele. Und der Sommer auf Santorin ist schließlich lang genug.

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Scharf gezeichnete Grate und Couloirs, Gletscherbrüche: Die mächtigen Gipfel der Cordillera Blanca bilden das weiße Dach Perus. Ein Aufstieg auf den Nevado Pisco in Schwarz-Weiß-Fotografien.

Huaraz — Wer es liebt, in den Bergen zu sein, kann nicht nach Peru reisen, ohne sich in die schneebedeckten Anden aufzumachen.

Cordillera Blanca, weißes Gebirge: ein Name wie eine Verheißung.

Was man dort findet: ewiges Eis, von Gletschern behangene Felswände, unnahbare Giganten. Firntürme, deren Gipfel aussehen wie Sahnehäubchen, die ein unsichtbarer Konditormeister in Richtung Himmel gezupft hat.

Im Nationalpark Huascarán stehen viele der schönsten Berge der Welt: der Artesonraju (6025 m), Vorbild für das Logo der Filmproduktionsfirma Paramount Pictures, der trapezförmige Alpamayo (5947 m), und der Doppelgipfel des mächtigen Huascarán (6768 m) selbst.

Der Nevado Pisco wiederum ist derjenige Gipfel, der für den konditionell erprobten und gut akklimatisierten Bergsteiger mit einem kundigen Führer vergleichsweise leicht zu ersteigen ist und dennoch das Gefühl von hochalpiner Ausgesetztheit erzeugt, der die Gegenwärtigkeit urgewaltiger Natur greifbar macht, der mit seinen 5752 Metern zwar nicht zu den höchsten Gipfeln der Region gehört, aber das Matterhorn immer noch um mehr als tausend Meter überragt.

Eine Besteigung in Bildern, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Schatten und Eis.

LAGUNA 69

Die Laguna 69 ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen im Llanganuco-Tal. Der Begriff Lagune suggeriert einen Überfluss an Vegetation, aber der Gebirgssee liegt auf 4600 Metern, es ist kalt und karg an diesem Ort.

Der Bergsteiger, der den Ausflug zum See für die Akklimatisierung nutzt, kommt den brüchigen Eismassen des weißen Gebirges hier schon sehr nahe. Die vereiste Südwand des Chacraraju fällt fast senkrecht mehr als tausend Meter in langgezogenen Falten und Verwerfungen hinab bis zu den Schuttmoränen oberhalb der Lagune. Die Gratwechten des Bergkamms sehen aus wie Baiser, die Hängegletscher wie eine zerfallene Quarkspeise, der Eissaum wie zerbröselter Kuchen.


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BASISLAGER

Das Basislager ist am Nevado Pisco – anders als an anderen Expeditionsbergen – gleichzeitig das letzte Lager vor dem Gipfel, es ist also ein Ort des Zweifels: Hält sich das Wetter? Gibt es Schnee? Zieht ein Sturm herauf?

Wer die fast lotrechte Südflanke des Pisco sehen will, muss vom Basislager noch einmal ein paar Höhenmeter bis auf den Kamm einer Geröllmoräne steigen. Der Bergsteiger sieht die überhängende Eispanzerung des Gipfelgrats, die langen Schatten auf der weißen Wand, und weiter unten: haushohe Bruchkanten im Eis, immer dort, wo die Architektur des Berghangs eine Felsstufe vorgesehen hat.

Man kann sich nur schwer vorstellen, wie es sein muss, wenn sich ein Serac aus der Gletschermasse löst und in tausend granitharte Eisbrocken zerfällt, ein Geräusch wie der Donner am Himmel.


Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco


GIPFEL

Aufstieg in der Nacht, am frühen Morgen streifen die ersten Sonnenstrahlen das weiße Gebirge. Das Spiel von Licht und Schatten beginnt aufs Neue, aber hier oben, auf dem Gipfel des Nevado Pisco, ist es noch eindrucksvoller, die Linien im Eis sind noch schärfer gezeichnet in dieser Sonne, die noch nicht vermag, die nachtkalten Hände richtig aufzuwärmen.

Der Blick wandert zu den Bergriesen der Cordillera Blanca: Artesonraju, Alpamayo, Chopicalqui, Huascarán, Huandoy, Chacraraju – was für ein Ausblick! Was für eine surreale Formation aus Eis und Schnee!

Die eigene Gegenwart auf dem Gipfel zu spüren inmitten dieser monochromen Gratlinien, Eisbrüche und Couloirs, erzeugt im Herz des Bergsteigers ein kaum vergleichbares Gefühl von Lebendigkeit, von unmittelbarer Welterfahrung, von irdischer, aber in gleichen Teilen überirdischer, nicht mehr rationaler Präsenz des Menschen auf der Erde: Das Stoffliche kann nicht alles sein, denkt man.

Wie kann der Mensch einfach nur Staub werden im Angesicht dieser Bergwelt?


Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco
Cordillera Blanca Nevado Pisco


ABSTIEG

Der Tag wird sehr schnell heiß unter der Höhensonne, schon bald kann der Bergsteiger seinen dicken Pullover ausziehen. Der Schweiß löst die Sonnencrème von der Haut.

Die Schatten der Gletscherspalten gewinnen im Licht des Tages erst richtig an Kontur, schwarze Risse im Eis, bis zu 60 Meter tief, kalt und dunkel: die Menschenfresser des Hochgebirges.

Doch der Bergführer manövriert kundig durch den Gletscherbruch, der Schnee wird sulzig, das Gehen etwas beschwerlicher. Der Tag ist noch nicht allzu alt, als der Boden unter den Füßen wieder aus Felsen besteht. Das Licht ist jetzt schon sehr gleißend und leuchtet die Eiswände gänzlich aus.

Nach zehn Stunden ist der Bergsteiger wieder im Basislager.


Nevado Pisco cordillera blanca
Nevado Pisco cordillera blanca
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Nevado Pisco (5752 m)

Reisezeit: ..Die größten Erfolgsaussichten für den Gipfel bestehen in den trockenen Sommermonaten zwischen Juni und September. Es gibt aber auch viele Seilschaften, die den Pisco bereits im Mai oder erst Ende Oktober besteigen.

Anreise: ..Mehrere Fluggesellschaften fliegen Lima mit ein oder zwei Zwischenstopps von Deutschland aus an. Von dort in 8 Stunden mit dem Bus nach Huaraz. Mit einem Geländewagen geht es in den Nationalpark Huascarán.

Einreise: ..Touristen aus Deutschland können sich 183 Tage ohne Visum in Peru aufhalten.

Anforderungen: ..Der Nevado Pisco ist ein ernstzunehmener, hochalpiner Gipfel mit weitläufiger Vergletscherung. Neben guter Kondition und ausreichender Akklimatisierung ist solide Bergerfahrung nötig. Das sichere Gehen mit Steigeisen auch in steilerem Gelände sollte ebenso beherrscht werden wie richtiges Seilhandling und alpine Sicherungstechnik. Ein steilen Hang muss der Bergsteiger mithilfe der Frontalzackentechnik überwinden, im Abstieg wird dort abgeseilt. Schwierigkeit: PD. Für die Besteigung wird Expeditionsausrüstung benötigt.

Veranstalter: ..Verschiedene Agenturen in Huaraz bieten geführte, mehrtägige Touren auf den Nevado Pisco an. Nicht alle Anbieter sind seriös: Viele Bergführer beherrschen keine ausreichende Sicherungstechnik, die Verpflegung ist dürftig, und die fehlende Akklimatisierung der Kunden wird oft ignoriert. Eine professionelle Tour mit einem zertifizierten UIAGM-Bergführer kostet ab 500 US-Dollar.

Übernachtung: ..In Huaraz gibt es viele Herbergen und Hostels, die Stadt ist Zentrum des Trekkingtourismus in der Region. Im Nationalpark Huascarán wird in Zelten übernachtet. Im Basislager des Pisco gibt es auch eine einfache Hütte, das Refugio Perú.

Geld:..In Huaraz gibt es Banken, die alle gängigen Kreditkarten akzeptieren. 1 Euro entspricht etwa 3,4 Nuevos Soles (Stand Februar 2013).



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Die Besteigung des Chopicalqui scheitert bereits auf dem Weg zum Hochlager. Eine sagenhaft breite Gletscherspalte versperrt den Weg. Die Enttäuschung ist groß. »That’s the mountains«, sagt Bergführer Carlos.

Huaraz — Der Mensch will immer höher hinaus, das ist vielleicht Teil seiner Natur, möglicherweise auch nur meiner Natur, in jedem Fall wollte ich nach dem stattlichen Gletscherberg Pisco und dem eher als Geröllhaufen zu klassifiziernden Chachani auf einen richtig alpinen Eisriesen der Cordillera Blanca aufsteigen: den Chopicalqui, 6354 Meter, weitläufige Vergletscherungen, steile Firngrate.

Vor allem die luftige Schlusspassage ließ mich zuhause, in Deutschland, immer wieder zwischen Begeisterung und Ehrfurcht schwanken. Doch der Gipfel soll mir am Ende verwehrt bleiben, wir können keinen Weg durch den Gletscherbruch finden.

Immerhin: Am Chopicalqui gibt es dramatische Formationen aus Fels und Eis zu bestaunen. Das ist ein kleiner Trost. Aber wirklich nur ein kleiner.


Chopicalqui


MORÄNENLAGER

Wir sind vom Basislager aufgestiegen und bauen auf etwa 4600 Metern unsere Zelte auf. Bergführer Carlos tanzt sportlich über die Steine, unser schweigsamer Koch Marcus macht Essen – alles wie immer.

Leider bereitet das Wetter große Sorgen: Nachmittags geht ein ordentlicher Hagel über dem Lager nieder, der Gipfel des Chopicalqui und seine vergletscherten Hänge verschwinden regelmäßig im Nebel. Überhaupt: Wie das Eis wirr und gezackt am Berg zu kleben scheint. Zur Stunde erscheint es einigermaßen unrealistisch, überhaupt je die höheren Sphären des Berges erreichen zu können.

Der Laie verspürt Unsicherheit, er will am liebsten ganz klar wissen, ob ein Aufstieg zum Hochlager morgen möglich sein wird. Man muss an die Profibergsteiger denken, die oft mehrere Wochen im Basislager vor irgendeinem Wandfuß im Karakorum ausharren, bevor es überhaupt ein Wetterfenster für den Aufstieg gibt. Diese Zeit haben wir: nicht.

Der Hagel hat – psychologisch wichtig – aufgehört. Immer wieder gehen Teile des Gletschers vor uns als Eislawinen ab, das Echo wird von der Felswand hinter dem Zelt zurückgeworfen. Gletscher bewegen sich, das merkt man hier.

Der vorausahnende Carlos: »We have to wait for tommorrow.« Völlig klar.


Chopicalqui
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IM GLETSCHERBRUCH

Der nächste Morgen ist dann doch »heiter bis wolkig«, so würde man das im Radio sagen. Wir machen uns auf den Weg ins Hochlager auf über 5000 Metern.

Leider gibt es keine Spur durch den Gletscherbruch, weil wir relativ spät in der Saison unterwegs ist: Es ist Anfang Oktober. Die letzten Bergsteiger, zwei Spanier, seien vor zwei Wochen am Berg gewesen, berichtet Carlos – sie seien aber nicht bis auf den Gipfel gegangen. Das heißt an diesem Tag: selbst einen Weg finden.

Der immer kundige Carlos geht souverän voraus, ich sichere ihn mit einem Seil. Wir laufen über Türme und Blöcke aus Eis, die in nicht absehbarer Anordnung durcheinandergewürfelt zu sein scheinen wie Häuser nach einem Erdbeben. Bis zu 80 Meter tiefe Spalten ziehen sich durch das Eis, oft liegen sie unter Schnee verborgen. Man sieht dann nur eine leichte Delle im Boden.

Das Eis reflektiert die Sonne so stark, dass meine Isomatte außen am Rucksack schmilzt.

Irgendwann bleibt Carlos stehen und sagt: »We cannot go this way.« Carlos steht auf einer Schneebrücke, das hat er gemerkt, weil sein Eispickel durch den Boden bis in einen Hohlraum gehackt hat. Die Spalte sei beim letzten Mal noch nicht so breit gewesen, hier könne man nicht weitergehen.

Der Kunde schaut ungläubig und denkt: Gut, der Carlos kennt den Berg, er wird sicher einen alternativen Weg finden. Wir folgen einer anderen Spalte, doch irgendwann klafft wieder nur ein riesiger Abgrund auf. Viele Optionen gibt es nicht, und wir haben natürlich keine Aluminiumleiter dabei.

Nach einer halben Stunde ist klar: Wir finden keinen Weg durch den Gletscherbruch.

Langsam sackt die Enttäuschung ins Bewusstsein. An dieser Stelle ist offensichtlich Schluss. Letzter Widerwille, Frage an Carlos: Gibt es überhaupt einen Weg auf den Gipfel? Antwort Carlos: Nein, vorerst gibt es auf dieser Route keinen sicheren Weg auf den Gipfel. Er werde das der Agentur in Huaraz melden.


Chopicalqui
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ABSTIEG

Totale Resignation im Moränenlager. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein. Die Expedition ist ja kaum richtig losgegangen.

Ist es frustrierender, 50 Meter unterhalb des Gipfels in einem Schneesturm umkehren zu müssen oder bereits auf dem Weg zum Hochlager wegen einer einzelnen Gletscherspalte? Schwer zu sagen.

Der erfahrene Bergführer Carlos sieht natürlich die Enttäuschung seines Klienten und versucht ihn etwas aufzuheitern. Er selbst habe auch schon oft umkehren müssen, zum Beispiel bei einer Aconcagua-Speedbesteigung vor drei Jahren. Da habe er natürlich die 800 US-Dollar Eintritt für den Nationalpark schon gezahlt gehabt und dann: schlechtes Wetter, Abbruch 400 Meter unterhalb des Gipfels.

Dann lächelt Carlos und sagt den ultimativ weisen Satz: »That’s the mountains.«


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Nevado Pisco
Chopicalqui
Huascarán


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