Österreich

Erster Tag im Gebirge, Aufbruch um 6 Uhr von der Martin-Busch-Hütte. Das ist nicht zu früh für den erst gestern aus dem Flachland aufgestiegenen Großstädter, aber auch nicht zu spät für eine Hochtour auf die Hintere Schwärze. Die jenseits des Bergrückens langsam aufsteigende Sonne hat das Pechschwarz der Nacht verdrängt, die Füße können die Konturen des Weges lesen. Wir müssen herunter zum Fluss, über eine Brücke, dahinter folgt der Pfad den Kehren des Hangs. Ein neuer Weg wurde hier angelegt, der alte ist wegen Steinschlaggefahr gesperrt worden. Die Route verändert sich, wie das Hochgebirge insgesamt. Erst geht es deshalb viele steile Serpentinen hinauf und dann wieder, bis man den Gletscher erreicht, viele Höhenmeter über lose Steine hinab. Wir brauchen dafür wenigstens eine Stunde. Unten noch mehr Geröll, zwei Moränen folgen der Fließrichtung des Eisstroms, sie haben viel Schutt mitgenommen. Der Himmel ist wolkenlos, das Blau wird intensiver mit jeder Morgenstunde.


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Unterer Marzellferner vor dem Similaun (Mitte).


Der untere Ausläufer des Marzellferners fließt eben zu Tal. Der Gletscher hier unten ist aper, das Eis liegt frei. Es knirscht und krächzt, wenn die Zacken der Steigeisen sich hineinbohren. Wir schauen nach vorne, von links oben fällt die Gletscherzunge über steileres Gelände herab. Das Eis faltet sich in diesen Brüchen auf wie spröde Haut. Wir schlagen drei oder vier Kehren, um den großen Spalten auszuweichen. Die ersten Sonnenstrahlen, die über den vereisten Hang fallen, erleuchten unsere Gesichter. Und schließlich, mit jedem Höhenmeter etwas mehr, schiebt sich der Gipfelaufbau ins Blickfeld. Seine Form ähnelt einer Haifischflosse, der Grat fällt scharf über die noch schattige Nordwand ab. Erst jetzt, nach weit mehr als zwei Stunden Gehzeit, zeigt sich die Hintere Schwärze. Aus dem Niedertal auf der Nordseite des Schnalskamms ist ihr Gipfel nicht zu sehen.


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Hintere Schwärze vom Marzellferner.
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Oberer Marzellferner.
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Hintere Schwärze (links) und Östliche Marzellspitze (Mitte) vom Marzellferner.


Oberhalb des Bruchs liegt ein weitläufiges Gletscherbecken, man blickt auf eine unberührte Eislandschaft, die von keinem Felsbrocken unterbrochen wird. Nur einige Fußspuren ziehen sich durch den Schnee. Die fast bis zum Gipfel hinauf vergletscherte Nordflanke der Hinteren Schwärze bricht in einiger Entfernung von uns in einem Eisbruch ab. Wir lassen sie links liegen, nachdem wir das nun fast wieder ebene Weiß durchquert haben, und erreichen die große Firnrampe, die uns hinauf zum Gipfel bringen soll. Das Gelände wird nun wieder steiler und der Schnee tiefer, es gelangt weniger Sauerstoff in die Lunge hier oben, das merkt man jetzt.


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Similaun (links) und Weißkugel (rechts) vom Gipfelgrat der Hinteren Schwärze.


Der Firn wird noch steiler, wir erreichen einen Aufschwung, von dem Spuren in direkter Linie den Schneehang hinaufführen. Keine hundert Meter mehr bis zum Grat. Das Laufen kostet einigermaßen Kraft. Zehn Schritte gehen, durchatmen. Das Eis unter den Schuhen ist von der Kälte der Nacht noch ziemlich hart. Das Gehen ist angenehm, der frühe Aufbruch hat sich gelohnt. Schließlich der Gipfelgrat, zum Kreuz sind es nur noch ein paar Meter über Blockgestein. Man blickt hinüber nach Italien, man schaut über die Wolken hinweg. Wenigstens 300 Höhenmeter tiefer fließen gewaltige Gletscher zu Tal. Das eiserne Kreuz überragt alle anderen Gipfel in der Nähe. Wir stehen auf dem höchsten Berg des Kamms, man konnte ihn von unten nicht einmal sehen. Die Hintere Schwärze ist einer der schönsten Berge der Ötztaler Alpen, weil er seine Größe und seine Form gut versteckt.


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Weißkugel von der Hinteren Schwärze.
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Texelgruppe von der Hinteren Schwärze.
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Similaun (links) und Weißkugel (Mitte) von der Hinteren Schwärze.
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Karlesspitze von der Hinteren Schwärze.
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Wildspitze von der Hinteren Schwärze.


Hintere Schwärze (3624 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: ca. 2 Stunden
Übernachtung: Martin-Busch-Hütte (2501 m), +43 5254 813050, 40 Zimmerlager, 72 Lager, ab 6 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD / I, Gletscherspalten, ca. 3-4 Stunden

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Wenn die Augen nicht mehr zwischen Schnee und Wolken unterscheiden können, hat man in den Bergen ein Problem. Auf dem Großvenediger erlebten wir einen Whiteout – und kamen trotzdem auf den Gipfel.

Als wir Kinder waren, sahen wir den Großvenediger vom Zillertaler Hauptkamm aus in der Ferne aufragen: der vierthöchste Berg Österreichs, 3662 Meter hoch. Geschätzte zehn Jahre später sollte es auf den Gipfel gehen. Mein Bruder und ich stiegen also in einen Flieger nach München, nahmen einen Zug nach Österreich und fuhren mit einem Bus bis zum Südausgang des Felbertaunerntunnels. Dort nahm uns ein Jeep mit zum Venedigerhaus. Wir kamen von bescheidenen 120 Metern Seehöhe und erreichten erst am späten Abend, in der Dämmerung gegen 21 Uhr, unser erstes Ziel: die Neue Prager Hütte auf 2796 Metern. Knapp 2800 Meter sind zwar nicht der Überwurf, der Körper beginnt aber trotzdem damit, sich an den veränderten Sauerstoffgehalt in der Höhe anzupassen. So müde wir auch abends in unser Lager fielen – unser Ruhepuls lag mit Sicherheit bei 90. Der Körper fing an zu arbeiten.

Ab 2500 Metern kann es schon zur akuten Bergkrankheit kommen. Sie ist im Gegensatz zu ihren gefährlichen Verwandten HACE und HAPE nicht lebensbedrohlich, äußert sich aber in fiesen Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Üblicherweise werden in Höhen um die 3000 Meter aber nur Turnschuh-Wanderer bergkrank, die sich direkt mit der Seilbahn in die Höhe fahren lassen. Für uns war das also kein Problem. Wie uns der Wirt auf der Neuen Prager Hütte mit genügsamer Selbstverständlichkeit mitteilte, gab es auf der Prager Hütte seit dem Winter kein fließendes Wasser. Wir mussten uns mit Schnee die Zähne putzen, die Leitungen waren noch zugefroren.



Für den nächsten Tag war der Gipfeltag angesetzt. Der Aufstieg stand nicht nur bildlich gesprochen unter einem schlechten Licht: Das Wetter war gelinde gesagt beschissen, der Berg war in dichten Nebel gehüllt, und wir mussten auf die Spuren einer 5er-Seilschaft vertrauen, die vor uns aufstieg. Die Sichtweite auf dem Gletscher lag bei etwa 20 Metern. Ohne eine Spur hätten wir uns niemals an den Berg herangetraut.





Durchaus bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Auge irgendwann nicht mehr zwischen Nebel und Schnee unterscheiden kann und man gelegentlich zu Halluzinationen neigt. So schwor mein Bruder darauf, dass ein von mir weggeworfenes Stück Trockenobst stetig den Hang herunterrutschen würde, obwohl es sich bei längerem Betrachten kein Stück von der Stelle bewegte. Ein whiteout kann zu vollkommenem Orientierungsverlust führen, weil der Himmel sich nicht mehr gegen die übrige Landschaft abhebt. Das Auge ist überfordert. Man fängt an, Dinge zu sehen, die gar nicht da sind, man wird ein bisschen wahnsinnig.

Abgesehen von den miserablen Sichtverhältnissen war der Anstieg körperlich extrem zehrend. Da wir uns vor der Tour nicht sicher waren, ob wir von Hütte zu Hütte wandern oder eher auf Gipfelsturm gehen würden, hatten wir viel zu viel Gepäck dabei: ein leidiger Umstand. So haben wir in den sagenhaften fünf Stunden des Aufstiegs jeweils 20 Kilo Gepäck den Berg hinaufgetragen – und wieder herunter. Darüber hinaus lag noch extrem viel Altschnee vom Winter. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Gletscherspalten gefährlich überschneit sind, sondern macht auch das Gehen deutlich beschwerlicher, weil der Fuß bei jedem Schritt 30 Zentimeter einsinkt. Jener Mensch, der da zuvorderst der 5er-Seilschaft die Spuren getreten hat, muss nicht nur einen gottgebenen Orientierungssinn gehabt haben, sondern auch die Kraft eines Bären. So kam es dann vor, dass mein Bruder und ich – am Tag zuvor noch vom Flachland aufgestiegen – regelmäßig alle zehn Meter anhalten mussten, um durchzuatmen. Mit keinem geringen Gefühl der Genugtuung tauchten irgendwann doch noch der Gipfelgrat und das Kreuz auf.



Nach mühsamen achteinhalb Stunden erreichten wir wieder die Neue Prager Hütte. Der Wirt versorgte die gesamte Mannschaft mit einem großen Topf Nudeln mit Bolognese-Soße. Mein Puls war vor dem Einschlafen noch mal etwas höher als in der Nacht zuvor. Der Aufstieg von 120 auf 3670 Meter binnen 20 Stunden hinterließ seine Spuren. Dass es in den nächsten Tagen sogar noch ein wenig höher gehen sollte, war zu dem Zeitpunkt noch lange nicht ausgemacht..



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Nach Harz und Blumen duften die Berghänge, der Tag ist jung, es geht auf den Hochgall, den höchsten Gipfel der Riesenfernergruppe in Osttirol. Wie viel Zuversicht und Zweifel passen in einen Tag?

I. Staller Sattel, 8 Uhr: AUFBRUCH / ZUVERSICHT

Die Sonne ist bereits die Felswände heruntergeklettert, durch Fichtenwälder hinabgestiegen, am Talgrund angekommen. Der Tag hat sich breitgemacht im Gebirge, strahlend, satt. Nur westseitig kleben noch ein paar Schatten an den Hängen.

Doch der Morgen hat eine leichte Kühle, die Luft eine Feuchtigkeit, ich bin spät dran für das, was ich vorhabe. Vor mir der Hochgall, mächtig und schroff. Die Südwand fällt 800 Meter ab, dann Bergweiden, dann Zirben. Ein Grat zeichnet eine schwarze diagonale Linie durch den Fels. Ich muss weiter nach Antholz Obertal, nach unten ins Tal, ich muss erst noch tiefer. Dort beginnt die Reise dieses Tages, aus den Schatten des Waldes hinauf zum kahlen Gipfel und den ganzen Weg wieder zurück.

Das Auto auf einem Parkplatz abgestellt, den Rucksack geschultert. Leicht ist das Gepäck, denn der Anstieg fordernd und lang. Den Einstieg zum Weg gefunden, das Wanderzeichen erspäht, schon geht es aufwärts. Steile Serpentinen, grobes Wurzelwerk, der Geruch von feuchter Erde. Die Fichten schirmen die Sonne ab, noch.

Was für ein Gefühl es ist, wieder hier zu sein, in den Bergen. Die morgendliche Kühle im Gesicht, der Schweiß im Nacken, die leichte Spannung in den Waden. Wie der Wald duftet nach Harz und Blumen! Wie mir leicht wird ums Herz!

Bergan, bergan, immerzu, ich bin so bereit. Die Augen lesen den Weg wie ein Schriftgelehrter das heilige Wort, gierig und sicher und kenntnisreich; die Füße finden Tritte und Stufen, bestimmt und rasch und sanft, sie huschen über Steine und Stöcke wie junge Gämse. Schon lichtet sich der Wald, rauscht der Bergbach in der Sonne, steigt die Hitze aus den Wiesen. So gehen die ersten Stunden dahin, ein heiteres Spiel ohne Mühen.


Antholzer Tal und Hochgall (Mitte rechts) vom Staller Sattel.

Auf dem Weg zur Antholzer Scharte, Blick zurück ins Antholzer Tal.

Unterhalb der Antholzer Scharte, Blick in Richtung Dolomiten.


II. Antholzer Scharte, 11.30 Uhr: RAST / PRÄSENZ

Die Vegetation hat sich zurückgezogen, ist Geröll und Steinen gewichen. Immer aufwärts geht es durch das Hochtal, nun der letzte steile Aufschwung, und ganz oben – Schnee. Ein alter, gräulicher Rest ist noch nicht geschmolzen unter dieser satten Julisonne, Zeuge eines langvergangenen Winters. Ja, hier auf über 2800 Metern kann es kalt werden, doch heute nur Wärme, Milde, liebliche Luft.

Abschüssige letzte Meter bergan, dann die Scharte. Der Blick fällt ins Hochtal auf der anderen Seite des Gebirgskamms, auf Geröllfelder, Moränen und einen Gletscherbach. Darüber ein nahezu wolkenloser Himmel, blasses Mittagsblau. Zeit für Brot, einen Apfel, Trockenfrüchte und etwas Schokolade. Ein einzelner Wanderer grüßt. Man tauscht sich aus, macht Fotos, doch viel Zeit ist nicht, der Weg ist weit.

Rechts des Tals türmt er sich auf, der Hochgall, der »hohe glänzende Berg«, wie es im Althochdeutschen heißt. Höchster Gipfel der Riesenfernergruppe. In einem nahezu perfekten 45-Grad-Winkel fällt der Nordwestgrat seitlich ab, scharf gezeichnet von der Sonne. Der Gipfelaufbau thront als graue Pyramide über den umliegenden Bergen, die Perspektive macht es, ja tatsächlich: ein Mount Everest in Miniatur.

Der stürmische Rausch des morgendlichen Aufstiegs ist aus mir gewichen, Ratio eingekehrt. Ich rechne und kalkuliere, schätze und prüfe, versuche den Weg vor mir mit meinen Augen in Stundeneinheiten aufzuteilen. Habe ich mir zu viel vorgenommen? Ich muss nun zunächst wieder etwas absteigen. Wann erreiche ich die Furt, ab der es wieder bergan geht, wann das Graue Nöckl, jene Erhebung am Anfang des Gipfelgrats? Heiß brennt die Sonne aufs Gestein, der Tag wartet nicht, wohlan, die Beine sind stark.


Antholzer Scharte.

Hochgall mit Nordwestgrat von der Antholzer Scharte.


III. Hochgall, 15 Uhr: GIPFEL / EUPHORIE

Der Weg hinauf über den Grat zieht sich, erst zum Grauen Nöckl, dann über Drahtseile hinab in eine Senke und fortan wieder nach oben. Links fällt die Wand ab, rechts der steinige Hang. Ein Schneefeld muss gequert werden, abschüssig, auf sorgsamen Sohlen also, die für eine Minute die vergangenen Stunden in Waden und Oberschenkeln vergessen. So muss es sein, sonst wird es gefährlich.

Auf dem Gipfel dann: Erleichterung, Euphorie. Die Sonne hat ihre höchsten Bahnen wieder verlassen. Wolkenflocken über Berggipfeln, das Blau des Himmels. Die Aussicht geht im Norden bis zu den Zillertaler Alpen, weiter rechts zu Venedigergruppe und Glocknergruppe. Im Süden erheben sich die Dolomiten, im Licht und im Schatten, je nach Himmel. Feine Spitzen sind es, wie sorgsam herausgearbeitet mit ruhiger Hand und spitzem Meißel.

Ein Panorama zu allen Seiten; die satten Farben eines Hochsommertages, tannengrün, wiesengrün, felsenbraun, wandgrau, schneeweiß; eine verträumte Collage. Erhebend ist das Gefühl, Grandeur der Berge, Erbauung der Seele über den winzigen Dörfern der Menschen, irgendwo dort unten, wo der Tag schon bald wieder zu schwinden beginnt.


Hochgall-Nordwestgrat vom Grauen Nöckl.

Hochgall-Vorgipfel mit Beginn des Nordwestgrats.


IV. Weggabelung Hochgallhütte, 17.15 Uhr: ABSTIEG/ ZWEIFEL

Der Abstieg vom Grat: mühsam. Ich muss grobe Felsblöcke umklettern, weil ich die genaue Route nicht ausmachen kann, es gibt keine Markierungen. Undurchsichtig scheint mir der Weg nun, ganz anders als zuvor.

Das Gestein ist brüchig. Ein »einziger Schutthaufen« sei der Hochgall, sagt ein Bergführer später. Es ist so. Die Griffe sind vorsichtig, die Augen können das Gelände bergab nicht so gut lesen wie bergauf. So wird die Fortbewegung unendlich langsam. Die Beine müssen die Spannung eines zaghaften Tritts aushalten, vortastend, prüfend. Immer wieder. Es kostet alles ungeheure Kraft, aber es ist der einzig sichere Weg.

Ab dem Grauen Nöckl scheint die Anordnung der Steinmänner, die auf dem Weg zum Gipfel die Route gezeigt haben, unerklärlicherweise seltsam verschoben, gar unsichtbar. Über grobes Blockwerk muss ich hinab, doch welche Richtung einschlagen? Die Tritte sind weit und tief, erschüttern die Gelenke, zermürben die Muskeln.

Nach drei elenden Stunden Abstieg kommt endlich die Furt. Beine wie Säcke voll Mehl, doch voraus bloß der Gegenanstieg zur Scharte. Die Füße lassen sich kaum noch heben, jetzt dringend Schokolade, und Wasser, Wasser, nur immer mehr Wasser, die drei Liter aus dem Rucksack sind längst leer, da ist der Bach.

Ich weiß nicht, ob ich noch weitergehen kann. Rechts führt der Weg zur Hochgallhütte, dort wartet ein Bett für die Nacht, und der Tag verabschiedet sich schon, einsamer Nachmittag im Hochgebirge. Eine Stunde wäre es vielleicht, doch der Pfad zur Hütte führt in ein anderes Tal, weg vom Auto. Keine Ersatzkleidung, keine Zahnbürste. So will ich mich nicht betten, also doch weiter, hinauf zur Scharte, ein Kraftakt.


Dolomiten von der Antholzer Scharte.


V. Antholz Obertal, 21.15 Uhr: ANKOMMEN / RUHE

Rast in der Antholzer Scharte, die Beine haben sich erstaunlich gut angestellt, ja angepasst, als wüssten sie nun, das ist noch nicht das Ende. Es hat sich nun jene Tür aufgetan, hinter der vieles möglich ist, noch eine Stunde, drei Stunden, fünf. Es scheint plötzlich egal. Die Mühsal wird zum steten Begleiter, das ist in Ordnung.

Die Wolken hängen am Himmel wie abstrakte Plastiken, zackige Dolomiten-Gipfel am Horizont. Wie versöhnlich es ist, dieses warme, seichte, liebevolle Abendlicht. Dort unten in Antholz hat die Nacht bereits damit begonnen, die Wiesen einzunehmen, unaufhaltsam rückt sie vor auf die andere Talseite. Die letzten zweieinhalb Stunden des Weges liegen im Schatten.

Hinab geht es nun wieder, zuerst über steinige Pfade, dann hinein in die Wiesen und schließlich in die immer noch duftenden Zirben. Es sind 1300 Höhenmeter von der Scharte zum Parkplatz, und jeder von ihnen foltert die Beine. Stumpf fühlen sie sich an, seltsam angespannt und doch labil, wie kurz vor dem Wegknicken. Verzweiflung bei jedem Schritt, Unwille, Resignation. Doch kein Obdach gibt es hier.

Als es den Muskeln schließlich widerstrebt, die Schritte des müden Wanderers abzufedern, bleibt nur noch der Trab, ja tatsächlich, ich komme ins Laufen. Es ist so viel angenehmer für die Beine als das Gehen. Die Fichten sind zurück, doch der Atem schwächelt, obschon es bergab geht. Die Anstrengung sitzt jetzt auch in den Lungen. Trockener kalter Schweiß unter der Kleidung, trotz der fünf Liter.

Fast schon finster ist der Wald kurz vor dem Parkplatz, tückisch sind nun die Wurzeln, doch die Füße fliegen, noch ein letztes Mal, in dem Wissen, dass es alsbald vorbei ist. Erschöpfung und Euphorie, die Erinnerung an einen fernen Morgen, letzte Meter. Die Bäume lichten sich, Abendstille im Tal, die nackten Füße im Gras. Ich bin wieder zurück. Tiefe Ruhe.



Hochgall (3436 m)

Anreise: vom Defereggental über den Staller Sattel bis Antholz Obertal (1550 m)
Gipfel: über Antholzer Scharte (2811 m), Weggabelung in Richtung Kasseler Hütte (ca. 2700 m), Furt (ca. 2580 m), Graues Nöckl (3084 m) und den Nordwestgrat
Schwierigkeit und Gehzeit: AD- / II, ca. 7-9 Stunden ab Antholz Obertal


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Das Auge sucht das Blickfeld mechanisch nach dem einzigen Farbtupfer ab, den es in dieser Höhe gibt. Wo ist der nächste rote Punkt, die nächste Wegmarkierung? Grobes Blockgestein verliert sich im Nebel, die Sicht beträgt vielleicht zehn Meter, der Grat steigt weiter an. Manchmal greifen die Hände nach dem Fels, um das Gleichgewicht des Körpers halten zu können. Sehr viel höher kann es nicht mehr gehen, aber es taucht immer nur ein neuer Felsbrocken auf. Und noch einer. Karge Monotonie. Dann endlich setzt sich das hölzerne Gipfelkreuz gegen das undurchdringliche Grau der Umgebung ab.

Es ist eigentlich keine gute Idee, noch am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr, vollkommen allein auf einem mehr als 3400 Metern hohen Alpengipfel zu stehen, im Nebel über den Gletschern.


Wilder Freiger, Gipfelgrat


Drei Stunden zuvor hat noch die Sonne geschienen, 1200 Meter weiter unten im Tal. Auf der Terrasse der Sulzenauhütte greifen Wanderer in der Mittagshitze zum ersten Radler des Tages, sie essen Kaiserschmarrn, trinken Kaffee, manche sind aus dem Tal aufgestiegen, manche machen hier halt auf dem Stubaier Höhenweg, die Hütte ist voll.

Wir sind am Vormittag von der Nürnberger Hütte über die Mairspitze gekommen, es ist jetzt an der Zeit, die Bergstiefel auszuziehen, die Füße ins Gras zu halten und einen Apfelstrudel zu bestellen – oder noch auf den Wilden Freiger zu steigen, auf einen der großen, vergletscherten Dreitausender in den Stubaier Alpen.

Es ist mittlerweile kurz nach Mittag, etwa 14 Uhr, bis zum Sonnenuntergang bleiben also noch ungefähr fünf Stunden für Auf- und Abstieg. Die Karte zeigt die Aufstiegsroute: ein Wanderweg, dann Gletscher, am Ende ein Felsgrat. Wie sind die Schneeverhältnisse? Optimal, auf den Höhen ist in den vergangenen Tagen kein neuer Schnee gefallen.

Es gibt eine goldene Regel im Gebirge: Gehe niemals allein und unangeseilt auf einen Gletscher. Wenn du in eine Spalte stürzt, brichst du dir womöglich alle Knochen und falls nicht, wird eventuell niemand dein verzweifeltes Rufen aus den Tiefen der kalten Eishöhle hören. Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn der Gletscher aper ist und die Spalten nicht von Schnee überdeckt sind, sondern offenliegen. Dann ist einem rational handelnden Menschen durchaus zuzutrauen, dass er die Risse im Eis wahlweise umgeht oder überspringt. Einen Versuch ist es wert.

Der Weg verläuft zuerst vorbei an der Blauen Lacke, einem kleinen Gebirgssee, an dessen Ufer Wanderer bestimmt drei Dutzend Steinmandl aufgestellt haben. Die Sonne ist hier noch kräftig an diesem Sommertag. Nach einer ausscherenden Linkskurve steigt der Pfad etwas steiler an bis zur Fernerstube, das ist der Gletscher, der westlich des Wilden Freigers vom Berg herabfließt. Auf der Karte führt der Weg ab hier blau gepunktet über das Eis, aber natürlich gibt es hier gar keinen richtigen Weg mehr, man muss jetzt selbstständig eine Route finden. Der Gletscher ist tatsächlich aper, die Spalten liegen frei.

Bald macht die Eiszunge einen Schwenk nach Osten, durch die Richtungsänderung ist das Eis an dieser Stelle besonders aufgerissen. Es ist ein Zick-Zack-Kurs über den Gletscher. Im oberen Bereich der Fernerstube liegt noch etwas Schnee, aber nur ganz wenig, und das Gelände ist flach. Irgendwann ist der Felsgrat erreicht, der Himmel hat sich zugezogen.


Wilder Freiger
Wilder Freiger, Gletscher
Wilder Freiger


Noch eine gute halbe Stunde leichte Blockkletterei trennt den Bergsteiger an dieser Stelle vom Gipfel. Der Grat ist in Nebel gehüllt, niemand ist hier oben unterwegs um diese Tageszeit. Es ist nicht ganz leicht, immer sofort den nächsten roten Punkt im Gelände auszumachen, aber es gibt im Prinzip nur einen Weg: weiter nach oben, bis das Kreuz auftaucht.

Drei Stunden hat der Aufstieg am Ende gedauert. Es ist schon spät am Nachmittag, aber die Dunkelheit wird noch wenigstens zwei Stunden auf sich warten lassen. Das Zeitfenster reicht aus.

Auf dem Weg bergab gabelt sich der Grat in zwei Richtungen auf, man verliert im Nebel leicht die Orientierung, steigt womöglich auf der falschen Seite des Bergs ab und landet dann irgendwann irrtümlich auf der Müllerhütte. Vor dem falschen Abbiegen bewahrt ein Kompass.

Plötzlich trägt der Wind ferne Ruflaute vom Gletscherbecken an das Ohr, die gar nicht da sind, es wird langsam etwas befremdlich hier oben: schnell hinunter zur Fernerstube.

Auf dem Gletschereis ist es möglich, mit den Steigeisen ein bisschen zu traben, das Eis ist hart, die Zacken finden sofort Halt, deshalb sind die Schritte präzise. Keine halbe Stunde dauert die Passage über den Gletscher. Nach knapp fünf Stunden ist der Alleingang auf den Wilden Freiger vorbei, auf der Sulzenauhütte warten Radler und Strudel, dieses Mal wirklich. Heute geht es nirgendwo mehr hin.

Wilder Freiger (3418 m)
Anreise: bis Grawaalm (1530 m)
Hüttenzustieg: über Sulzenaualm (1847 m), ca. 2 Stunden
Übernachtung: Sulzenauhütte (2191 m), +43 676 3877073, 40 Zimmerlager, 100 Lager, ab 8 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD, Gletscherspalten, ca. 3-4 Stunden


Wilder Freiger auf einer größeren Karte anzeigen

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Vent — Frühstück auf der Terrasse der Breslauer Hütte, es ist komplett finster. Etwa 200 Menschen schlafen noch oder stehen gerade auf oder packen jetzt ihren Rucksack. Sie wollen heute alle auf die Wildspitze. Es ist Wochenende, es ist gutes Wetter.

Wir sind die ersten, die aufbrechen. Um uns herum ist es immer noch so dunkel, dass die Steine auf dem Weg kaum zu erkennen sind. Langsam zieht die Dämmerung herauf.

Wir steigen durch das Tal bis zum steinernen Aufschwung des Mitterkarjochs, folgen roten Punkten durch felsiges Gelände. Steigeisen anziehen, das Schneefeld unterhalb der Felswand ist hartgefroren und steil. Steigeisen ausziehen, der Klettersteig erfordert guten Tritt. Etwa 50 Meter kraxeln wir an Drahtseilen nach oben, die frühe Morgensonne in unserem Rücken überzieht die Berge mit einem blassen Schleier.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm vom Mitterkarjoch (Großansicht).


Wir erreichen das Joch, die Sonne bricht hervor. Vor uns eine große, weite Eislandschaft, um uns herum klare Morgenluft. Das gute Gefühl, die Ersten am Berg zu sein. Der Weg über den Gletscher zum Gipfel ist nicht steil.

Um auf den Nordgrat zu kommen, müssen wir aber einen stark geneigten Aufschwung überwinden. Die Frontzacken der Steigeisen schlagen ins Eis. Dann geht es, wechselnd über Firn und Fels, weiter bis zum Kreuz, das nun, um 8 Uhr morgens, weithin sichtbar in der Sonne glänzt. Die Berge in der Ferne schimmern weiß-golden.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm von der Wildspitze (Großansicht).
Wildspitze GipfelgratWildspitze, Gipfelgrat.
Hintere Schwärze und SimilaunHintere Schwärze (links) und Similaun (rechts) von der Wildspitze.
Weißkugel von der WildspitzeWeißkugel von der Wildspitze.
Ramolkamm und SchnalskammRamolkamm und Schnalskamm von der Wildspitze (Großansicht).


Frühstück auf dem Gipfel: weiße Schokolade und hochprozentiger Rum. Bevor es voll wird auf dem höchsten Fleck Tirols, brechen wir auf.

Ein Abstieg zurück über das Mitterkarjoch, Nadelöhr auf der Hauptroute, scheint schwierig. Staugefahr droht, immer noch steigen größere Gruppen auf. Wir verlassen den Gipfelgrat in Richtung Osten.

Spuren im Schnee führen über den nordseitigen Gletscher bis zu einem Durchstich im Westgrat, an dem das Eis steil über einen Bruch zum oberen Rofenkarferner abfällt. Wir steigen vorsichtig hinab. Weiter unten ziehen sich Spalten durch das Eis, aber sie liegen frei und offen in der Sonne. Der Gletscher macht hier keine großen Mühen mehr, irgendwann kommt er in einem letzten Zerwürfnis zum Stehen. Wir sind unten.


Rofenkarferner und WildspitzeÖtztaler Urkund (links) und Wildspitze (Mitte) vom Rofenkarferner.

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Über den Wolken, die kurz nach der Dämmerung in den schwarzen Alpentälern hängen, werden die schneebedeckten Gipfel der Ortlergruppe von den ersten Sonnenstrahlen in oranges Licht getaucht. Weit darüber wacht noch der Mond, an tiefes Dunkelblau geheftet. Im Nordosten glüht der Himmel hinter den Silhouetten der Bergkämme hervor, als schmelze dort jemand Erz. Kein allzu trübsinniger Anblick für einen Morgen, an dem man noch vor dem Frühstück rasch auf den Similaun steigen möchte. Wir brechen um kurz vor 6 Uhr am Niederjoch auf, schon nach einigen Minuten erreicht man den Gletscher.


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Königspitze (links), Monte Zebrù (Mitte) und Ortler (rechts) von der Similaunhütte.
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Fineilspitze vom Niederjochferner.


Über eine einzige Gletscherrampe geht es nach oben zum Gipfel, das Eis zieht sich hinauf bis zur Spitze des Berges. Im unteren Teil des Ferners folgt der Weg erst dem Felshang, bis der Gletscher über einen leichten Bruch abfällt und die Spuren nach rechts oben kreuzen, damit man nicht allzu steil aufsteigen muss. Die Spalten liegen noch frei, der Schnee ist am frühen Morgen aber ohnehin hartgefroren. Wir steigen über die Westflanke auf, irgendwann fällt die Sonne über das funkelnde Eis und bestätigt die Hoffnung auf einen vorzüglichen Tag. Bis zum Gipfelaufbau verlaufen die Spuren ziemlich eben, sie sind nicht tief, die bezackten Stiefel finden einen guten Halt. Die Sonne versucht den Dunst aus den Tälern zu verdrängen, aber es will ihr nicht recht gelingen. Der Similaun hüllt seinen Gipfel immer noch in Wolken.


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Similaun vom Niederjochferner.


Das Eis wird steiler, als wir uns dem Gipfel nähern, keine zwei Stunden liegen hinter uns. Zickzack-Spuren ziehen sich den Hang hinauf, über uns treiben Wolkenfetzen vorbei. Noch ein Vorstoß nach rechts, und wir blicken über die Bruchkante nach Italien. Die Sicht auf die Berge ist verschleiert durch den Nebel. Zurück nach links auf den windigen Firngrat, der zum Gipfelkreuz führt. Die Wolken reißen auf, man schaut auf den 200 Meter tiefer fließenden Gletscher herunter, der wie das Wasser eines Ozeans auf dem Berg liegt, nur um den Blick wieder über die weißen Wolkenkissen hinweg in Richtung Horizont zu richten, der irgendwo mit dem Himmel verschwimmt, während zähes Nebelgrau noch höherer Wolken die gesamte Szenerie einrahmt. Der moderate Aufstieg raubt nicht allzu sehr den Atem, der Blick vom Similaun-Gipfelgrat – man möge mir diese kitschige Analogie verzeihen – um einiges mehr. Zeit für eine Rast, auch wenn sie kurz vor dem Gipfel kommt. Oben angekommen müssen wir uns etwas gedulden, bis der Dunst endgültig aufreißt und der einzige Viertausender der Ostalpen in den Himmel ragt.


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Grafferner vom Gipfelgrat des Similauns.
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Hintere Schwärze vom Similaun.
marzellspitzen hintere schwärze similaun ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Marzellspitzen (vorne) und Hintere Schwärze (hinten) vom Similaun.
piz palü piz bernina similaun berninagruppe horizont ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Piz Palü (links) und Piz Bernina (rechts) vom Similaun.
monte vioz pàlon de la mare monte cevedale similaun ortlergruppe ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Monte Vioz und Pàlon de la Mare (links) mit Monte Cevedale (Mitte) vom Similaun.


Similaun (3599 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: über Martin-Busch-Hütte (2501 m), ca. 4 Stunden
Übernachtung: Similaunhütte (3019 m), +39 473 669711, 40 Zimmerlager, 30 Lager, ab 10 Euro
Gipfel: Schwierigkeit F, Gletscherspalten, ca. 2 Stunden


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Der junge Sportler sieht sich während seines ersten Extremlaufs gerne als Kämpfer, als einsamer Heros in einem urzeitlichen Ringen mit der Distanz und dem Körper, ja mit der Mühsal des Lebens selbst. Das ist eine rührend naive Sichtweise. Sicher, ein Berglauf ist anstrengend. Aber er ist auch ein leichtes Vergnügen.

Es ist tatsächlich das Gefühl, in den schöneren, weil ursprünglichen, unverdorbenen, idyllischen Teil Deutschlands zu fahren, wenn man mit dem ICE von Norden nach München unterwegs ist. Vielleicht hat das schon mit dem Klima zu tun oder mit der urtümlichen Münchner Art, aber da gehen die Meinungen ja weit auseinander.

München jedenfalls, so viel steht fest, funktioniert immer wieder gut als Fluchtpunkt, wenn der alle zwei Monate einsetzende Berlin-Koller allzu arg auf das Gemüt schlägt. Die Stadt ist für den Reisenden natürlich auch einfach das Nadelöhr zu den Ostalpen. Deshalb nur umsteigen in München und weiter in den Süden.

Das Wetter ist direkt gut: Schäfchenwolken über Pasing, das Gebirge liegt nicht mehr fern.

Wenn man dann aus dem Zugfenster nach links auf den Starnberger See schaut, auf die Badegäste, die Boote, die Villen, dann hat man das Gefühl, dass es mit der Wohlstandsinsel Deutschland ewig so weitergehen könnte wie bisher, dass die Welt eben doch noch in Ordnung ist.


Zugspitzlauf


Von Garmisch-Partenkirchen aus fährt der Zug nach Ehrwald, in das 2500-Seelen-Dorf in Tirol direkt unterhalb der Zugspitze. In dem Ort ist alles auf den Tourismus ausgerichtet.

Laute Motorengeräusche auf der Hauptstraße: Es ist das lustige Phänomen, dass der minderwertig getunte Kleinwagen gerade in den brutalen Kaffs ein derart wichtiges Statussymbol für die heranwachsende Jugend darstellt, aber wo einmal am Tag der Bus fährt, da geht es ohne Auto eben nicht. So wird aus der Not eine Tugend: Wo du nichts hast, da hast du immer noch deine Karre zum Rumprollen. In den Großstädten käme ja kaum ein junger Mensch auf die Idee, sich ein Auto anzuschaffen.

Ingeborg, die Besitzerin des Haus Ingeborg, steht an ihrem Gartenzaun. Sie hat das mit der Zimmerreservierung leider nicht hinbekommen, aber Gott hab’ die alte Frau selig, ein Ersatz ist schnell gefunden, obwohl so viele Läufer in der Stadt sind.

Die Abendsonne fällt schräg durch die Wolken in das weit ausgeschnittene Tal, es ist jetzt Zeit für ein Wiener Schnitzel und einen Apfelstrudel am Marktplatz.

Am nächsten Morgen wird vorerst Schluss sein mit dem leichten Leben, mit dem verträumten Dahinreisen durch die Republik und dem Schlemmen in heimeligen Gasthöfen. Was dann gefordert ist, steht im genauen Gegensatz zum Sich-Gehen-Lassen – es ist bedingungsloser Wille.

Das Vorhaben: der Zugspitz-Extremberglauf, knapp 18 Kilometer weit, 2235 Höhenmeter auf den höchsten Berg Deutschlands.


Zugspitzlauf


Am Sonntag um 8 Uhr stehen sie überall herum oder laufen sich warm, die Berglauf-Champions in ihren Funktionsshirts, mit ihren Trinkrucksäcken und aerodynamischen Sonnenbrillen. Dazwischen immer wieder diese Tiroler Urgesteine: Männer, die nicht mehr jung sind, aber deren blendender Gesundheitszustand sich gut an der faserigen Beinmuskulatur ablesen lässt.

Jeder versucht jetzt, irgendwie das tolle Gefühl vor dem Start einzusaugen. Es ist ja schwer geworden, sich diesem Diktat der Erlebniseffizienz zu entziehen, das heute überall verkündet wird: Genieß jeden Moment! Mach das Beste aus allem! Nutze deine Zeit optimal! Die Suche auf dem Mp3-Player nach einem Lied, das eventuell genau zu der Stimmung hier passen könnte, gelingt nicht.

Die Sonne ist schon sehr warm an diesem Morgen, dann wird der Countdown heruntergezählt, es geht los.

Es sind eher primitiv-affektive Fragen, die man angesichts der brutalen Steigung auf den ersten Kilometern des Zugspitzlaufs gleichsam der Strecke, dem Berg als Ganzen und sich selbst stellt: Sag mal, hackt’s? Geht’s doch? Willst du mich verarschen?

Als Läufer ohne Jahrzehnte der Erfahrung erscheinen plötzlich nur noch zwei Optionen realistisch: ersticken oder übergeben. Der angsteinflößende Gedanke: Dieses Tempo bei dieser Steigung lässt sich unmöglich noch sehr viel länger durchhalten. Worauf habe ich mich hier eingelassen?

Zum Glück folgt die Route am Anfang einer asphaltierten Straße, die Füße können sich in unterbewusster Monotonie vorwärts schieben, bis der Körper realisiert hat, dass er in den kommenden drei Stunden gefälligst bis an den Grenzen seiner Belastbarkeit zu arbeiten hat. Die Halsschlagader fühlt sich an, als explodierte sie gleich.

Ein Vorteil hat die noch vergleichsweise üppige Vegetation: Die Nadelbäume schirmen den Läufer gegen die Sonne ab. Als der erste Verpflegungsstand kommt, reißt der Wald auf. Almwiesen wohin das Auge blickt, die Steigung flacht sich ab, es geht manchmal sogar nahezu eben über natürlichen Boden geradeaus. Der Kreislauf kommt ein bisschen runter. Dann geht es links den Hang hinauf, in weit ausscherenden Serpentinen, über Wege, auf denen auch noch ein Geländewagen fahren könnte. Schließlich folgt die Route einem steinigen Pfad hinauf zum Joch, das die Läufer vom Reintal trennt.

Es ist das erste Mal, dass alle aufhören zu laufen und zügig marschieren, weil der Weg einfach zu steil ist.


Zugspitzlauf


Adrenalinschub auf der nächsten Etappe, messerscharfe Konzentration: Die Füße scheinen über die Steine zu fliegen, sie nur für Millisekunden zu berühren. Es geht jetzt eine Weile bergab in den Talkessel, der Pfad ist schmal, ein echter hochalpiner Wanderweg, von Steinen durchsetzt, von losem Geröll bedeckt.

Das extrem schnelle Laufen in diesem Gelände macht großen Spaß, es ist ein leichtes Vergnügen.

Gleichzeitig täuscht der Energieschub über die nicht zu vernachlässigende Erschöpfung hinweg, die bereits in den Beinmuskeln steckt und die spätestens ab der Knorrhütte äußerst unangenehm in Erscheinung tritt. Auf den letzten Kilometern nämlich geht es nur noch bergauf.


Zugspitzlauf


Wenn man seinen ersten Marathon gelaufen ist, dann glaubt man ja immer, ein solcher Lauf sei in erster Linie ein ernster, finsterer Kampf gegen sich selbst, aber das ist eine verengte Sichtweise.

Es braucht immer beides im Leben, das konzentrierte und ernsthafte Streben, das Überwindung kostet, und die vergnügliche und humorvolle Leichtigkeit, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Wenn man sich gleichmäßig zwischen beiden Polen bewegt, kann man als Mensch wachsen, ohne zu verkrampfen, und das Leben genießen, ohne hinter seinen Möglichkeiten zurückzubleiben.

Das hat auf den elenden Schuttwegen hinauf zur letzten Versorgungsstation, der Sonnalpin-Alm, einen seltsamen Effekt: Man quält sich wirklich wie ein Hund, die Atmung geht schnell, das Herz hämmert gegen die Brust, die Beinmuskeln übersäuern. Aber es ist trotzdem ein purer Genuss, etwas absolut Schönes und Erbauendes, das im Übrigen noch lange nachwirkt: Mit der Zeit werden die Beine kräftiger und die Füße geschickter, der Puls verlangsamt sich.


Zugspitzlauf


Es wird aber, so gesehen, natürlich trotzdem eine Art Kampfmarsch auf den Gipfel der Zugspitze. Die Steigung ist so groß, dass Laufen kaum noch möglich ist. Der Weg gleicht einer Geröllhalde: Je energischer man die Füße nach oben drückt, umso mehr Steine tritt man los, auf denen man gleich wieder zurückrutscht. Nur wenn der Pfad auf einem kurzen Stück wieder ebener wird, ist es möglich, noch einmal zu laufen, um etwas Zeit zu gewinnen.

Auf den Schneefeldern bieten auch die Trail-Schuhe nur noch wenig Halt, die Hände greifen ins Weiß, das Eis reflektiert die Sonne, die durch die Wolken blendet. Es wird wohl noch gewittern an diesem Tag.

Die letzten Höhenmeter auf den Gipfel der Zugspitze sind mit Drahtseilen versehen. Kurz vor dem Zieleinlauf geht es noch einmal wenige Schritte bergab. Der Versuch, diese letzten Meter laufend zu überwinden, scheitert erbärmlich: Sofort krampft die Wadenmuskulatur, also kurz auf einem Bein hüpfen.

Im Ziel dann der einfache Gedanke: Yes, geschafft!

Das Zugspitzplateau ist voll mit Touristen. Man hält es am ehesten in einem dicken Pulli und mit Weißbier in der Hand an der Brüstung der Aussichtsplattform aus. Von dort fällt der Blick auf die wolkenverhangenen Gebirgsketten der Ostalpen.


Zugspitzlauf


Was noch einmal deutlich wird dort oben auf dem höchsten Berg Deutschlands: Die ultimative Anstrengung, das An-die-Grenze-Gehen ist nicht mehr dieser hochstilisierte Ausnahmezustand, sondern wirkt auf angenehme Art und Weise zusammen mit dem Seichten, dem Leichten; beides geht Hand in Hand, die Zustände bedingen sich gegenseitig und heben sich dann auf.

Wer will sich jeden Tag drillen? Wer will jeden Tag faulenzen? Es geht darum, beides im Wechselspiel ausschöpfen zu können.

Denn was gibt es Schöneres, als aus purer Lust an der Herausforderung einen solchen Berglauf zu machen? Andersherum gefragt: Was gibt es Schöneres, als in der Nachmittagssonne von Ehrwald einen Apfelstrudel zu essen, wenn man zwei Stunden zuvor zwei Kilometer einen Berg hinauf gerannt ist? Das eine gibt dem anderen einen umso größeren Wert.

Bei einem Spaziergang durch die goldenen, vom Wind zerzausten Felder rund um Ehrwald, in dem weiten Talkessel zwischen Wetterstein-Massiv, Grubigstein und Sonnenspitze, spult das Gehirn noch einmal alle Eindrücke des Laufs ab. Die Äste biegen sich im Wind, in einem kleinen Wald, der da mitten auf weiter Fläche steht, und der Bach fließt zwischen den Sträuchern am Wegrand entlang.

Abends dann gibt es gutes Essen in einem Gasthaus: Hirtenpizza, Käse, Wein, eine Karamellcreme.

Als es schon dunkel ist, kommt das Gewitter. Blitze zucken, und für einen Sekundenbruchteil zeichnet sich das abschreckende, nächtliche Bergmassiv der Zugspitze gestochen scharf gegen den Nachthimmel ab. Ein schwarzes, menschenfeindliches Ungetüm.

Der Regen prasselt auf das Geländer des Balkons in der kleinen Pension, sonst hört man nichts, nur den wiederkehrenden Donner im Tal.


Zugspitzlauf


Zugspitz-Extremberglauf auf einer größeren Karte anzeigen

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Obwohl der Großvenediger noch etwas in den Knochen hing, sind mein Bruder und ich zwei Tage danach vom schönen Ort Kals aufgebrochen, um uns dem Großglockner zu nähern. Es war nicht recht einzusehen, ob eine Besteigung des Berges für uns machbar sein würde. Wir entschlossen uns dazu, einen Bergführer anzuheuern. Allein, um die werte Frau Mutter in der Heimat zu beruhigen. Am ersten Tag führte der Weg aus Kals heraus durch alpinen Nadelwald, über Lucknerhaus und Lucknerhütte, bis zur Stüdlhütte auf 2802 Metern. Die Hütte ist benannt nach einem Pionier des Alpinismus, Johann Stüdl. Das Wetter konnte sich nicht dazu durchringen, etwas Sonnenschein durch die Wolken zu lassen, im Gegenteil: Die meiste Zeit lag Nebel über den Bäumen und zwischen ihren Stämmen. Unterhalb der Stüdlhütte waren ausgedehnte Schneefelder zu queren. Der Aufstieg fiel trotz den 20 Kilo Gepäck – das Gewicht war durch den Verzehr von Teilen des Proviants nur geringfügig verringert worden – etwas leichter als noch am Venediger.


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Großglockner, Aufstieg zur Stüdlhütte.


Die Gastleute auf der Stüdlhütte fuhren ein leckeres Essen auf. Wir hatten ausgemacht, uns am nächsten Tag mit dem Bergführer zu treffen. Weil es an diesem Tag aber fast durchgehend regnete, blieben wir auf der Hütte und verschoben den Gipfeltag. Das war auch ganz gut so, mein Bruder fühlte sich nämlich abgeschlagen und in der Magengegend nicht ganz wohl, was er auf die drei Hefeweizen vom Vorabend zurückführte. Abends kam dann unser Bergführer, der Martin. Meine Befürchtung, es könnte sich womöglich um einen wortkargen Sonderling handeln, zerschlug sich schnell. Der Tag auf der Hütte ging recht unspektakulär zu Ende, ein Bier, ein gutes Essen, ein bisschen Smalltalk. Für die Höhenanpassung war die Rast aber sicher gut.


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Stüdlhütte.


Der Morgen brachte eine ganze Menge Neuschnee, Gipfeleuphorie und ein üppiges Frühstück um 5 Uhr. Unnötiger Ballast aus dem Rucksack landete in einem Spint, die Vorfreude auf den Aufstieg zum Gipfel wuchs minütlich. Als ich das erste Mal aus der Hütte trat, merkte ich vor allem, dass es wirklich schweinekalt war. Die Morgensonne, die unzählige schneebedeckte Gipfel in der Ferne mit ihren Strahlen touchierte und rot leuchten ließ, bot aber eine ganz gute Entschädigung.


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Stüdlhütte, Sonnenaufgang.


Aufbruch: Der Weg führte über viel Neuschnee, das Ködnitzkees und einen anstrengenden Grat zur Adlersruhe. Dort befindet sich die höchstgelegene Hütte Österreichs, die Erzherzog-Johann-Hütte auf 3454 Metern, die wir gegen 8.30 Uhr erreichten. Die Aussicht auf die umliegenden Gebirgsketten war schlichtweg atemberaubend. Die bizarre Wolkenbildung ließ den Finger immer wieder auf den Kameraauslöser wandern. Auf der Hütte tranken wir Tee, aßen Energieriegel und legten die Steigeisen an, sie waren auf dem relativ flachen Gletscher wegen des trittfesten Schnees bisher nicht nötig gewesen.


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Erzherzog-Johann-Hütte.


Nach einer kurzen Pause begann der finale Gipfelaufstieg über das Glocknerleitl, einen bis zu 40 Grad geneigten Eishang, der den Bergsteiger beinahe bis zum Gipfelgrat hinaufführt. Es tat gut, mit wenig Gepäck unterwegs zu sein – jeder Schritt kostet in dieser Höhe schon merklich mehr Kraft. Martin führte uns sicher, und das ziemlich beste Wetter für so eine Tour war die gerechte Entschädigung für unseren nebligen Irrweg am Großvenediger. Oberhalb des Eisfelds folgt auf der Normalroute auf den Großglockner dann ein sehr ausgesetzter, überwechteter Grat, der zu beiden Seiten mehrere hundert Meter abfällt. Man erreicht den Kleinglockner und steigt in die Glocknerscharte ab, von dort geht es über Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrat zum Gipfel.


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Kleinglockner, Glocknerscharte und Großglockner.


Um 10.30 Uhr standen wir schließlich oben, auf dem Großglockner, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs. Wir aßen, tranken und machten viele Bilder, dort im Schnee, oberhalb einer Grenze, welche die Wolken an diesem Tag nicht erreichten. Von dort oben sahen sie aus wie Watte, die jemand scheinbar zufällig in den tief ausgeschnittenen Alpentälern drapiert hatte. Martin, der immer vorausgestiegen war, um zu sichern, beglückwünschte uns, und das verbrannte Gesicht vom Großvenediger tat in diesem Moment nicht ganz so weh.


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Großglockner, Gipfel.


Ein wenig stolz und überhaupt guter Dinge stiegen wir ab zur Stüdlhütte. Und wie uns der Tag da so herrlich erschien, eben so, wie sich ein guter Tag nur anfühlen kann, beschlossen wir mit dem übrigen Gepäck komplett vom Berg abzusteigen. Das hieß am Ende des Tages also: 1000 Höhenmeter hinauf und 2500 Höhenmeter nach Kals hinab. Es wäre eine glatte Lüge zu behaupten, dass unsere Knie und Waden das am Abend nicht gemerkt hätten.


Großglockner (3798 m)
Anreise: bis Kals am Großglockner (1324 m)
Hüttenzustieg: über Lucknerhaus (1918 m) und Lucknerhütte (2241 m), ca. 3-4 Stunden
Übernachtung: Stüdlhütte (2802 m), +43 4876 8209, 106 Lager, ab 6 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD+ / II, ausgesetzter Grat, ca. 2-3 Stunden

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Dass sich das Wetter im Gebirge rasch ändert, beweist der Morgen. Gestern noch hing Nebel im Tal und auf den Gipfeln, heute wirft die Sonne ihre Strahlen über die Hänge und sättigt das Grün der Almwiesen und das Rotbraun der Felsen. Der Weg zur Similaunhütte ist eine schonende Angelegenheit, entspannt folgt der Pfad dem Fluss das hinterste Niedertal hinauf. Das Gras zieht sich hier zurück, Schutt und Geröll dominieren die Landschaft. Vom Kamm fließen kleine Bäche hinab. Rechts ragt harmlos die Kreuzspitze in den Himmel, die heute schon wieder vollkommen schneefrei ist. Links schiebt sich langsam der Similaun ins Blickfeld, der ausgeprägte Eiszungen seine Hänge herunter schickt. Dort, wo das Gelände besonders steil ist, reißt der Gletscher auf und gibt das harte Gneisgestein frei. Der Weg zieht den Kamm entlang, es folgen einige Senken, und irgendwann sieht man die Similaunhütte in der Einschartung des Alpenhauptkamms, der Österreich von Italien trennt. Es geht noch einmal steil nach oben, wir kommen ins Schwitzen.


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Similaun vom Weg zur Similaunhütte.
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Ortlergruppe von der Similaunhütte.
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Kreuzspitze von der Similaunhütte.


Auf der Hütte erleichtern wir unsere Rucksäcke um Kleidung, Waschbeutel, Essensvorräte und Steiggerätschaften. Die Fineilspitze kann man trotz ihrer vergleichsweise vorzeigbaren Höhe von über 3500 Metern von der Ostseite her eisfrei besteigen. Der Himmel lässt weithin keine Gewitterwolken oder Anzeichen eines Wetterwechsels erkennen, wir gehen mit leichtem Gepäck weiter. Anfangs verläuft der Weg steil über markiertes Blockgestein, dann flacht das Gelände wieder ab. Bevor der Pfad einen Schlenker zum Denkmal des «Ötzis» macht, der Gletschermumie, die sie hier vor zwanzig Jahren im Eis gefunden haben, sind einige Schneefelder zu queren. Sie sind von der heißen Mittagssonne unangenehm aufgeweicht. Dann folgt das Hauslabjoch, von hier blickt man auf die ansehnlichen Gletscher auf der Westseite der Fineilspitze. Sie rufen den hochalpinen Charakter des Berges in Erinnerung. Ein Stück weit müssen wir nun wieder über Schnee laufen, aber das bereitet auch ohne Steigeisen keine Probleme.


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Fineilspitze vom Hauslabjoch.


Der letzte Anstieg führt über Blockgestein. Man muss die Hände benutzen, rechts fällt der Grat fast senkrecht ab zum Gletscher. Die Kletterpassagen sind wenig schwierig. Die Steine sind warm von der Sonne, wenn man mit den Fingern nach ihnen greift. Bisher wirkte der Berg wie ein einziger zerklüfteter Aufschwung auf einen unspektakulären Kamm, erst vom Gipfel wird seine Prominenz deutlich. Am Fuß der Westflanke unter uns ergießt sich der Hochjochferner über die Ebene, auf der gegenüberliegenden Talseite funkeln die Firnspitzen des Weißkamms im Sonnenlicht. An einem wolkenlosen Tag ist es hier sehr luftig, hoch über den Eisströmen, auf Augenhöhe mit den vergletscherten Massiven rundherum.


weißkugel langtauferer spitze weißseespitze fineilspitze gipfel ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Weißkugel und Langtauferer Spitze (Mitte) mit Weißseespitze (rechts) von der Fineilspitze.
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Hinterer Brochkogel (links) und Wildspitze (Mitte) von der Fineilspitze.
hintere schwärze similaun fineilspitze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Hintere Schwärze (links) und Similaun (rechts) von der Fineilspitze.
weißseespitze fineilspitze ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Weißseespitze von der Fineilspitze.


Fineilspitze (3514 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: über Martin-Busch-Hütte (2501 m), ca. 4 Stunden
Übernachtung: Similaunhütte (3019 m), +39 473 669711, 40 Zimmerlager, 30 Lager, ab 10 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD- / II, ca. 2 Stunden


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In geistiger Zerrüttung und voller Skepsis habe ich dem Wochenende entgegen gesehen. Aber an diesem Samstagmorgen lösen sich alle Sorgen um meine kränkelnde Wade im grauen Nichts auf. Die ersten im steil ansteigenden Pfad eingegrabenen Felsen und Wurzeln nehmend, zerstreuen sich die Gedanken an mein Bein mit zunehmender Höhe, ebenso wie die Schmerzen selbst. Ewig undurchdringlicher Nebel nimmt alle Vegetation in Beschlag, hier oberhalb der Schlegeis-Talsperre, in Österreich, eine knappe Busstunde vom Ort Mayrhofen entfernt. Diese diffuse Vertrauen, dass irgendwie doch wieder alles gut wird, hat sich bestätigt. Ich bin wieder bei mir selbst.

Wie bin ich an diesen Berg hingekommen, was mache ich dort? Am Tag zuvor, am Freitag, war ich nach der Arbeit mit der Bahn nach Mayrhofen gereist. Die verhangenen Berge der Voralpen streiften das Zugfenster, draußen wurde es Nacht. Aus den Lichtern der Stadt heraus fuhr die Eisenbahn in eine alles einnehmende Dunkelheit. Je tiefer der Zug nach Österreich hinein gelangte, je enger die Täler sich einschnitten, und je spärlicher die abendliche Beleuchtung der kleinen Gasthöfe und Pensionen wurde, umso mehr legte sich ein Gefühl von absoluter Gottverlassenheit über den Abend. Um 20 Uhr war es stockfinster. Mich überkam das Gefühl, auf diese Nacht würde kein Morgen folgen. Als schrumpfe der Tag in der Schwärze der viel zu frühen Nacht und als kehrte die ganze Welt durch ein einziges beleuchtetes Fenster ein in ein heimeliges Zimmer, in dem alle Dinge zu ihrem bewegungslosen Ende kommen.

Als ich in Mayrhofen aus dem Bus stieg, holte mich die Wirklichkeit zurück. Die Straßen waren trotz der frischen Temperaturen und der Feuchtigkeit, die in der Luft lag, recht belebt. Es gestaltete sich schwieriger als gedacht, eine Pension zu finden. Die Hotels waren ausgebucht, in den kleinen Gasthöfen machte keiner mehr die Tür auf, auch wenn ich klingelte und Menschen im Wohnzimmer sitzen sah. Gegen 22 Uhr fand sich doch noch ein Zimmer, es war einfach, aber strahlte eine große Ruhe aus. Dort fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Frühstück gab es um 8 Uhr, der Postbus hinauf zum Schlegeis-Stausee ging um 9.30 Uhr.

An der Talsperre bin ich aufgebrochen, ohne zu wissen, wohin ich überhaupt will. Viele hohe Gipfel überragen den See. Ich entscheide mich dazu, zunächst zur Olperer Hütte aufzusteigen – es ist der Weg, auf dem die Schmerzen im Bein verschwinden. Ohne das bewusst entschieden zu haben, raste ich an der Hütte nur kurz, um etwas zu trinken, und steige dann weiter auf. Im Unterbewusstsein ist längt klar, wohin es gehen soll: auf den Olperer, mit 3476 Metern der dritthöchste Berg der Zillertaler Alpen.

Überall ist Nebel. Anfangs ist der Weg noch markiert, bis zum Wegweiser mit der Aufschrift »Olperer (Riepengrat)«. Die Wegscheide zeigt bergan, ins Grau. Ab hier geht es über grobes Blockwerk weiter, den Steinmännern folgend, die Bergsteiger zur Wegfindung errichtet haben. Ich treffe einen Wanderer, der mir vom Berg entgegen kommt. Er ist früh morgens mit einer Stirnlampe aufgebrochen, aber kurz unterhalb des Gipfels umgekehrt. Er erzählt, er habe seine Winterhandschuhe vergessen und weiter oben am Seil seine Finger nicht mehr gespürt. Er hat genau genommen nicht mal mehr gespürt, dass er das Seil in der Hand hielt. Also ist er sicherheitshalber abgestiegen.

Der Vorteil einer Besteigung über den Grat liegt darin, dass man sich nicht verlaufen kann. Das kann bei diesem Nebel schnell passieren. Nur einmal, nach etwa einer Stunde, brechen die Wolken auf und geben den Blick auf die umliegenden Berghänge frei. Ich fotografiere. Nach etwa zehn Minuten ist das Schauspiel zu Ende, der dichte Nebel hat mich zurück. Die Route folgt dem Gratanstieg, die Lücken zwischen den Steinen füllen sich mehr und mehr mit Schnee. Ich kreuze ein Firnfeld, auf dem zum Glück die Fußspuren des anderen Bergsteigers erkennbar sind. Spätestens dort habe ich das Gefühl, absolut alleine mit mir und dem Berg zu sein.

Dann kommt die Schlüsselstelle der Südostroute, ein in der Literatur mit UIAA-Schwierigkeit III angegebener, sogenannter Kamin. Die Steine sind verschneit, das Kletterseil, von dem man nur schwer abschätzen kann, wann es dort einmal fixiert worden ist, besteht aus einem einzigen Eisstrang. Zum Glück sind Schlaufen hineingeknotet, und im Fels stecken zwei notdürftige Tritthaken. Die Steilstelle zu überwinden, ist aber trotzdem nicht leicht. Sich mit dem Bein vom Standpunkt wegzudrücken, in dem Wissen, mit der Hand unweigerlich den nächsten Griffhaken erreichen zu müssen, weil man sonst in eine definitive Fallposition gerät – diese Situation erzeugt ein Gefühl, das zwischen messerscharfer Konzentration und einem vom Bauchraum eruptiv aufsteigenden Adrenalinstoß liegt.


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Olperer, Gipfelkreuz und Gipfelgrat.


Der Gipfelgrat des Olperers ist klettertechnisch nicht mehr allzu schwierig. Allerdings liegt dort nicht nur Schnee, die Steine darunter sind auch noch vereist. Unmittelbar rechts neben den Füßen fällt die verschneite Olperer-Nordwand etwa 500 Meter zum Fuß des Gefrorene-Wand-Gletschers ab. Ich kann ihr Ende im dichten Nebel nur erahnen. Heikel wird es noch einmal unmittelbar vor dem Gipfel, wo ein mächtiger Block – scheinbar wie auf den Grat gelegt – den Weg versperrt. Eisenklammern stecken im Gestein, damit man den Block überklettern kann. Ich umgehe ihn. Dabei balanciere ich auf einer schräg emporragenden, 20 Zentimeter breiten Felsstufe, die voller Eis ist. Unmittelbar neben mir fällt die Nordwand mit einer 80-Grad-Neigung in den ewigen Nebel ab.

Nach vier Stunden Aufstieg vom Stausee bin ich auf dem Gipfel. Hier oben gibt es nichts, nur Felsen und Eis, und das undurchdringliche Grau, das jede Sicht nimmt. Auf einem Berggipfel wie diesem beschleicht einen immer ein seltsames Gefühl, wenn man alleine unterwegs ist. Es ist ein Gefühl, als würden unweigerlich schlimme Dinge passieren, wenn man sich zu lange an diesem Ort aufhält – als liefe eine Sanduhr. Es ist naturgemäß ein Ort, der nur ein kleines Fenster lässt, ein Ort, an dem man nur zu Besuch ist, der einen vielleicht als Gast akzeptiert. Die Gefahr eines Wettersturzes, der die Rückkehr vom Berg empfindlich erschwert, und die irgendwann einbrechende Dunkelheit, die jede sinnvolle Fortbewegung im Gelände unmöglich macht, sind unterbewusst immer präsent. Plötzlich fallen kleine Eiskörner vom Himmel, eine seltsame Mischung aus Schnee und Hagel, es ist Zeit für den Abstieg. Da ist dieses Gefühl, sehr weit weg von allem zu sein und sehr bald zurückkehren zu müssen.


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Olperer, Gipfel.


Olperer (3476 m)
Anreise: bis Stausee Schlegeis (1782 m) über Mayrhofen (633 m)
Hüttenzustieg: ca. 1-2 Stunden
Übernachtung: Olperer Hütte (2389 m), +43 664 4176566, 60 Lager, ab 6 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD / II, ausgesetzter Grat, ca. 3 Stunden

Das Steilstück ist bergab leichter zu machen als auf dem Hinweg. Meine Spuren im Schnee suchend, steige ich bis in eine Höhenlage ab, in der sich der Nebel langsam lichtet. Irgendwann kommt die Olperer Hütte in Sicht, ich erreiche sie gegen 16.30 Uhr. Um 10.30 Uhr bin ich vom Stausee aufgebrochen. Auf der Hütte gibt es noch ein Lager für mich. Ich treffe den Bergsteiger vom Mittag wieder, einen Geschäftsmann aus München. Wir verbringen den Abend bei Bier und Wein in der Gaststube. Zu uns gesellt sich ein Architekt, der an diesem Wochenende ebenfalls alleine unterwegs ist. So sprechen wir über die Berge und ihre Abgeschiedenheit, über die Stadt und ihre Rastlosigkeit, und ein bisschen über das Leben an sich.


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Zillertaler Alpen.


Am nächsten Morgen stehe ich um 7 Uhr auf. Die Kopfschmerzen vom Vorabend sind zum Glück verschwunden. Ich habe am Samstag viel zu wenig getrunken. Am meisten Flüssigkeit verliert man in der Höhe durch die Atemluft. Nach der Olperer-Besteigung waren meine Augen angeschwollen, der Kopf brummte. Wie ich mich aber am Morgen so ganz gut fühle, breche ich um 8 Uhr zum Friesenberghaus auf, um von dort den Hohen Riffler zu besteigen. An diesem Sonntagmorgen über das Blockwerk zu steigen, vollkommen alleine, nur die nebelverhangenen Hänge um mich herum – das hat etwas für sich. Als ich die andere Hütte erreiche, frühstücke ich von meinem Brot, den Äpfeln und den Müsliriegeln. Zusammen mit dem Geschäftsmann breche ich weiter zum Hohen Riffler auf. Der Berg ist technisch einfach, in den höheren Lagen schneit es aber kräftig, und der Wind bläst die Flocken tief unter die Kapuze. Wir haben keine Fernsicht.


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Am Hohen Riffler.


Hoher Riffler (3231 m)
Anreise: bis Stausee Schlegeis (1782 m) über Mayrhofen (633 m)
Hüttenzustieg: ca. 2-3 Stunden
Übernachtung: Friesenberghaus (2498 m), +43 676 7497550, 24 Zimmerlager, 32 Lager, ab 6 Euro
Gipfel: Schwierigkeit F, ca. 2 Stunden

Mit dem Geschäftsmann steige ich ab bis zum See, wir trinken noch ein Bier und blicken über das türkisfarbene Wasser. Es ist angenehm: Mit diesem Mann muss man nicht die ganze Zeit reden, ohne dass es unangenehm wird. Wir sprechen ein bisschen darüber, was uns jetzt die Woche erwartet, in der Stadt, auf der Arbeit. Wir finden beide, dass es gut war, am Wochenende hier gewesen zu sein. Es ist dieses Gefühl des gottverlassenen Entfernt-Seins von allem, diesem Nur-bei-sich-sein, das die Ruhelosigkeit der Stadt wieder erträglich macht.

Der Geschäftsmann nimmt mich in seinem Wagen mit zurück nach München. Wir fahren sehr schnell und reden kaum. Der Freitag, an dem ich angekommen bin, liegt für mich schon weit in der Vergangenheit. Das Abendlicht zieht vorbei, die Landschaft wird flacher, irgendwann döse ich weg. Der Geschäftsmann lässt mich an einer S-Bahn-Station heraus, von der ich schnell nach München hineinfahren kann, heraus aus der Nacht. Ich trage die gleiche Kleidung wie am Freitag. Was mir auffällt, ist nur der Lärm, der am Hauptbahnhof herrscht. Ich bin zurück in der Stadt.


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Zillertaler Hauptkamm.


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