Österreich

Der junge Sportler sieht sich während seines ersten Extremlaufs gerne als Kämpfer, als einsamer Heros in einem urzeitlichen Ringen mit der Distanz und dem Körper, ja mit der Mühsal des Lebens selbst. Das ist eine rührend naive Sichtweise. Sicher, ein Berglauf ist anstrengend. Aber er ist auch ein leichtes Vergnügen.

Es ist tatsächlich das Gefühl, in den schöneren, weil ursprünglichen, unverdorbenen, idyllischen Teil Deutschlands zu fahren, wenn man mit dem ICE von Norden nach München unterwegs ist. Vielleicht hat das schon mit dem Klima zu tun oder mit der urtümlichen Münchner Art, aber da gehen die Meinungen ja weit auseinander.

München jedenfalls, so viel steht fest, funktioniert immer wieder gut als Fluchtpunkt, wenn der alle zwei Monate einsetzende Berlin-Koller allzu arg auf das Gemüt schlägt. Die Stadt ist für den Reisenden natürlich auch einfach das Nadelöhr zu den Ostalpen. Deshalb nur umsteigen in München und weiter in den Süden.

Das Wetter ist direkt gut: Schäfchenwolken über Pasing, das Gebirge liegt nicht mehr fern.

Wenn man dann aus dem Zugfenster nach links auf den Starnberger See schaut, auf die Badegäste, die Boote, die Villen, dann hat man das Gefühl, dass es mit der Wohlstandsinsel Deutschland ewig so weitergehen könnte wie bisher, dass die Welt eben doch noch in Ordnung ist.


Zugspitzlauf


Von Garmisch-Partenkirchen aus fährt der Zug nach Ehrwald, in das 2500-Seelen-Dorf in Tirol direkt unterhalb der Zugspitze. In dem Ort ist alles auf den Tourismus ausgerichtet.

Laute Motorengeräusche auf der Hauptstraße: Es ist das lustige Phänomen, dass der minderwertig getunte Kleinwagen gerade in den brutalen Kaffs ein derart wichtiges Statussymbol für die heranwachsende Jugend darstellt, aber wo einmal am Tag der Bus fährt, da geht es ohne Auto eben nicht. So wird aus der Not eine Tugend: Wo du nichts hast, da hast du immer noch deine Karre zum Rumprollen. In den Großstädten käme ja kaum ein junger Mensch auf die Idee, sich ein Auto anzuschaffen.

Ingeborg, die Besitzerin des Haus Ingeborg, steht an ihrem Gartenzaun. Sie hat das mit der Zimmerreservierung leider nicht hinbekommen, aber Gott hab’ die alte Frau selig, ein Ersatz ist schnell gefunden, obwohl so viele Läufer in der Stadt sind.

Die Abendsonne fällt schräg durch die Wolken in das weit ausgeschnittene Tal, es ist jetzt Zeit für ein Wiener Schnitzel und einen Apfelstrudel am Marktplatz.

Am nächsten Morgen wird vorerst Schluss sein mit dem leichten Leben, mit dem verträumten Dahinreisen durch die Republik und dem Schlemmen in heimeligen Gasthöfen. Was dann gefordert ist, steht im genauen Gegensatz zum Sich-Gehen-Lassen – es ist bedingungsloser Wille.

Das Vorhaben: der Zugspitz-Extremberglauf, knapp 18 Kilometer weit, 2235 Höhenmeter auf den höchsten Berg Deutschlands.


Zugspitzlauf


Am Sonntag um 8 Uhr stehen sie überall herum oder laufen sich warm, die Berglauf-Champions in ihren Funktionsshirts, mit ihren Trinkrucksäcken und aerodynamischen Sonnenbrillen. Dazwischen immer wieder diese Tiroler Urgesteine: Männer, die nicht mehr jung sind, aber deren blendender Gesundheitszustand sich gut an der faserigen Beinmuskulatur ablesen lässt.

Jeder versucht jetzt, irgendwie das tolle Gefühl vor dem Start einzusaugen. Es ist ja schwer geworden, sich diesem Diktat der Erlebniseffizienz zu entziehen, das heute überall verkündet wird: Genieß jeden Moment! Mach das Beste aus allem! Nutze deine Zeit optimal! Die Suche auf dem Mp3-Player nach einem Lied, das eventuell genau zu der Stimmung hier passen könnte, gelingt nicht.

Die Sonne ist schon sehr warm an diesem Morgen, dann wird der Countdown heruntergezählt, es geht los.

Es sind eher primitiv-affektive Fragen, die man angesichts der brutalen Steigung auf den ersten Kilometern des Zugspitzlaufs gleichsam der Strecke, dem Berg als Ganzen und sich selbst stellt: Sag mal, hackt’s? Geht’s doch? Willst du mich verarschen?

Als Läufer ohne Jahrzehnte der Erfahrung erscheinen plötzlich nur noch zwei Optionen realistisch: ersticken oder übergeben. Der angsteinflößende Gedanke: Dieses Tempo bei dieser Steigung lässt sich unmöglich noch sehr viel länger durchhalten. Worauf habe ich mich hier eingelassen?

Zum Glück folgt die Route am Anfang einer asphaltierten Straße, die Füße können sich in unterbewusster Monotonie vorwärts schieben, bis der Körper realisiert hat, dass er in den kommenden drei Stunden gefälligst bis an den Grenzen seiner Belastbarkeit zu arbeiten hat. Die Halsschlagader fühlt sich an, als explodierte sie gleich.

Ein Vorteil hat die noch vergleichsweise üppige Vegetation: Die Nadelbäume schirmen den Läufer gegen die Sonne ab. Als der erste Verpflegungsstand kommt, reißt der Wald auf. Almwiesen wohin das Auge blickt, die Steigung flacht sich ab, es geht manchmal sogar nahezu eben über natürlichen Boden geradeaus. Der Kreislauf kommt ein bisschen runter. Dann geht es links den Hang hinauf, in weit ausscherenden Serpentinen, über Wege, auf denen auch noch ein Geländewagen fahren könnte. Schließlich folgt die Route einem steinigen Pfad hinauf zum Joch, das die Läufer vom Reintal trennt.

Es ist das erste Mal, dass alle aufhören zu laufen und zügig marschieren, weil der Weg einfach zu steil ist.


Zugspitzlauf


Adrenalinschub auf der nächsten Etappe, messerscharfe Konzentration: Die Füße scheinen über die Steine zu fliegen, sie nur für Millisekunden zu berühren. Es geht jetzt eine Weile bergab in den Talkessel, der Pfad ist schmal, ein echter hochalpiner Wanderweg, von Steinen durchsetzt, von losem Geröll bedeckt.

Das extrem schnelle Laufen in diesem Gelände macht großen Spaß, es ist ein leichtes Vergnügen.

Gleichzeitig täuscht der Energieschub über die nicht zu vernachlässigende Erschöpfung hinweg, die bereits in den Beinmuskeln steckt und die spätestens ab der Knorrhütte äußerst unangenehm in Erscheinung tritt. Auf den letzten Kilometern nämlich geht es nur noch bergauf.


Zugspitzlauf


Wenn man seinen ersten Marathon gelaufen ist, dann glaubt man ja immer, ein solcher Lauf sei in erster Linie ein ernster, finsterer Kampf gegen sich selbst, aber das ist eine verengte Sichtweise.

Es braucht immer beides im Leben, das konzentrierte und ernsthafte Streben, das Überwindung kostet, und die vergnügliche und humorvolle Leichtigkeit, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Wenn man sich gleichmäßig zwischen beiden Polen bewegt, kann man als Mensch wachsen, ohne zu verkrampfen, und das Leben genießen, ohne hinter seinen Möglichkeiten zurückzubleiben.

Das hat auf den elenden Schuttwegen hinauf zur letzten Versorgungsstation, der Sonnalpin-Alm, einen seltsamen Effekt: Man quält sich wirklich wie ein Hund, die Atmung geht schnell, das Herz hämmert gegen die Brust, die Beinmuskeln übersäuern. Aber es ist trotzdem ein purer Genuss, etwas absolut Schönes und Erbauendes, das im Übrigen noch lange nachwirkt: Mit der Zeit werden die Beine kräftiger und die Füße geschickter, der Puls verlangsamt sich.


Zugspitzlauf


Es wird aber, so gesehen, natürlich trotzdem eine Art Kampfmarsch auf den Gipfel der Zugspitze. Die Steigung ist so groß, dass Laufen kaum noch möglich ist. Der Weg gleicht einer Geröllhalde: Je energischer man die Füße nach oben drückt, umso mehr Steine tritt man los, auf denen man gleich wieder zurückrutscht. Nur wenn der Pfad auf einem kurzen Stück wieder ebener wird, ist es möglich, noch einmal zu laufen, um etwas Zeit zu gewinnen.

Auf den Schneefeldern bieten auch die Trail-Schuhe nur noch wenig Halt, die Hände greifen ins Weiß, das Eis reflektiert die Sonne, die durch die Wolken blendet. Es wird wohl noch gewittern an diesem Tag.

Die letzten Höhenmeter auf den Gipfel der Zugspitze sind mit Drahtseilen versehen. Kurz vor dem Zieleinlauf geht es noch einmal wenige Schritte bergab. Der Versuch, diese letzten Meter laufend zu überwinden, scheitert erbärmlich: Sofort krampft die Wadenmuskulatur, also kurz auf einem Bein hüpfen.

Im Ziel dann der einfache Gedanke: Yes, geschafft!

Das Zugspitzplateau ist voll mit Touristen. Man hält es am ehesten in einem dicken Pulli und mit Weißbier in der Hand an der Brüstung der Aussichtsplattform aus. Von dort fällt der Blick auf die wolkenverhangenen Gebirgsketten der Ostalpen.


Zugspitzlauf


Was noch einmal deutlich wird dort oben auf dem höchsten Berg Deutschlands: Die ultimative Anstrengung, das An-die-Grenze-Gehen ist nicht mehr dieser hochstilisierte Ausnahmezustand, sondern wirkt auf angenehme Art und Weise zusammen mit dem Seichten, dem Leichten; beides geht Hand in Hand, die Zustände bedingen sich gegenseitig und heben sich dann auf.

Wer will sich jeden Tag drillen? Wer will jeden Tag faulenzen? Es geht darum, beides im Wechselspiel ausschöpfen zu können.

Denn was gibt es Schöneres, als aus purer Lust an der Herausforderung einen solchen Berglauf zu machen? Andersherum gefragt: Was gibt es Schöneres, als in der Nachmittagssonne von Ehrwald einen Apfelstrudel zu essen, wenn man zwei Stunden zuvor zwei Kilometer einen Berg hinauf gerannt ist? Das eine gibt dem anderen einen umso größeren Wert.

Bei einem Spaziergang durch die goldenen, vom Wind zerzausten Felder rund um Ehrwald, in dem weiten Talkessel zwischen Wetterstein-Massiv, Grubigstein und Sonnenspitze, spult das Gehirn noch einmal alle Eindrücke des Laufs ab. Die Äste biegen sich im Wind, in einem kleinen Wald, der da mitten auf weiter Fläche steht, und der Bach fließt zwischen den Sträuchern am Wegrand entlang.

Abends dann gibt es gutes Essen in einem Gasthaus: Hirtenpizza, Käse, Wein, eine Karamellcreme.

Als es schon dunkel ist, kommt das Gewitter. Blitze zucken, und für einen Sekundenbruchteil zeichnet sich das abschreckende, nächtliche Bergmassiv der Zugspitze gestochen scharf gegen den Nachthimmel ab. Ein schwarzes, menschenfeindliches Ungetüm.

Der Regen prasselt auf das Geländer des Balkons in der kleinen Pension, sonst hört man nichts, nur den wiederkehrenden Donner im Tal.


Zugspitzlauf


Zugspitz-Extremberglauf auf einer größeren Karte anzeigen

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Vent — Frühstück auf der Terrasse der Breslauer Hütte, es ist komplett finster. Etwa 200 Menschen schlafen noch oder stehen gerade auf oder packen jetzt ihren Rucksack. Sie wollen heute alle auf die Wildspitze. Es ist Wochenende, es ist gutes Wetter.

Wir sind die ersten, die aufbrechen. Um uns herum ist es immer noch so dunkel, dass die Steine auf dem Weg kaum zu erkennen sind. Langsam zieht die Dämmerung herauf.

Wir steigen durch das Tal bis zum steinernen Aufschwung des Mitterkarjochs, folgen roten Punkten durch felsiges Gelände. Steigeisen anziehen, das Schneefeld unterhalb der Felswand ist hartgefroren und steil. Steigeisen ausziehen, der Klettersteig erfordert guten Tritt. Etwa 50 Meter kraxeln wir an Drahtseilen nach oben, die frühe Morgensonne in unserem Rücken überzieht die Berge mit einem blassen Schleier.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm vom Mitterkarjoch (Großansicht).


Wir erreichen das Joch, die Sonne bricht hervor. Vor uns eine große, weite Eislandschaft, um uns herum klare Morgenluft. Das gute Gefühl, die Ersten am Berg zu sein. Der Weg über den Gletscher zum Gipfel ist nicht steil.

Um auf den Nordgrat zu kommen, müssen wir aber einen stark geneigten Aufschwung überwinden. Die Frontzacken der Steigeisen schlagen ins Eis. Dann geht es, wechselnd über Firn und Fels, weiter bis zum Kreuz, das nun, um 8 Uhr morgens, weithin sichtbar in der Sonne glänzt. Die Berge in der Ferne schimmern weiß-golden.


Ramolkamm von der WildspitzeRamolkamm von der Wildspitze (Großansicht).
Wildspitze GipfelgratWildspitze, Gipfelgrat.
Hintere Schwärze und SimilaunHintere Schwärze (links) und Similaun (rechts) von der Wildspitze.
Weißkugel von der WildspitzeWeißkugel von der Wildspitze.
Ramolkamm und SchnalskammRamolkamm und Schnalskamm von der Wildspitze (Großansicht).


Frühstück auf dem Gipfel: weiße Schokolade und hochprozentiger Rum. Bevor es voll wird auf dem höchsten Fleck Tirols, brechen wir auf.

Ein Abstieg zurück über das Mitterkarjoch, Nadelöhr auf der Hauptroute, scheint schwierig. Staugefahr droht, immer noch steigen größere Gruppen auf. Wir verlassen den Gipfelgrat in Richtung Osten.

Spuren im Schnee führen über den nordseitigen Gletscher bis zu einem Durchstich im Westgrat, an dem das Eis steil über einen Bruch zum oberen Rofenkarferner abfällt. Wir steigen vorsichtig hinab. Weiter unten ziehen sich Spalten durch das Eis, aber sie liegen frei und offen in der Sonne. Der Gletscher macht hier keine großen Mühen mehr, irgendwann kommt er in einem letzten Zerwürfnis zum Stehen. Wir sind unten.


Rofenkarferner und WildspitzeÖtztaler Urkund (links) und Wildspitze (Mitte) vom Rofenkarferner.

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Über den Wolken, die kurz nach der Dämmerung in den schwarzen Alpentälern hängen, werden die schneebedeckten Gipfel der Ortlergruppe von den ersten Sonnenstrahlen in oranges Licht getaucht. Weit darüber wacht noch der Mond, an tiefes Dunkelblau geheftet. Im Nordosten glüht der Himmel hinter den Silhouetten der Bergkämme hervor, als schmelze dort jemand Erz. Kein allzu trübsinniger Anblick für einen Morgen, an dem man noch vor dem Frühstück rasch auf den Similaun steigen möchte. Wir brechen um kurz vor 6 Uhr am Niederjoch auf, schon nach einigen Minuten erreicht man den Gletscher.


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Königspitze (links), Monte Zebrù (Mitte) und Ortler (rechts) von der Similaunhütte.
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Fineilspitze vom Niederjochferner.


Über eine einzige Gletscherrampe geht es nach oben zum Gipfel, das Eis zieht sich hinauf bis zur Spitze des Berges. Im unteren Teil des Ferners folgt der Weg erst dem Felshang, bis der Gletscher über einen leichten Bruch abfällt und die Spuren nach rechts oben kreuzen, damit man nicht allzu steil aufsteigen muss. Die Spalten liegen noch frei, der Schnee ist am frühen Morgen aber ohnehin hartgefroren. Wir steigen über die Westflanke auf, irgendwann fällt die Sonne über das funkelnde Eis und bestätigt die Hoffnung auf einen vorzüglichen Tag. Bis zum Gipfelaufbau verlaufen die Spuren ziemlich eben, sie sind nicht tief, die bezackten Stiefel finden einen guten Halt. Die Sonne versucht den Dunst aus den Tälern zu verdrängen, aber es will ihr nicht recht gelingen. Der Similaun hüllt seinen Gipfel immer noch in Wolken.


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Similaun vom Niederjochferner.


Das Eis wird steiler, als wir uns dem Gipfel nähern, keine zwei Stunden liegen hinter uns. Zickzack-Spuren ziehen sich den Hang hinauf, über uns treiben Wolkenfetzen vorbei. Noch ein Vorstoß nach rechts, und wir blicken über die Bruchkante nach Italien. Die Sicht auf die Berge ist verschleiert durch den Nebel. Zurück nach links auf den windigen Firngrat, der zum Gipfelkreuz führt. Die Wolken reißen auf, man schaut auf den 200 Meter tiefer fließenden Gletscher herunter, der wie das Wasser eines Ozeans auf dem Berg liegt, nur um den Blick wieder über die weißen Wolkenkissen hinweg in Richtung Horizont zu richten, der irgendwo mit dem Himmel verschwimmt, während zähes Nebelgrau noch höherer Wolken die gesamte Szenerie einrahmt. Der moderate Aufstieg raubt nicht allzu sehr den Atem, der Blick vom Similaun-Gipfelgrat – man möge mir diese kitschige Analogie verzeihen – um einiges mehr. Zeit für eine Rast, auch wenn sie kurz vor dem Gipfel kommt. Oben angekommen müssen wir uns etwas gedulden, bis der Dunst endgültig aufreißt und der einzige Viertausender der Ostalpen in den Himmel ragt.


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Grafferner vom Gipfelgrat des Similauns.
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Hintere Schwärze vom Similaun.
marzellspitzen hintere schwärze similaun ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Marzellspitzen (vorne) und Hintere Schwärze (hinten) vom Similaun.
piz palü piz bernina similaun berninagruppe horizont ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Piz Palü (links) und Piz Bernina (rechts) vom Similaun.
monte vioz pàlon de la mare monte cevedale similaun ortlergruppe ötztaler alpen ötztal bergsteigen hochtour wandern gletscher panorama gipfel berge gebirge
Monte Vioz und Pàlon de la Mare (links) mit Monte Cevedale (Mitte) vom Similaun.


Similaun (3599 m)
Anreise: bis Vent (1895 m)
Hüttenzustieg: über Martin-Busch-Hütte (2501 m), ca. 4 Stunden
Übernachtung: Similaunhütte (3019 m), +39 473 669711, 40 Zimmerlager, 30 Lager, ab 10 Euro
Gipfel: Schwierigkeit F, Gletscherspalten, ca. 2 Stunden


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Das Auge sucht das Blickfeld mechanisch nach dem einzigen Farbtupfer ab, den es in dieser Höhe gibt. Wo ist der nächste rote Punkt, die nächste Wegmarkierung? Grobes Blockgestein verliert sich im Nebel, die Sicht beträgt vielleicht zehn Meter, der Grat steigt weiter an. Manchmal greifen die Hände nach dem Fels, um das Gleichgewicht des Körpers halten zu können. Sehr viel höher kann es nicht mehr gehen, aber es taucht immer nur ein neuer Felsbrocken auf. Und noch einer. Karge Monotonie. Dann endlich setzt sich das hölzerne Gipfelkreuz gegen das undurchdringliche Grau der Umgebung ab.

Es ist eigentlich keine gute Idee, noch am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr, vollkommen allein auf einem mehr als 3400 Metern hohen Alpengipfel zu stehen, im Nebel über den Gletschern.


Wilder Freiger, Gipfelgrat


Drei Stunden zuvor hat noch die Sonne geschienen, 1200 Meter weiter unten im Tal. Auf der Terrasse der Sulzenauhütte greifen Wanderer in der Mittagshitze zum ersten Radler des Tages, sie essen Kaiserschmarrn, trinken Kaffee, manche sind aus dem Tal aufgestiegen, manche machen hier halt auf dem Stubaier Höhenweg, die Hütte ist voll.

Wir sind am Vormittag von der Nürnberger Hütte über die Mairspitze gekommen, es ist jetzt an der Zeit, die Bergstiefel auszuziehen, die Füße ins Gras zu halten und einen Apfelstrudel zu bestellen – oder noch auf den Wilden Freiger zu steigen, auf einen der großen, vergletscherten Dreitausender in den Stubaier Alpen.

Es ist mittlerweile kurz nach Mittag, etwa 14 Uhr, bis zum Sonnenuntergang bleiben also noch ungefähr fünf Stunden für Auf- und Abstieg. Die Karte zeigt die Aufstiegsroute: ein Wanderweg, dann Gletscher, am Ende ein Felsgrat. Wie sind die Schneeverhältnisse? Optimal, auf den Höhen ist in den vergangenen Tagen kein neuer Schnee gefallen.

Es gibt eine goldene Regel im Gebirge: Gehe niemals allein und unangeseilt auf einen Gletscher. Wenn du in eine Spalte stürzt, brichst du dir womöglich alle Knochen und falls nicht, wird eventuell niemand dein verzweifeltes Rufen aus den Tiefen der kalten Eishöhle hören. Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn der Gletscher aper ist und die Spalten nicht von Schnee überdeckt sind, sondern offenliegen. Dann ist einem rational handelnden Menschen durchaus zuzutrauen, dass er die Risse im Eis wahlweise umgeht oder überspringt. Einen Versuch ist es wert.

Der Weg verläuft zuerst vorbei an der Blauen Lacke, einem kleinen Gebirgssee, an dessen Ufer Wanderer bestimmt drei Dutzend Steinmandl aufgestellt haben. Die Sonne ist hier noch kräftig an diesem Sommertag. Nach einer ausscherenden Linkskurve steigt der Pfad etwas steiler an bis zur Fernerstube, das ist der Gletscher, der westlich des Wilden Freigers vom Berg herabfließt. Auf der Karte führt der Weg ab hier blau gepunktet über das Eis, aber natürlich gibt es hier gar keinen richtigen Weg mehr, man muss jetzt selbstständig eine Route finden. Der Gletscher ist tatsächlich aper, die Spalten liegen frei.

Bald macht die Eiszunge einen Schwenk nach Osten, durch die Richtungsänderung ist das Eis an dieser Stelle besonders aufgerissen. Es ist ein Zick-Zack-Kurs über den Gletscher. Im oberen Bereich der Fernerstube liegt noch etwas Schnee, aber nur ganz wenig, und das Gelände ist flach. Irgendwann ist der Felsgrat erreicht, der Himmel hat sich zugezogen.


Wilder Freiger
Wilder Freiger, Gletscher
Wilder Freiger


Noch eine gute halbe Stunde leichte Blockkletterei trennt den Bergsteiger an dieser Stelle vom Gipfel. Der Grat ist in Nebel gehüllt, niemand ist hier oben unterwegs um diese Tageszeit. Es ist nicht ganz leicht, immer sofort den nächsten roten Punkt im Gelände auszumachen, aber es gibt im Prinzip nur einen Weg: weiter nach oben, bis das Kreuz auftaucht.

Drei Stunden hat der Aufstieg am Ende gedauert. Es ist schon spät am Nachmittag, aber die Dunkelheit wird noch wenigstens zwei Stunden auf sich warten lassen. Das Zeitfenster reicht aus.

Auf dem Weg bergab gabelt sich der Grat in zwei Richtungen auf, man verliert im Nebel leicht die Orientierung, steigt womöglich auf der falschen Seite des Bergs ab und landet dann irgendwann irrtümlich auf der Müllerhütte. Vor dem falschen Abbiegen bewahrt ein Kompass.

Plötzlich trägt der Wind ferne Ruflaute vom Gletscherbecken an das Ohr, die gar nicht da sind, es wird langsam etwas befremdlich hier oben: schnell hinunter zur Fernerstube.

Auf dem Gletschereis ist es möglich, mit den Steigeisen ein bisschen zu traben, das Eis ist hart, die Zacken finden sofort Halt, deshalb sind die Schritte präzise. Keine halbe Stunde dauert die Passage über den Gletscher. Nach knapp fünf Stunden ist der Alleingang auf den Wilden Freiger vorbei, auf der Sulzenauhütte warten Radler und Strudel, dieses Mal wirklich. Heute geht es nirgendwo mehr hin.

Wilder Freiger (3418 m)
Anreise: bis Grawaalm (1530 m)
Hüttenzustieg: über Sulzenaualm (1847 m), ca. 2 Stunden
Übernachtung: Sulzenauhütte (2191 m), +43 676 3877073, 40 Zimmerlager, 100 Lager, ab 8 Euro
Gipfel: Schwierigkeit PD, Gletscherspalten, ca. 3-4 Stunden


Wilder Freiger auf einer größeren Karte anzeigen

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Der Berg ist nicht immer der Berg – das ist so eine Binsenweisheit, die man schnell aufstellen könnte über das Hochgebirge. Der Berg wandelt sich nämlich mit den Jahreszeiten, mit dem Wetter, mit dem Schnee, der friert und wieder taut und wieder friert, und mit dem Wind, der an seinen Graten und Flanken nagt. Der Berg sieht immer anders aus. Wenn der Bergsteiger nun anrückt, um den Berg zu bestiegen, findet er fast nie die gleichen Bedingungen vor. Was im vergangenen Sommer noch leicht erschien, weil es an diesem einen Tag damals vielleicht 15 Grad hatte, ist heute, bei – sagen wir – minus 3 Grad, schon ziemlich heikel. Deshalb sagt die objektive Schwierigkeit einer Route immer nur die Hälfte über die Besteigung aus, die andere Hälfte muss man sich sozusagen vor Ort, in der Praxis, direkt am Berg erschließen. Man muss sich erst mal anschauen, ob eine Besteigung überhaupt zu machen ist.

Das Schönbichler Horn in den Zillertaler Alpen ist ein prominenter Berg. Nicht, weil es besonders hoch wäre (3133 Meter) oder seine Erscheinung auffallend markant: Das Schönbichler Horn liegt auf dem Berliner Höhenweg, und wer sich dazu entschlossen hat, in etwa einer Woche den gesamten Rundweg von Hütte zu Hütte zu begehen, der muss früher oder später über diesen Berg steigen, wenn er keinen Umweg über das Tal nehmen möchte. Nur ist das Schönbichler Horn eben auch ein Berg, dessen Gestalt sich mit der Witterung grundlegend ändert. An manchen Sommertagen ist die Überschreitung des Gipfels eine sorglose Wanderung, an anderen ein heikles Unterfangen. Eine Rückschau auf drei Begehungen.

2003

Spätsommerwetter in den Ostalpen: Die Sonne brennt heiß, die Luft ist warm, die Gletscher sind aper, und Neuschnee ist seit mindestens zwei Wochen nicht mehr gefallen. Die Höhenzüge sind schneefrei. Der Weg auf das Schönbichler Horn ist vom Furtschaglhaus oberhalb des Schlegeis-Speichers in zwei Stunden zu machen. Die Drahtseile auf der anderen Seite, die hinunter zur Berliner Hütte führen, lassen sich gut greifen. Die Steine zum Treten und Festhalten sind trocken und warm. Das macht großen Spaß, diese leichte Kletterei hier oben, in Sichtweite des vergletscherten Zillertaler Hauptkamm. Mit Konzentration und gutem Tritt ist der Weg an diesem Tag ohne Probleme zu machen.

2007

Der Blick von der Terrasse des Furtschaglhauses zum Gipfel verheißt um 7 Uhr morgens wenig Gutes: Neuschnee ist bis auf 2500 Meter hinuntergefallen, der Bergkamm liegt im Nebel, die Sicht ist schlecht. Trotzdem: Aufstieg. Unterhalb der Scharte hat eine ansehnliche Schneedecke die losen Steine überzogen. Ein bisschen am Hilfsseil entlang hangeln, kurz auf den Gipfel steigen, und dann: Abstieg über die verschneite Gipfelflanke. Die Steine sind rutschig. Man sieht kaum etwas. Das Drahtseil ist schlecht zu greifen. Und der Weg, der aus der Flanke auf den Grat führt, ist nicht recht zu erkennen. An diesem Tag stürzt ein Bergsteiger beinahe direkt vor uns auf dem Weg nach unten rund 70 Meter ab, vermutlich ist er einfach weggerutscht, war eine Sekunde unaufmerksam, hat wegen seines schweren Rucksacks das Gleichgewicht verloren. Die Rettungssanitäter kommen mit dem Hubschrauber und fliegen den Verunglückten in eine Klinik. Später in der Hütte: bedrückte Stimmung trotz aufmunternder Worte. Schicksalsberg Schönbichler Horn, an diesem Tag liegt er wie eine Mahnung in den Wolken.


Schönbichler Horn
Schönbichler Horn
Bild 263
Schönbichler Horn.


2010

Die Sonne verdrängt am Morgen die Schatten aus dem Tal, auf den Höhen liegt trittfester Schnee, der Himmel ist blassblau über den Gipfeln. Weil um die Spitze des Schönbichler Horns herum nicht ein Wolkenfetzen hängt, wirkt der Schnee wenig bedrohlich, obwohl das natürlich ein Trugschluss ist. Wir klettern mit dem nötigen Respekt, aber durchaus heiter durch das Steilstück bergab, man sieht von oben schon die Berliner Hütte und mit ihr die Aussicht auf eine ordentliche Mahlzeit. Alles kein Problem, der Auf- und Abstieg an diesem Morgen. Dann bis zum nächsten Mal.


Hochsteller, Olperer, Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Hochsteller (links) und Olperer (rechts).
Hoher Weißzint, Hochfeiler, Hochferner, Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Hoher Weißzint, Hochfeiler und Hochferner.
Großer Geiger (vorne) und Tuxer Hauptkamm (hinten) vom Schönbichler Horn, Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Geiger (vorne) und Tuxer Hauptkamm (hinten) vom Schönbichler Horn.
Hoher Riffler vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Hoher Riffler vom Schönbichler Horn.
Größer Mörchner (links) und Großer Löffler (rechts) vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Größer Mörchner (links) und Großer Löffler (rechts) vom Schönbichler Horn.
Großer Mörchner (Mitte vorne), Großer Löffler (Mitte hinten), Schwarzenstein und Hornspitzen (rechts) vom Schönbichler Horn Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Mörchner (Mitte vorne), Großer Löffler (Mitte hinten), Schwarzenstein und Hornspitzen (rechts).
Großer Möseler Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Großer Möseler.
Olperer (links) und Gefrorene-Wand-Spitzen (rechts) von der Berliner Hütte Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Olperer (links) und Gefrorene-Wand-Spitzen (rechts) von der Berliner Hütte.
Turnerkamp von der Berliner Hütte Zillertal, Zillertaler Alpen, Berliner Höhenweg, Berge, Gebirge, Gletscher, Panorama, Wandern, Bergsteigen, Hochtour
Turnerkamp von der Berliner Hütte.


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