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Bulawayo — Bulawayo ist Simbabwes einzig akzeptable Großstadt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass es in dem südostafrikanischen Staat eigentlich nur zwei Metropolen gibt und Harare einem Moloch gleicht.

In Bulawayo fällt dem Reisenden, mit einem klapprigen Minibus von Norden kommend, zunächst der relativ zur übrigen Versorgung des Landes eindeutige Überfluss an Lebensmitteln auf. Noch im eine halbe Stunde vor der Stadt am staubigen Straßenrand liegenden Tigerhurst Bottle Store & Regulars beschränkte sich das Warenangebot, so mussten wir ernüchtert feststellen, auf ein paar warme Flaschen Coca Cola, fad schmeckende Kekse und abgepacktes Toastbrot.

Die zweifelhafte Verknüpfung von Konsum und Glück indes wird bereits durch den Slogan »Open Happiness« auf dem Coca-Cola-Werbeschild deutlich, das unweit der Stadtgrenze genau gegenüber des »Welcome to Bulawayo«-Schilds auf der anderen Straßenseite aufgestellt wurde.


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Reisenden mit nachrangigen Ansprüchen an ein »charmantes« Ambiente sei das Berkeley Place in der Josaiah Tongogara Road zur Übernachtung empfohlen. Es ist günstig, und wenn der Gast nach einem Steckdosenadapter fragt, kann es sein, dass die rüstige Besitzerin ihm kurzerhand gleich selbst die Haare föhnt.

Nicht weit entfernt von der Pension, beim Centenary Park, soll sich allerdings dem hysterischen Verfasser des Lonely Planet zufolge eine der gefährlichsten Straßen Afrikas befinden (»Don’t even think about walking down the street at night!«). Wir haben das nicht überprüft.

Die für einen Polizeistaat typischen, an jeder Straßenecke blöd herumstehenden Uniformierten, obgleich sonst für eine kompromisslose Repression der Zivilbevölkerung sorgend, vermitteln dem Touristen perverserweise ein nicht zu unterschätzendes Gefühl der Sicherheit.


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Diejenigen, die vom korrupten Autokratenregime Robert Mugabes direkt oder indirekt profitieren, fahren gerne vor der Haefeli’s Swiss Bakery mit ihren SUV-Geländewagen vor und fläzen sich in ihren teuren Anzügen aus Südafrika auf die bequemen Stühle des Cafés, um The Zimbabwean oder den Zim Observer zu lesen und über ihre Geschäfte zu reden. Die mit weißen Häubchen bedeckten Kellner des Lokals servieren ausgezeichnetes Gebäck.

Wir ließen dort den Abend hereinbrechen, vor uns parkte ein weißer BMW X3 am Straßenrand.


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Wer von den mühseligen Überlandfahrten in schrottreifen Rostlauben hungrig geworden ist, kann sich in Bulawayo aber auch in dem bereits an anderer Stelle erwähnten Dreigespann aus Chicken Inn, Pizza Inn und Creamy Inn mit fettreicher, für den westlichen Magen problemlos zu bewältigender Fast-Food-Kost sättigen.

Empfehlenswerter ist dagegen der Innenhof der National Art Gallery in der Leopold Takawira Ave. Dort beginnt der Tag, wenn man will, wahlweise mit Schokoladen- oder Zitronenkuchen, Cappuccino und einer wohlschmeckenden Zitronenlimonade. In den schattigen Räumen im ersten Stock waren zuletzt die Bilder von Kindern ausgestellt, die mit Wachsmalstiften die Infektionskrankheit HIV darzustellen versuchten, unter der in Simbabwe jeder siebte Erwachsene leidet.

Wenn nicht gerade eine Parteikundgebung der MDC von den Ordnungskräften niedergeknüppelt wird, merkt der Reisende in Bulawayo kaum, dass er sich in einem diktatorisch regierten Land befindet. In den sonnigen und breiten Straßen lässt es sich vielmehr bequem auch länger als einen Tag aushalten. Es gibt Internetcafés, Restaurants und verschiedenste Geschäfte, einen großen Markt, Kunstgalerien und Bars.


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Die Fake-Couture der hiesigen Designerläden lässt zwar stark an Geschmack zu wünschen übrig, wir sahen dafür aber einen jungen Hipster, dessen Outfit (High-Top-Sneaker, Slimfit-Hose, Weste und Basecap in schwarz, dazu oranges Hemd und Plastikgestell) den schwer erträglichen Fashion-Faschisten und Modebloggern im Pseudoindividualistenmekka Berlin-Kreuzberg die Zornesröte der Eifersucht ins Gesicht getrieben hätte.

Mutmaßlich fand sich besagter Stilvisionär im hippen Baku Club ein, aus dem auch am späten Abend – die Sonne war schon lange untergegangen – noch die aktuelle US-Popmusik eines T-Pain oder Lil Wayne in das ansonsten menschenleere Bulawayo Center hinausschallte.

Wir schauten uns im Kino für drei Dollar einen Hollywoodfilm an und fuhren zurück ins Hotel.


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Harare / Masvingo — In Harare möchte man nicht leben. Wohl aber lassen sich dort, wenn man auf Durchreise ist und den ländlichen Gegenden eine Weile den Rücken kehren möchte, zwei Ruhetage verbringen. Nichtsdestotrotz, die Hauptstadt von Simbabwe ist nicht sonderlich ansehnlich. Eben eine klobige, dreckige Millionenstadt in Afrika.

Auf dem mannshohen Zaun, der unsere Pension, die Palm Rock Villa in der Selous Ave, von der übrigen Stadt abschirmte, war eine Rolle Nato-Stacheldraht angebracht, und das musste nun auch irgendwelche Gründe haben. Wir schlenderten nur bei Tageslicht von der Herberge aus in die Innenstadt.

Einer der Taxifahrer zeigte uns eines Abends – wir hielten an einer Tankstelle und kauften Wasser – die Narben auf seinem Kopf. Einmal nämlich, erzählte er, hätten ein Mann und eine Frau versucht, seinen Wagen zu rauben und ihn mit einem gewöhnlichen Schraubenzieher attackiert. Tagsüber schien indes die Sonne, die Straßen der Downtown machten keinen allzu lebensbedrohlichen Eindruck.


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Harare
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HarareHarare, Downtown.

Great Zimbabwe
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Great ZimbabweDie Überreste des alten Munhumutapa-Reiches.

Leider verkehren die Minibusse zwischen Great Zimbabwe und Masvingo nach Einbruch der Dunkelheit höchst unregelmäßig. Ein Taxi für eine Strecke von 39 Kilometern ist auch in Simbabwe, wo es keine eigene Landeswährung mehr gibt und stattdessen mit relativ teuren US-Dollar und südafrikanischen Rand gezahlt wird, eine wohlüberlegte Investition. Wir entschieden uns dagegen und für das Fahren per Anhalter. Generell ist Trampen in Südostafrika natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden, das je nach Situation und Tageszeit wiederum zu vernachlässigen ist. Wir hatten aber ohnehin das Glück, von einem offensichtlich sehr wohlhabenden Parlamentarier und seiner Frau in einem geräumigen, schwarzen SUV-Geländewagen mitgenommen zu werden.

Er habe vor, mit einer Schule in Deutschland zu kooperieren, erklärte der Mann, ob wir ihm da nicht einen Kontakt empfehlen könnten. Wir tauschten Adressen aus und bedankten uns für die Fahrt, entstiegen im überaus ruhigen Zentrum von Masvingo und ließen uns zu Kaffee und Bananenmilchshakes in einem hell erleuchteten Lokal nieder.

Übernachten kann man übrigens gut in der Titambire Lodge, die Pension am Stadtrand erinnert mehr an ein Privathaus als eine öffentliche Herberge.


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Great ZimbabweAbendstimmung am Great Zimbabwe National Monument.

Bewegt sich der Reisende in Simbabwe nun von Masvingo nach Norden, sollte er geerdet genug sein, um sich auf Harare einlassen zu können, wozu eingangs im Prinzip alles Wichtige gesagt worden ist. Man könnte nun noch erwähnen, dass es bei unserer Ankunft in der Stadt für mindestens einen ganzen Tag kein fließendes Wasser geben sollte, was angesichts der staubigen Überlandpisten für ein gewisses Unwohlsein sorgte. Allerdings stellte der Besitzer der Pension seinen Gästen auf Nachfrage große Plastiktonnen mit gesammeltem Regenwasser zur Verfügung. Der Geruch des fragwürdigen Inhalts konnte die latente Assoziation mit Motoröl während des Duschens allerdings nie vollständig zerstreuen. Am Busbahnhof der Stadt steht darüber hinaus die mit Abstand schlimmste öffentliche Toilette im südlichen Afrika.

Um eine Floskel aus dem Reiseklassiker Ferien für immer zu bedienen: Harare ist womöglich nicht so schlimm, wie es hier dargestellt wurde.

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